Die hoch explosive Mega-City als künstlerischer Referenz-Raum: Schafe umzingeln einen Fahnenmast auf Mexico Citys zentralem Riesenplatz Zócalo, ein Hund streift durch die Gassen und Straßen, und der Künstler selbst durchwandert stundenlang die Hauptstadt seiner Wahlheimat als eine Art geheimer Beobachter, als Agent seines eigenen künstlerischen Tuns. Umfangreiche, über einen längeren Zeitraum angelegte Projekte bestimmen das OEuvre des belgischen Künstlers Francis Alÿs, der zu den international bekanntesten Künstlern seiner Generation gehört. In der Ausstellung in Leverkusen werden nun erstmalig Werke seiner Anfangszeit, einige Jahre nach seinem Umzug nach Mexico City, im Sinne einer urbanen Gesamterzählung vereint.
Francis Alÿs (*1959 in Antwerpen, BE), der in Frankreich und Italien Architektur studierte und in den späten 1980er Jahren für ein Erdbeben-Hilfsprojekt der belgischen Regierung nach Mexico City ging, hat die Stadt mit all ihrer Widersprüchlichkeit und Komplexität zu einem zentralen Thema seiner frühen Arbeiten gemacht. Als Inspirationsquelle und Ort seiner kontemplativen Spaziergänge (Paseos) wird die Megametropole in der Ausstellung durch die 24-teilige Fotoarbeit Sunpath (1999) sowie durch zwei Videoarbeiten eingeführt. Auf dem politisch geschichtsträchtigen und zugleich sozial problematischen zentralen Platz, dem Zócalo, werden nicht nur Schafe in Anspielung auf ein konkretes Ereignis während der politischen Unruhen 1968 um den zentralen Fahnenmast geführt (Cuentos Patrióticos, 1997, in Zusammenarbeit mit Rafael Ortega). Dieser Mast dient auch in der Videoarbeit Zócalo (1999) als Dreh- und Angelpunkt für eine „soziale Performance“, zu deren Akteuren die sich zufällig am Ort befindenden Personen werden.
Die Figur des Hundes, die in der Ausstellung in mehreren Arbeiten skulptural und malerisch thematisiert wird, spielt ebenso eine zentrale Rolle im Werk von Francis Alÿs. Als subversives, in rationale Ordnungssysteme eindringendes Element funktioniert er als ein bewusst gesetzter Gegenpart. Ebenso wie die Handlung des Spiels, die keinen ökonomischen Kriterien folgt, stellt der Hund nicht nur einen „intellektuellen“ Stolperstein dar, sondern eröffnet auch in gewisser Weise geistige Experimentierfreude und Bewegungsfreiheit.
Museum Morsbroich
Gustav-Heinemann-Straße 80
D - 51377 Leverkusen
www.museum-morsbroich.de
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