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Sieben Sünden. Kunst zwischen Versuchung und Widerstand

19.06. - 06.09.2026 | Archiv der Avantgarden - Egidio Marzona (ADA), Dresden

Eingabedatum: 20.06.2026

Werkabbildung
Abb.: Marie Lynn Speckert, LOBSTER, 2014–2022 Videostill © Marie Lynn Speckert
Was hat der Begriff der Sünde mit unserer modernen Lebenswirklichkeit zu tun? Wie bewerten wir bewusste, gesellschaftsrelevante Fehltritte? Diesen Fragen widmet sich die aktuelle Ausstellung, die von drei wissenschaftlichen Volontärinnen der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden (SKD) im Rahmen ihrer Ausbildung als Gäste des Archiv der Avantgarden - Egidio Marzona (ADA) kuratiert wurde. Isabella Bornberg, Julia Hosp und Rebecca Schmidt stellen die sieben Todsünden vor. Ursprünglich innerhalb des christlichen Glaubens überliefert, werden diese nun in einer kritischen Auseinandersetzung mit der Gegenwart interpretiert.

Als Teil religiöser Wertvorstellungen bezeichneten Hochmut, Habgier, Wollust, Neid, Völlerei, Zorn und Trägheit über Jahrhunderte hinweg die bewusste Abkehr von der christlichen Ordnung und galten als schwerwiegende Verfehlungen. Mit dem Wandel der Rolle von Religion im 20. und 21. Jahrhundert veränderten sich diese Begriffe in ihrer gesellschaftlichen Bedeutung. Heute erscheinen sie weniger als klar benennbare Sünden, sondern vielmehr als Beweggründe und Facetten menschlichen Handelns. Die in dieser Ausstellung versammelten künstlerischen Positionen stellen uns daher die Frage, ob wir diesen „zeitgenössischen Sünden“ widerstehen oder uns von ihnen verführen lassen wollen.

So gewinnen politische Bewegungen ihre Antriebskraft oft aus der Wut gegenüber gesellschaftlichen Missständen. Und ist nicht Neid der eigentliche Motor des permanenten Konkurrenzkampfs der Selbstdarstellung im Internet?



Die multimediale, sammlungsübergreifende Ausstellung präsentiert eine Auswahl von Kupferstichen, Fotografien, Skulpturen und Filmen. Die Bandbreite reicht von Pieter van der Heyden über Otto Dix bis hin zu zeitgenössischen Werken von Claes Oldenburg, Christian Jankowski, Jen DeNike, Daniel Spoerri oder Colette Lumiere.

Im Vorfeld der Ausstellung haben die Volontärinnen mit Dresdner Initiativen, darunter „Omas gegen Rechts“, dem Philosophier-Café des Stadtteilvereins Johannstadt e.V., und Schülerinnen und Schülern des Vitzthum-Gymnasiums, über die jeweiligen Sündenbegriffe, ihre heutige Bedeutung und Relevanz gesprochen. Deutlich wurde dabei, wie stark – im positiven wie auch negativen Sinne – Momente der Grenzüberschreitung im Alltag, in der Politik oder auf individuell empfundener Ebene mit den Begriffen Stolz, Gier, Lust, Neid, Völlerei, Wut und Trägheit verknüpft sind. Daraus sind acht Audiocollagen entstanden, die Stimmen aus unterschiedlichen Erfahrungen, Generationen und Standpunkten wiedergeben.

Abwechslungsreich ist das Rahmenprogramm: In der Dresdner Videothek Filmgalerie Phase IV gibt es ein Themenregal, das sich der Filmgeschichte des Bösen widmet. Während der Ausstellungszeit finden dort außerdem Filmscreenings mit anschließender Diskussion statt. In Führungen und Tiny Desk Lectures werden die Sünden aus unterschiedlichen Bereichen der Film- und Kunstgeschichte beleuchtet.

Außerdem wurden zu den „Sieben Sünden“ eigene Cocktails kreiert, die am Abend der Eröffnung in der Bar des ADA genossen werden können. Am Donnerstag, den 18. Juni ist das ADA im Rahmen der Langen Nacht des Barockviertels bis 24 Uhr geöffnet.
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19.06.2026 - 06.09.2026

Archiv der Avantgarden - Egidio Marzona (ADA), Dresden

Große Meißner Straße 19, 01097 Dresden

https://www.skd.museum/

Presse

Kontext

Einordnung:
Die Ausstellung spannt einen weiten ikonografischen Bogen von der christlich-dogmatischen Mahnung der Frühen Neuzeit hin zur säkularen, medienkritischen Reflexion der Gegenwart. Kupferstiche von Pieter van der Heyden verankern das Motiv der Todsünden im moralisierenden Weltbild der flämischen Renaissance, während Otto Dix diese Tradition aufgreift, um durch den Filter der Neuen Sachlichkeit gesellschaftliche Abgründe der Moderne schonungslos zu sezieren. Dieser historischen Kontinuität werden multimediale Positionen der Nachkriegs- und Gegenwartskunst gegenübergestellt: Skulpturen, Fotografien und Filme von Künstlern wie Claes Oldenburg, Daniel Spoerri und Christian Jankowski übersetzen theologische Verfehlungen in die psychologischen Triebfedern moderner Konsum- und Leistungsgesellschaften. So eignen sich Spoerris Objektkunst (Nouveau Réalisme) und Oldenburgs Pop-Art hervorragend, um Begriffe wie Völlerei oder Gier als alltäglichen Massenkonsum neu zu codieren. Durch die kuratorische Verschränkung dieser diversen Techniken mit Archivalien und diskursiven Audiocollagen vollzieht die Schau einen methodischen Paradigmenwechsel: Die Sünde wird nicht länger als absolute moralische Instanz ausgestellt, sondern als wandelbares, kulturhistorisches Konstrukt dekonstruiert, das heute soziale Phänomene wie digitale Selbstinszenierung oder politischen Zorn antreibt.
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