Tanya Lukin Linklater. Crested
30.05. - 30.08.2026 | Portikus, Frankfurt am Main
Eingabedatum: 29.05.2026

Der Portikus freut sich, mit Crested die erste institutionelle Einzelausstellung von Tanya Lukin Linklater (Sugpiaq, *1976, Kodiak Island, USA) in Europa zu präsentieren. Speziell für den Portikus entwickelte Lukin Linklater eine neue Werkgruppe aus Bugholzskulpturen, textilen Rauminstallationen, Perlenstickereien und Aquarellen, in denen sie sich mit Fragen von Zugehörigkeit, Erinnerung und Indigenem Wissen im Kontext des Nachwirkens kolonialer Gewalt auseinandersetzt.
Seit über fünfzehn Jahren lebt Lukin Linklater in North Bay im Norden Ontarios, auf dem Territorium der Nbisiing Anishnaabeg. Ihre familiären Wurzeln liegen in Afognak und Port Lions in Alaska – einer Region, die tief von russischem Kolonialismus und der späteren amerikanischen Vorherrschaft geprägt ist. Die Erfahrung eines Lebens zwischen Orten, Sprachen und Wissenssystemen bildet einen zentralen Ausgangspunkt ihrer Praxis.
In Crested setzt sich Lukin Linklater mit den Folgen kolonialer Enteignung ebenso auseinander wie mit Formen kultureller Kontinuität und Widerständigkeit. Ihre Arbeiten greifen visuelle Traditionen, kulturelle Techniken und Methodologien von Sugpiaq-Gemeinschaften auf und verstehen sich als relationale Praxis: als ein Denken in Beziehungen – zur Geschichte, zur Landschaft, zu gelebter Kultur und zu verkörpertem Wissen.
Ein zentraler Bezugspunkt der Ausstellung ist eine kleine gewebte Tasche aus Sugpiaq-Besitz in der Sammlung der Kunstkammer in Sankt Petersburg, die im 19. Jahrhundert im Kontext russischer Kolonialherrschaft aus Alaska dorthin gelangte. Ausgehend von diesem Besitztum fragt Lukin Linklater nach möglichen Formen von Restitution und Rückführung.
Dabei interessiert sie insbesondere die Frage, wie Wissen, kulturelle Praktiken und Beziehungen trotz kolonialer Kontrolle und institutionellen Vergessens weitergetragen werden können.
In ihren installativen Arbeiten nimmt Lukin Linklater Bezug auf Sugpiaq-Kosmologien, auf Symbole der Zierde, auf traditionelle Bugholz-Techniken sowie auf Wetterphänomene, Wasserbewegungen und Wissensstrukturen. Zugleich thematisiert sie hybride Formen, die aus kolonialen Gewaltverhältnissen hervorgegangen sind. Europäische Materialien wie Glasperlen oder Stoffe wurden in bestehende Indigene kunsthandwerkliche Traditionen integriert und in selbstbestimmte Ausdrucksformen überführt. In kleinen Gesten verweist Lukin Linklater dabei insbesondere auf die oft unsichtbar gebliebenen Wissensräume Indigener Frauen.
Die Ausstellung wird am 30. und 31. Mai 2026 durch eine Reihe von Open Rehearsals aktiviert. Gemeinsam mit den Performer*innen Mya Dixon, Talia Dixon, Mekko Harjo und Mina Linklater entwickelt die Künstlerin choreografische Situationen, die Zuhören, Wahrnehmung und körperliche Befragung als Formen der Wissensweitergabe erfahrbar machen. Die offenen Proben verstehen sich nicht als abgeschlossene Aufführungen, sondern als sich fortwährend verändernde Prozesse.
Mit Crested entwirft Tanya Lukin Linklater eine Ausstellung, die sich linearen Erzählungen und eindeutiger Lesbarkeit entzieht. Stattdessen eröffnet sie Räume für Aufmerksamkeit, Beziehung und Bewegung im Spannungsfeld von Geschichte und gelebter Gegenwart.
Eine adaptierte Version der Ausstellung wird im Herbst 2026 in der Galerie Rudolfinum in Prag zu sehen sein.
Seit über fünfzehn Jahren lebt Lukin Linklater in North Bay im Norden Ontarios, auf dem Territorium der Nbisiing Anishnaabeg. Ihre familiären Wurzeln liegen in Afognak und Port Lions in Alaska – einer Region, die tief von russischem Kolonialismus und der späteren amerikanischen Vorherrschaft geprägt ist. Die Erfahrung eines Lebens zwischen Orten, Sprachen und Wissenssystemen bildet einen zentralen Ausgangspunkt ihrer Praxis.
In Crested setzt sich Lukin Linklater mit den Folgen kolonialer Enteignung ebenso auseinander wie mit Formen kultureller Kontinuität und Widerständigkeit. Ihre Arbeiten greifen visuelle Traditionen, kulturelle Techniken und Methodologien von Sugpiaq-Gemeinschaften auf und verstehen sich als relationale Praxis: als ein Denken in Beziehungen – zur Geschichte, zur Landschaft, zu gelebter Kultur und zu verkörpertem Wissen.
Ein zentraler Bezugspunkt der Ausstellung ist eine kleine gewebte Tasche aus Sugpiaq-Besitz in der Sammlung der Kunstkammer in Sankt Petersburg, die im 19. Jahrhundert im Kontext russischer Kolonialherrschaft aus Alaska dorthin gelangte. Ausgehend von diesem Besitztum fragt Lukin Linklater nach möglichen Formen von Restitution und Rückführung.
Dabei interessiert sie insbesondere die Frage, wie Wissen, kulturelle Praktiken und Beziehungen trotz kolonialer Kontrolle und institutionellen Vergessens weitergetragen werden können.
In ihren installativen Arbeiten nimmt Lukin Linklater Bezug auf Sugpiaq-Kosmologien, auf Symbole der Zierde, auf traditionelle Bugholz-Techniken sowie auf Wetterphänomene, Wasserbewegungen und Wissensstrukturen. Zugleich thematisiert sie hybride Formen, die aus kolonialen Gewaltverhältnissen hervorgegangen sind. Europäische Materialien wie Glasperlen oder Stoffe wurden in bestehende Indigene kunsthandwerkliche Traditionen integriert und in selbstbestimmte Ausdrucksformen überführt. In kleinen Gesten verweist Lukin Linklater dabei insbesondere auf die oft unsichtbar gebliebenen Wissensräume Indigener Frauen.
Die Ausstellung wird am 30. und 31. Mai 2026 durch eine Reihe von Open Rehearsals aktiviert. Gemeinsam mit den Performer*innen Mya Dixon, Talia Dixon, Mekko Harjo und Mina Linklater entwickelt die Künstlerin choreografische Situationen, die Zuhören, Wahrnehmung und körperliche Befragung als Formen der Wissensweitergabe erfahrbar machen. Die offenen Proben verstehen sich nicht als abgeschlossene Aufführungen, sondern als sich fortwährend verändernde Prozesse.
Mit Crested entwirft Tanya Lukin Linklater eine Ausstellung, die sich linearen Erzählungen und eindeutiger Lesbarkeit entzieht. Stattdessen eröffnet sie Räume für Aufmerksamkeit, Beziehung und Bewegung im Spannungsfeld von Geschichte und gelebter Gegenwart.
Eine adaptierte Version der Ausstellung wird im Herbst 2026 in der Galerie Rudolfinum in Prag zu sehen sein.
30.05. - 30.08.2026
Portikus
Alte Brücke 2 / Maininsel, 60594 Frankfurt/Main
Presse
Kontext
Einordnung:Tanya Lukin Linklaters Werk verortet sich an der Schnittstelle von dekolonialer Praxis, Institutionskritik und zeitgenössischem indigenen Paradigma. Durch die Verbindung traditioneller Sugpiaq-Techniken wie Bugholzverarbeitung und Perlenstickerei mit Rauminstallationen und ephemeren Formaten wie Aquarell und Choreografie dekonstruiert sie westliche Hierarchien zwischen „freier Kunst“ und „Kunsthandwerk“. Die Aneignung europäischer Materialien wie Glasperlen wird dabei kunsthistorisch als Strategie der Hybridität und kulturellen Resilienz lesbar, die historische Machtgefälle unterwandert. Thematisch interveniert Linklater in hochaktuelle museologische Debatten um Provenienz und Restitution, indem sie koloniales Raubgut nicht rein objektbezogen, sondern als relationalen Wissensträger begreift. Indem sie diese materielle Spurensuche durch prozesshafte Performances („Open Rehearsals“) erweitert, verschiebt sie den Fokus vom statischen, kolonialen Archiv hin zu einem fließenden, „verkörperten Wissen“ (embodied knowledge), das explizit die marginalisierten Räume indigener Frauen als Orte lebendigen Widerstands zentriert.









