Fränkisches Museum Feuchtwangen - zwischen Versuchung und Vergänglichkeit


Eingabedatum: 01.02.2020

Fränkisches Museum Feuchtwangen - zwischen Versuchung und Vergänglichkeit

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Das Fränkische Museum Feuchtwangen ist eines der ältesten Landschaftsmuseen im süddeutschen Raum. Seine große Bedeutung als Volkskunstmuseum ist unbestritten. Im Fokus steht hier der fränkische Alltag, es geht um das Leben und Wohnen im Frankenland. Die Einrichtung verfügt über Ausstellungsflächen auf 2000 Quadratmeter. Gezeigt wird Mobiliar, Zierrat, Alltagsgegenstände, glasierte Keramik, Brauchtümliches, religiöse Stücke und persönliche Liebesgeschenke.

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Obst steht im Zentrum des Feuchtwanger Kunstsommers. pixabay.com © gellinger (CC0 Creative Commons)

Die Verbindung traditioneller Lebensart und moderner Errungenschaften

Sobald Besucher das Foyer des bedeutenden Museums betreten, übernimmt die Architektur das Zepter und übt ihren eigenen Reiz aus. Der angeschlossene Erweiterungsbau ist großzügig geschnitten und fügt sich wie selbstverständlich in die beschauliche Atmosphäre des bestehenden Gebäudes ein. Das alte Fachwerk aus dem 16. Jahrhundert harmoniert wunderbar mit der modernen Architektur. Die architektonische Komposition ist ganz außergewöhnlich, genauso wie die umfangreiche Sammlung glasierter Keramik. Die Fayencen Sammlung zieht zahlreiche Besucher an, denn die 700 Exponate aus den lokalen Manier Faktoren sind absolut sehenswert.

Wurzeln bleiben erkennbar

Die beeindruckende Sammlung der facettenreichen Volkskunst ist wahrlich faszinierend. Leben in Franken ist einzigartig, das Museum präsentiert die Historie sehr eindrucksvoll. So sind zum Beispiel treuherzige Liebesbriefe aus der Biedermeierzeit zu finden sowie verziertes Alltagsgut vom Hausrat bis zur festlichen Tracht.

Das Filetstück 2020: Der Feuchtwanger Kunstsommer

Vom 23. April bis zum 16. August 2020 findet der Feuchtwanger Kunstsommer statt. Das Museen überschreibt in mit dem Slogan „Fruchtig. Frisch. Zwischen Versuchung, Verlangen und Vergänglichkeit“. Thema der Werke ist die Darstellung von Früchten und Blumen – Stillleben, wie sie unter anderem auch in der besonderen Stilform des Vanitas im Barock zu finden sind. Zu sehen sind mannigfaltige Sinnbilder der Vergänglichkeit, die durch individuelle künstlerische Brillen verschiedener Kunstschaffender betrachtet werden.

Viele differierende Darstellungsformen

Auch wenn das verbindende Element Früchte und Blumen sind, so gibt es große Unterschiede in der Darstellung. Die Besucher dieser Ausstellung werden mit Sicherheit einen neuen, frischen Blick auf die Kunst erhalten, sich mit Obst auseinanderzusetzen, die sich jenseits der reinen Abbildung natürlicher Gegebenheit abspielt.
Angefangen vom Apfel im Paradies mit seinen verhängnisvollen Folgen über die Einbindung von Obst in komplexe Motivkreationen erwartet die Museumsgäste Überraschendes. Obst steht im Kontext mit Ikonen, Mythologie und der Bibel. Fruchtbarkeit, Wachstum und Reife werden genauso thematisiert wieder die Vergänglichkeit, die als Metapher menschlichen Lebens und Sterbens wahrgenommen wird. Im Obst steckt der gesamte Lebenszyklus und drückt sich in der Geburt, dem Leben und Tod sowie in der Fülle und dem Verlangen lebendigen Daseins aus.
Während der Apfel von einigen Künstlern als die pure Verführung definiert wird, strömt eine Obstschale randvoll mit prallen Birnen ein noch stärkeres erotisches Oeuvre aus. Vanitas-Stillleben bilden das andauernde Ringen zwischen Leben und Tod ab. Solche Darstellungen sind schon seit der Antike bekannt, fanden im Barock ihre Hochzeit und fließen bis heute in zeitgenössische Werke ein.

Werke aus dem 20. und 21. Jahrhundert im Feuchtwanger Kunstsommer

Besucher der aktuellen Ausstellung 2020 können Werke aus den aktuellen Kunstströmungen betrachten. Auch gesellschaftspolitische Prägungen finden ihren Niederschlag. Die Künstler zeigen sich kritisch, auch dem eigenen Genre gegenüber. Sie gehen mit ihren Werken über die bekannten Genregrenzen hinweg. Einflüsse aus der Pop-Kultur und der Werbung werden genauso zur Schau gestellt wie expressionistische Werke von Emil Nolde und surrealistische Arbeiten von Salvador Dali. Werke von Fernando Botero und Markus Lüpertz sind zu sehen, zudem Skulpturen, Konzeptkunst und fotografischen Werk. Ein Genuss der besonderen Art ist die überlebensgroßer Darstellung von Fruchtstücken, die mit köstliche Schokolade überzogen sind. Sie stammen von Peter Anton. Auch Cony Theis und Bruno Peinado tragen mit ihren Werken über Leben und Vergehen zu dieser Ausstellung bei.

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pixabay.com © tanya_dobraya (CC0 Creative Commons)

Fotokunst von Quatre Caps

Ein extraordinäres Projekt liefert der Feuchtwanger Kunst Sommer mit der Fotoserie „No longer life“. Die Designer von Quatre Caps (Spanien) nehmen sich aktueller Fragestellungen an. Ihr Thema ist der überbordende Verpackungskonsum, der unsere Welt mit einer wahren Flut von Plastikmüll überschwemmt. Die Fotoserie lehnt sich an berühmte Stillleben an. Besucher werden bei genauerem Hinsehen die Einflüsse von Claude Monet, Michelangelo Merisi da Varavaggio und Juan Sánchez Cotán wiederfinden. Der Umstand, dass die abgebildeten Lebensmittel in unnatürlichen Plastik eingehüllt sind, führt den Grundgedanken von Vanitas-Stillleben, der sich mit der Vergänglichkeit beschäftigt, ad absurdum.

Dauerausstellung im Feuchtwanger Museum

Wie eingangs bereits erwähnt stehen Geschichte und Volkskunde im fränkischen Umland in Zentrum dieses Museums. Von der Zeitspanne her reisen Besucher durch Alltagsmomente vom 17. bis zum 19. Jahrhundert. Die Einflüsse des Markgrafen von Brandenburg-Ansbach sowie der späteren preußischen und bayerischen Herrschaft schlagen sich sichtbar nieder. Mittelfranken ist überwiegend evangelisch, was in den Alltagsgegenständen und Möbeln zu sehen ist. Die Reise durch verschiedene Wohnräume lässt Besucher tief in die Barock- und Jugendstilzeit eintauchen. Ein Blick in typische Bauernstuben und eine authentische Rauchküche sowie repräsentative Räumlichkeiten der Adeligen sind beeindruckend, denn das Mobiliar und die Einrichtungsgegenstände sind so arrangiert als wären die Bewohner gerade erst aus dem Haus gegangen.

Fayencen des Alltags

Weiße Zinnglasur und farbenfrohe Abbildungen geben den Keramiken ihr unverwechselbares Aussehen. Adelige Haushalte speisten von prunkvollen Geschirren, die nicht selten mehrere hundert Einzelteile in einem Dekor umfassten. Bei Bauern und Bürgern gab es von diesen als Vorläufer des Porzellangeschirrs einzuordnenden Stücken typischerweise Bierkrüge, Milchkannen, Kaffeetassen nebst Tellern und Untertellern sowie Platten für Kuchen und Brot als tägliche Gebrauchsgegenstände.

Handwerkerstuben nur im Rahmen von Führungen zu sehen

In einem etwas abgelegenen Teil des Museums sind sechs Handwerkerstuben untergebracht. Erreichbar sind sie über einen Rundbogen-Arkadenkreuzgang aus dem zwölften Jahrhundert, der aus dem damaligen Benediktinerkloster in Feuchtwangen stammt. Auf dem Weg zu den Handwerkerstuben präsentiert sich ein Fachwerk, welches viel später als der Kreuzgang errichtet wurde, nämlich im 18. Jahrhundert. Was in den Räumlichkeiten im Kreuzgangflügel tatsächlich in der Vergangenheit untergebracht war, ist nicht dokumentiert. Heute sind eine Zuckerbäckerei, eine Blaudruckerei, eine Haffner-Werkstatt, eine Zinngießerei und eine Schuhmacherwerkstatt zu sehen. Alle Werkstätten waren einstmals in Feuchtwangen und Umgebung angesiedelt und wurden hier im Original wieder aufgebaut.

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