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Sprüth Magers Projekte (München): Ulrich Hensel (15.11.-21.12.07)

Dichte Beschreibungen. Fotografische Simulationen von Ulrich Hensel

Der Düsseldorfer Künstler Ulrich Hensel (*1946) arbeitet seit fast zwei Jahrzehnten mit einer geradezu unheimlichen Stringenz an seinem fotografischen Werk, das sich mit einer unerschöpflichen Vielfalt und Komplexität überwiegend eines Motivs bedient: Baustellen. Hensel operiert - wenn man so will - konzeptionell: Es sind nicht objets trouvés, sondern places cherchées, die ihn interessieren. Es sind Baustellen-Orte, an denen ökonomische, technische und nicht zuletzt kulturelle Aktivitäten kulminieren und in dichten Beschreibungen über die Soziologie der Materialien von der Welt erzählen: Realität und Abstraktion. Es wäre ein Einfaches, die gewünschten Bildbestandteile mit digitalen Werkzeugen so zusammenzufügen, dass sie der Intention des Künstlers gerecht werden. Das würde jedoch der Idee des Werkes widersprechen. Denn es geht Hensel um Authentizität, der trotz aller Kreationspotentiale digitaler Welten immer noch nobelsten Aufgabe der Fotografie. Formal mögen aufgrund des seriellen Charakters seiner Bilder gewisse Parallelen zur Becher-Schule vorhanden sein, jedoch stellen Hensels Arbeiten eine einzigartige Position in der deutschen Fotokunst-Szene dar.

Zunächst wirken die Fotografien durch ihre Größe. Ulrich Hensel arbeitet seit Anfang der 1990er Jahre mit großformatiger Fotografie. Größe ist bei ihm nicht Selbstzweck, sondern einzig der authentischen, nahezu maßstabsgerechten Wiedergabe des Dargestellten geschuldet. Hensel betrachtet die Fotografien von Baustellen als verdichtete Simulationen des Lebens - nicht mehr und nicht weniger. Dafür benötigt er nicht die Welt, um seine Motive zu finden. Er findet so gut wie alles auf den Baustellen der Stadt Düsseldorf.

Durch die enorme Authentizität funktionieren die Fotografien von Ulrich Hensel dabei wie ein gelungener Film: Sie sind auf den ersten Blick gut verständlich, der Betrachter fühlt sich durch den ‚Plot’, die vermeintliche Alltäglichkeit des Dargestellten abgeholt, meint vielleicht die eine oder andere Situation schon einmal gesehen zu haben oder zumindest Ähnlichkeiten auszumachen. Dabei sind die dargestellten Örtlichkeiten jedoch eher als Vehikel anzusehen, als ein Vorwand für Hensel, malerisch in seinen Fotografien arbeiten zu können - das verdeutlichen zur Genüge die oft großflächigen Farbfelder der verschiedensten Baumaterialien. Gerade durch ihre malerisch ausgesuchten Farbflächen offenbaren die Fotografien eine mediale Korrespondenz. Sie sind oft abstrakt, zuweilen minimalistisch: Raster, Punkte, Befestigungsvorrichtungen, Eisengitter, alles breitet sich – bedingt durch die jeweilige Funktion - streng über die Bildfläche aus, rhythmisiert sie und verteidigt darüber hinaus die grafische Qualität der Aufnahmen.

Die großformatigen Fotografien sind unaufdringlich und zugleich komplex, sie sind qua media zweidimensional, suggerieren aber eine derartige Plastizität, dass man durch die Größe meint, direkt in der Baustelle zu stehen, will meinen: in der ‚Handlung’ – auch Merkmal eines guten Films. Die abgelichteten Baustellen mögen zufällig gefunden aussehen, und doch sind sie sorgsam ausgesucht. Sie mögen alltäglich aussehen und doch sind es ‚Sonntagsbilder’. Sie sehen einfach aus, und doch sind sie komplex. Ulrich Hensels Fotografien wirken zuweilen nicht nur wie Standbilder eines Films, der jeden Moment wieder anläuft und seine Handlung fortsetzt, sie sind darüber hinaus in gewisser Weise auch Landschaftsbilder, aufgebaut mit Vorder- und Mittelgrund. Aber anstelle eines in die Tiefe weisenden Hintergrundes breiten sich die Flächen und Muster der geradezu poetisch anmutenden Materialwelt der Baustellen aus.. Zur Kalibrierung des Dargestellten, zur Verdeutlichung der Bodenhaftung achtet Hensel immer darauf, einen Streifen des Erdreichs der Baustellen mit abzulichten. Vor und über diesem Streifen Realität entwickeln sich seine manchmal geradezu theatralische Inszenierungen; da gehen Vorhänge auf, die Szene bricht im wahrsten Sinn des Wortes in den Vordergrund hinein, auf den Betrachter zu. In der Realität materielle Destruktion, in der Fotografie notwendiger Bestandteil des Bildaufbaus. Das abwechslungsreiche Vexierspiel von Authentizität und Simulation, von Realität und Abstraktion macht schließlich die große Faszination der Fotografien aus.
Andreas F. Beitin / Pressemitteilung

Abbildung:
Ulrich Hensel
Düsseldorf, Leuchtenberger Kirchweg, 2007
C-Print, Diasec
180 x 194,8 cm
70 3/4 x 76 3/4 in
Edition 1/6

Sprüth Magers Projekte
Ludwigstraße 7
D-80539 München

spruethmagersprojekte.com





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