Im Rahmen des vom Ministerium für Kultur und Wissenschaft des Landes Nordrhein-Westfalen geförderten Programms „Forschungsvolontariat Kunstmuseen NRW“ wurde im Museum Schloss Moyland das Forschungsprojekt Joseph Beuys und der Nationalsozialismus – Ein Laborraum ins Leben gerufen. Es befasst sich mit der Geschichte des Künstlers Joseph Beuys (1921–1986). Der Fokus liegt dabei auf seiner Rolle im Nationalsozialismus sowie seiner späteren Positionierung zu seiner Zeit als Soldat im Zweiten Weltkrieg und zur NS-Ideologie. & Die Frage, wie Joseph Beuys, der als Freiwilliger bei der Luftwaffe am Zweiten Weltkrieg teilnahm, zum Nationalsozialismus stand und welche Haltung er zum Holocaust vertrat, wird seit langem kontrovers diskutiert. Zahlreiche Äußerungen des Künstlers werden als Belege für seine möglicherweise unzureichende Distanzierung oder sogar anhaltende Nähe zu nationalsozialistischem Gedankengut angeführt. Es gibt jedoch auch andere Auffassungen. Bereits in den Diskussionen, die 2021 anlässlich des hundertsten Geburtstags von Joseph Beuys über diese Fragen geführt wurden, sowie in aktuellen Publikationen wurde neben biografischen Daten und Reden des Künstlers auch seine Kunst in die Betrachtung einbezogen.
Die Stiftung Museum Schloss Moyland besitzt nicht nur einen umfangreichen Bestand an Werken des Künstlers, sondern verfügt auch über ein einzigartiges Archiv zu Joseph Beuys. Dieser Bestand an Sammlungs- und Archivgut bildet die Grundlage für kritische Auseinandersetzung des Museums mit dem Thema.
Die Ergebnisse des Forschungsprojektes werden ab dem 30. März 2025 in einem auf Mitwirkung der Besuchenden angelegten Laborraum innerhalb der Dauerpräsentation zu Joseph Beuys im 1. Obergeschoss des Schlosses präsentiert. Im Laborraum sind multimedial aufbereitete Informationen über die Jugend von Joseph Beuys, seine Zeit als Soldat und seine Beteiligung am 1957 ausgeschriebenen Wettbewerb für ein Mahnmal im ehemaligen Konzentrations- und Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau zusammengefasst.
Auschwitz und der Zweite Weltkrieg im Werk von Joseph Beuys
Die auf den Laborraum bezogene Ausstellung Auschwitz und der Zweite Weltkrieg im Werk von Joseph Beuys fragt vom 30. März bis 29. Juni 2025 nach den ästhetischen Strategien, mit denen Beuys auf die Ungeheuerlichkeit der systematischen Vernichtung von Menschen jüdischen Glaubens, von Sinti und Roma, Kommunisten und anderen im nationalsozialistischen Deutschland verfolgten Gruppen reagiert hat. Mit rund 90 Kunstwerken und Fotografien aus der Sammlung des Museums Schloss Moyland gibt die Ausstellung eine differenzierte Antwort auf die Frage nach Beuys‘ Verhältnis zur NS-Zeit. Die Ausstellung zeigt, dass sich Beuys während seiner gesamten Schaffenszeit – von den 1940er bis in die 1980er Jahre – immer wieder auf unterschiedliche Weise künstlerisch mit dem Zweiten Weltkrieg und insbesondere mit Auschwitz auseinandergesetzt hat. Der Beitrag der Ausstellung zur kontrovers geführten Debatte besteht in der Erweiterung der Diskussionsgrundlage um einen in dieser Hinsicht aussagekräftigen Einblick in sein künstlerisches Werk.
EIN MAHNMAL IM KONZENTRATIONS- UND VERNICHTUNGSLAGER AUSCHWITZ-BIRKENAU
Beuys‘ Entwurf für ein Mahnmal im Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau aus dem Jahre 1957/58 stellt einen Wendepunkt im Werk des Künstlers dar. Diese Arbeit steht im Zentrum des Laborraums und der Ausstellung, die beide den Blick in zwei Richtungen wenden: zurück auf Werke, die der Künstler während des Kriegs und in der Nachkriegszeit geschaffen hat, und nach vorn in die 1960er bis 1980er Jahre, als sich Beuys nahezu kontinuierlich in Kunstwerken mit dem Zweiten Weltkrieg, mit Auschwitz und der Frage nach einer deutschen Kollektivschuld auseinandergesetzt hat.
Mit seinem sorgsam ausgearbeiteten Entwurf für ein Mahnmal im ehemaligen Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau wandte sich Beuys als Künstler den Verbrechen zu, die an Jüdinnen und Juden und anderen vom nationalsozialistischen Deutschland verfolgten Menschen verübt worden waren. Von da an durchzieht die Auseinandersetzung mit dem Krieg und Auschwitz sein gesamtes weiteres Werk. Eine unzweideutige Positionierung des Künstlers zur NS-Ideologie und zu seiner Vergangenheit in der Hitlerjugend und Wehrmachtssoldat lässt sich bei der Betrachtung der Kunstwerke jedoch nicht feststellen. Die Kontroverse um Beuys‘ Haltung zu diesen Fragen wird vom Museum Schloss Moyland in einem für Mai geplanten Symposium mit renommierten Forschenden zu Beuys weitergeführt.
BEUYS‘ KONTAKT ZUR FLUXUS-GRUPPE
Einen Wendepunkt in seinem künstlerischen Werk erreichte Beuys, der inzwischen als Professor an die Kunstakademie Düsseldorf berufen worden war, im Jahr 1963 durch den Kontakt zu Künstler:innen der internationalen Fluxus-Gruppe. In dieser Zeit griff er auf Schulungsunterlagen und handschriftliche Aufzeichnungen aus der Zeit seiner Ausbildung bei der Luftwaffe sowie auf Informationsmaterial zurück, das er 1957 vom Wettbewerbskomitee für das Mahnmal in Auschwitz-Birkenau erhalten hatte. Beuys formte dieses Material zu Kunstwerken, indem er es zu Collagen arrangierte und mit Kreuzen in brauner Ölfarbe markierte. Wenig später wandte er sich performativen Kunstformen zu. Auch in seinen Performances setzte sich Beuys mit dem Krieg und Auschwitz auseinander und stellte dabei seine eigene Person als Künstler in den Mittelpunkt.
Den Hintergrund für diese erneute Hinwendung zu den Themen Krieg und Auschwitz bildete von Dezember 1963 bis August 1965 der erste Frankfurter Auschwitzprozess.
Kuratiert von Dr. Alexander Grönert
Museum Schloss Moyland
Am Schloss 4 I 47551 Bedburg-Hau
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