Tell Me Where Home Is
19.09.2026 - 17.01.2027 | Kunstmuseum Wolfsburg
Eingabedatum: 16.09.2026

Was bedeutet Heimat heute? Ist sie überhaupt ein geografischer Ort oder eher ein Gefühl, eine Erinnerung, eine Illusion? Wie bilden Menschen im 21. Jahrhundert immer wieder neue Heimaten? Das Kunstmuseum Wolfsburg beschäftigt sich in seiner Themenausstellung Tell Me Where Home Is mit den aktuell kontrovers diskutierten Fragen nach Heimaten, Migration und Zugehörigkeit. Denn auch unseren globalisierten und digitalisierten Gesellschaften wohnt eine Sehnsucht nach Heimat inne – obwohl, oder gerade weil ständiger Wandel und Migrationsbewegungen zur Normalität geworden sind. Krieg, Verfolgung oder die Klimakatastrophe zwingen Millionen Menschen, ihr Zuhause zu verlassen. Nur ein kleiner Teil genießt Mobilität als kosmopolitische Lebensform.
Wie beheimaten sich also Menschen in dieser bewegten Welt? Rund 160 Werke von 61 zeitgenössischen Künstler*innen zeigen in der großen Ausstellungshalle des Museums, wie wir Heimaten verlieren, gewinnen und gemeinsam bilden können. Häuser, Städte, Landschaften können Gefühle des Zuhauseseins auslösen; vielfach aber sind diese nicht mehr an einen Ort gebunden, sondern an Familie, Freund*innen, Religion, Musik und Sprache, Essen oder soziale Netzwerke. Für viele, die freiwillig oder unfreiwillig migriert sind, ist das Handy als Speicher sozialer Beziehungen ihr Heimathafen. Und oftmals scheinen Heimaten vor allem verklärte Erinnerung zu sein, an einen (Kindheits-)Ort, den es so möglicherweise nie gegeben hat.
Die Ausstellung findet starke Bilder für komplexe Fragen: Alfredo Jaar schichtet One Million German Passports zu einem riesigen Block, um an die Geflüchteten zu erinnern, die im Zuge des syrischen Bürgerkrieges in Deutschland aufgenommen wurden. Denn die Möglichkeiten, sich zu beheimaten, hängen wesentlich von ein paar Blatt Papier ab. Wie Menschen ihr Leben auch unter widrigen Bedingungen in Lagern für Geflüchtete gestalten, zeigt Coco Olakunle mit fotografischen Porträts, die gängige Klischees unterlaufen. Ishita Chakraborty formt ein inklusives Europa aus Ton-Pilzen aller Hautfarben, und Diana Scherer folgt dem Vorbild der Natur und übersetzt die zeitgenössische, „vernetzte“ Gesellschaft in ein eigens für die Ausstellung gezüchtetes Muster aus Wurzeln, die wie diejenigen des mobilen Menschen nicht in die Tiefe, sondern eher in die Breite wachsen. In die Höhe dagegen türmt sich Tracey Snellings Installation One Thousand Shacks: ein Monument für die Ärmsten der Welt, die ihre Heimaten unter prekären Bedingungen improvisieren.
Verständnis für die Schicksale und Traumata von Migrant*innen und Geflüchteten zu wecken, ist eines der Anliegen der Ausstellung. Der nationalistischen Vereinnahmung des Heimatbegriffs setzt Tell Me Where Home Is einen offenen Blick auf die unterschiedlichen Konzepte von Heimat entgegen. Die Ausstellung weckt Neugier und macht Lust auf gesellschaftliche Vielfalt – und bietet viel Raum zur Begegnung und zum Nachdenken über persönliche und kollektive Heimaten.
English summary:
The thematic exhibition 'Tell Me Where Home Is' at Kunstmuseum Wolfsburg explores contemporary questions surrounding home, migration, and belonging in a globalized world. Featuring around 160 works by 61 international artists—including Alfredo Jaar, Coco Olakunle, Ishita Chakraborty, Diana Scherer, and Tracey Snelling—the show examines how people create, lose, and redefine notions of home amid displacement, climate crises, and digital networking. Countering nationalist appropriations of the concept of homeland, the exhibition presents diverse, open perspectives and fosters dialogue on personal and collective identities.
Wie beheimaten sich also Menschen in dieser bewegten Welt? Rund 160 Werke von 61 zeitgenössischen Künstler*innen zeigen in der großen Ausstellungshalle des Museums, wie wir Heimaten verlieren, gewinnen und gemeinsam bilden können. Häuser, Städte, Landschaften können Gefühle des Zuhauseseins auslösen; vielfach aber sind diese nicht mehr an einen Ort gebunden, sondern an Familie, Freund*innen, Religion, Musik und Sprache, Essen oder soziale Netzwerke. Für viele, die freiwillig oder unfreiwillig migriert sind, ist das Handy als Speicher sozialer Beziehungen ihr Heimathafen. Und oftmals scheinen Heimaten vor allem verklärte Erinnerung zu sein, an einen (Kindheits-)Ort, den es so möglicherweise nie gegeben hat.
Die Ausstellung findet starke Bilder für komplexe Fragen: Alfredo Jaar schichtet One Million German Passports zu einem riesigen Block, um an die Geflüchteten zu erinnern, die im Zuge des syrischen Bürgerkrieges in Deutschland aufgenommen wurden. Denn die Möglichkeiten, sich zu beheimaten, hängen wesentlich von ein paar Blatt Papier ab. Wie Menschen ihr Leben auch unter widrigen Bedingungen in Lagern für Geflüchtete gestalten, zeigt Coco Olakunle mit fotografischen Porträts, die gängige Klischees unterlaufen. Ishita Chakraborty formt ein inklusives Europa aus Ton-Pilzen aller Hautfarben, und Diana Scherer folgt dem Vorbild der Natur und übersetzt die zeitgenössische, „vernetzte“ Gesellschaft in ein eigens für die Ausstellung gezüchtetes Muster aus Wurzeln, die wie diejenigen des mobilen Menschen nicht in die Tiefe, sondern eher in die Breite wachsen. In die Höhe dagegen türmt sich Tracey Snellings Installation One Thousand Shacks: ein Monument für die Ärmsten der Welt, die ihre Heimaten unter prekären Bedingungen improvisieren.
Verständnis für die Schicksale und Traumata von Migrant*innen und Geflüchteten zu wecken, ist eines der Anliegen der Ausstellung. Der nationalistischen Vereinnahmung des Heimatbegriffs setzt Tell Me Where Home Is einen offenen Blick auf die unterschiedlichen Konzepte von Heimat entgegen. Die Ausstellung weckt Neugier und macht Lust auf gesellschaftliche Vielfalt – und bietet viel Raum zur Begegnung und zum Nachdenken über persönliche und kollektive Heimaten.
English summary:
The thematic exhibition 'Tell Me Where Home Is' at Kunstmuseum Wolfsburg explores contemporary questions surrounding home, migration, and belonging in a globalized world. Featuring around 160 works by 61 international artists—including Alfredo Jaar, Coco Olakunle, Ishita Chakraborty, Diana Scherer, and Tracey Snelling—the show examines how people create, lose, and redefine notions of home amid displacement, climate crises, and digital networking. Countering nationalist appropriations of the concept of homeland, the exhibition presents diverse, open perspectives and fosters dialogue on personal and collective identities.
19.09.2026 - 17.01.2027
Kunstmuseum Wolfsburg
Hollerplatz 1, 38440 Wolfsburg
Presse
Kontext
Einordnung:Die Ausstellung verortet sich im Diskurs der globalisierten Gegenwartskunst, die den historisch oft nationalistisch aufgeladenen Begriff der „Heimat“ zugunsten relationaler, transnationaler Identitätskonzepte dekonstruiert. Künstlerisch spiegeln sich diese Verflechtungen in einem vielschichtigen, multimedialen Spektrum wider: Alfredo Jaar greift mit der Akkumulation von Pässen auf Strategien der politisch engagierten Konzeptkunst zurück, während Tracey Snellings architektonische Großinstallationen und Coco Olakunles subversive Porträtfotografie die materiellen und sozialen Realitäten globaler Prekarität und Flucht sichtbar machen. Mit Ishita Chakrabortys Keramiken und Diana Scherers organischem Wurzelwerk – einer materiellen Übersetzung bio-künstlerischer und rhizomatischer Strukturen – wird die Bindung an Raum und Gemeinschaft schließlich als fluides, prozesshaftes Beziehungsgeflecht jenseits tradierter Grenzziehungen neu verhandelt.







