Der Ausstellungsraum wird dominiert von einer lebensgroßen und frei im Raum schwebenden Pappmachéfigur "Piñata with Footballplayer" (2003) der Künstlerin Meg Cranston (*1960). Die Figur gehört einer Serie von Puppenplastiken an, die sich jeweils in Bekleidung und Körperhaltung unterscheiden, welche die Künstlerin aber alle nach ihrem eigenen Abbild modelliert. Piñatas sind ursprünglich kleine westasiatische kultische Puppen, die als Opfergaben an die Fruchtbarkeitsgottheit Attis an Kiefernbäume gehängt werden. Indem die Künstlerin diese Puppen überdimensioniert und ihren Gesichtern jegliche Individualität verweigert, strahlen diese Figuren eine mystisch-rätselhafte Aura aus.
Wesentlich unbefangener wirken dagegen die Bilder von Thaddeus Strode (*1964): in seinen an Comics erinnernden Malereien vermischen sich High- und Low-Art. "Drive Thru" (2003) zeigt eine zwergenartige Person mit zerzaustem Bart, die an einen Baumstumpf gelehnt eine Zigarette raucht. Die dem Betrachter entgegengestreckten Schuhsohlen sind in weißen Lettern beschriftet: "You are here with me. I am here with you...but we are not here...we are in between." Strodes poetische und rätselhafte Sinnsprüche transportieren die Rezeption seiner Bilder so auf eine assoziative Ebene.
Wie eine moderne Historienmalerei mutet das Bild "Prometheus Bound" (2003) von JP Munro (*1975) an. In einer filigranen Bleistift- und Graphitzeichnung widmet er sich der Darstellung des griechischen Mythos: Prometheus brachte gegen den Willen von Göttervater Zeus das Feuer zu den Menschen. Er wurde zur Strafe an einen Felsen gekettet, wo ihm jeden Tag aufs Neue ein Adler die Leber auspickte. Munro zeigt Prometheus inmitten seiner Qualen und macht so darauf aufmerksam, dass Mythenkenntnis und -bildung im 21.Jahrhundert aus dem kollektiven Gedächtnis zunehmend verschwinden. Der Betrachter der Zeichnung ist auf die Kenntnis der Quelle angewiesen, ansonsten würde die Darstellung nur fremd und grotesk auf ihn wirken.
Kindliche Neugier und erwachsene Lust am Spiel werden von Ry Rocklens plastischen Arbeiten befriedigt. Die Arbeit "Pipe Dreams" (2003) besteht aus einer einfachen Konstruktion aus hölzernem Sockel, Rohren und Vibrator und veranschaulicht einerseits diese Lust am Spiel, irritiert den Betrachter in seiner Befremdlichkeit aber auch. Die Stablampe "Orange Bang" (2003) besteht aus einem großen orangefarbenem Kabelhaufen, aus dem gleichfarbige Äste herausragen, die die Plastik organisch wirken lassen und an Feuerzungen erinnern.
Rob Thom arbeitet in seinem Gemälde "Ohne Titel" (2003) mit den Gegensätzen von Offenem und Verborgenen, von unbeschwert Naivem und Verhängnisvollem. Die auf den ersten Blick harmlose Darstellung eines Mädchens, das mit einem an den Körper gepressten gelben Buch an einem Wald vorbeigeht, entpuppt sich durch schemenhafte Schattenwesen im Dickicht des Waldes als albtraumhaftes Szenario. Durch seine diffuse Airbrush-Technik schafft Thoms eine Zweidimensionalität, die jedoch durch die narrative Mehrschichtigkeit immer wieder durchbrochen wird.
Ausstellungsdauer: bis zum 2. August 2003
Adresse:
Galerie Michael Janssen
Norbertstrasse 14-16 | 50670 Köln | Tel: 0221-1300830
Öffnungszeiten:
Di.- Fr. 10-13 Uhr und 15-18 Uhr | Sa. 12-15 Uhr
Julia Karthaus
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