Potential Worlds 2: Eco-Fictions

(Öffnungszeiten überprüfen!) – 21. Februar 2021 | MIGROS MUSEUM FÜR GEGENWARTSKUNST, Zürich
Eingabedatum: 21.10.2020

Potential Worlds 2: Eco-Fictions

Burton Nitta (Michael Burton & Michiko Nitta), Near Future Algae Symbiosis Suit – Protoype, 2010 Fotografie / Photography, Courtesy the artistbilder

Das Migros Museum für Gegenwartskunst präsentiert, in Zusammenarbeit mit dem YARAT Contemporary Art Space, Baku, die Ausstellung Potential Worlds 2: Eco-Fictions. Die Gruppenausstellung beschäftigt sich im Anschluss an Potential Worlds 1: Planetary Memories mit spekulativen Entwürfen des Beziehungsgeflechts zwischen Mensch und Natur vor dem Hintergrund der gegenwärtigen ökologischen Situation.

Die Konsequenzen der Naturzerstörung zeigen die Notwendigkeit, den Menschen als Teil, nicht als Zentrum der Welt zu begreifen. Der erste Ausstellungsteil, Potential Worlds 1: Planetary Memories, beleuchtete, wie sich Menschen die Umwelt zur Gewinnung von Macht und Ressourcen angeeignet haben und welche Folgen für die Natur sowie für soziale Zusammenhänge daraus entstanden sind. Daran anknüpfend, wird in Potential Worlds 2: Eco-Fictions danach gefragt, welche potenziellen Welten in diesen menschgemachten Ruinen entstehen können: Wie kann mit dem Müll der Gegenwart und den Spuren der Zerstörung umgegangen werden? Wie kann angesichts der gegenwärtigen weltweiten prekären Lage nach neuen Lebensformen gesucht werden? Welche Rolle kann dabei die Kunst als technologisches, wissenschaftliches und soziales Experiment übernehmen? Die Künstler*innen der Ausstellung entwerfen Visionen für potenzielle Welten und machen deutlich, dass es bildhafte Zukunftsvorstellungen braucht, damit alternative Lebensformen entstehen können. Sie reflektieren unseren Umgang mit der Natur und schaffen Vorstellungen von neuen Formen des Lebens aufder Erde – lassen Sie sich inspirieren!

Den Auftakt der Ausstellung bildet das Werk Alpine Substance on Wolfsburg Construction (2007) von Jimmie Durham. Die Skulptur besteht aus einem roten VW-Käfer, dessen Dach vom Gewicht eines Findlings komplett eingedrückt wurde. Es scheint, als wäre das Auto mitten in der Fahrt von einem Steinschlag getroffen worden. Das Werk löst Unbehagen aus: Wie wird die Natur auf den Klimawandel reagieren? Durham schafft mit seiner Assemblage das Bild einer lebendigen Natur, die selbst gegen umweltverschmutzende Faktoren aktiv wird und nicht mehr nur ein Opfer des Klimawandels bleibt. Die Arbeiten in der Ausstellung machen exemplarisch sichtbar, welche Spuren die Menschen in der Umwelt hinterlassen, und fragen gleichzeitig danach, wie die Natur auf diesen menschlichen Einfluss reagieren wird und wie viel Handlungsmacht sie hat.

Dass künstlerische Überlegungen zu einem bewussten Umgang mit der Umwelt keineswegs neu sind, zeigen Arbeiten von Peter Fend sowie Helen Mayer Harrison & Newton Harrison, die zu den Pionier*innen der Ökokunst-Bewegung gehören. Sie agieren seit den 1970er Jahren als Historiker*innen, Diplomat*innen, Ökolog*innen und Aktivist*innen in kollaborativen Projekten mit der Zielsetzung, die biologische Diversität und die Entwicklung von Gemeinschaft zu fördern. In den Arbeiten Delancey Street Goes to the Sea (1979) und RAPID (seit 1999) beschäftigt sich Fend mit alternativen Möglichkeiten zur Gewinnung von umweltschonenden Energien. Der Künstler möchte mit seinen Entwürfen Veränderungen in der Vermarktung von emissionsfreier Energie bewirken und reale Projekte in Gang setzen. Helen Mayer Harrison & Newton Harrison untersuchten in ihrem Werk The Lagoon Cycle (1974–84) verschiedene Ökosysteme (von Sri Lanka bis zum Pazifischen Raum) und die Interaktion zwischen der Nahrungsmittelproduktion und den Einzugsgebieten lokaler Gewässer. Die Arbeit wurde im Jahr 1975 mit dem angesehenen California Sea Grant der Scripps Institution of Oceanography ausgezeichnet. Fend und die Harrisons entwickeln mit ihren Werken Erzählungen, die reale Projekte in Gang gesetzt haben, und zeigen, dass Kunstprojekte eine wichtige Funktion zur Visualisierung von alternativen Zukunftsszenarien haben.

Weiter eignen sich die Künstler*innen der Ausstellung die Perspektive aus der Zukunft an, um dringende Themen der Gegenwart zu reflektieren. Sie entwerfen unterschiedliche Entwürfe für mögliche Landschaften und Lebensformen und wecken Fragen nach der Zukunft: Welche Arten werden das gegenwärtige Zeitalter samt seinen Folgen überstehen? Woran müssen sich Körper adaptieren, um zu überleben? Welche Fähigkeiten müssen Organe entwickeln? Diesen Fragen spürt beispielsweise Pinar Yoldas nach, indem sie in ihrem Projekt Ecosystem of Excess (2014) ausgehend vom «Great Pacific Garbage Patch» – einem Müllstrudel in etwa der Grösse Mitteleuropas im Nordpazifik – Organismen und fantastische Wesen entwirft, die mit dem veränderten, von Plastik dominierten Lebensraum eine symbiotische Beziehung eingehen können. Eine wichtige Rolle beim Nachdenken über die Zukunft spielen auch die modernen Technologien und die Frage, welche Funktionen sie in Zukunft erfüllen können.

So setzt sich zum Beispiel Mileece* in ihrer Installation i Oracle: Dreaming in the Future Ancient (2018) mit ethischen Fragen von künstlicher Intelligenz auseinander und fordert dazu auf, Methoden der Natur bei der Programmierung miteinzubeziehen. In ihrer Arbeit befähigt sie einen Bonsai, direkt mit modernen Techniken zu interagieren, und regt dazu an, darüber nachzudenken, wie eine Welt aussehen würde, in der die KI-gesteuerten Systeme mithilfe von Pflanzen programmiert wurden. Auch Zheng Bos Arbeiten sollen neue Zugänge zur Pflanzenwelt eröffnen. Der Künstler führt in seiner Videoserie Pteridophilia (seit 2016) einen ungewohnt intimen Zugang zu Farnpflanzen vor: Er inszeniert einen Liebesakt zwischen Menschen und Pflanzen, um den gegenwärtigen Umgang mit der Natur zu thematisieren. Zheng bezieht in seiner Arbeit körperliche Erfahrungen in den ökologischen Diskurs mit ein, um unsere alltäglichen Begegnungen mit der Pflanzenwelt zu hinterfragen und unsere Achtsamkeit ihr gegenüber zu fördern.

Die Künstler*innen leisten mit ihren Visionen einen wichtigen Beitrag für den Glauben an eine bessere Zukunft. Die in der Ausstellung versammelten Werke zeigen bildhafte Entwürfe für neue Formen des Zusammenlebens aller Lebewesen auf der Erde und regen zum Umdenken an. Die Erschaffung von alternativen Welten beginnt durch Ihre kreative Vorstellungskraft – darum setzen Sie Ihrer Fantasie keine Grenzen!

Korakrit Arunanondchai, Anca Benera & Arnold Estefán, Dora Budor, Burton Nitta (Michael Burton & Michiko Nitta), Cao Fei, Julian Charrière, Carl Cheng, Jimmie Durham, Peter Fend, Tue Greenfort, Joana Hadjithomas & Khalil Joreige, Helen Mayer Harrison & Newton Harrison, Louis Henderson, Mary Maggic, Mileece*, MOON Kyungwon & JEON Joonho, Adrián Villar Rojas, Pinar Yoldas, Zheng Bo

EINE INSTITUTION DES MIGROS-KULTURPROZENT
MIGROS MUSEUM FÜR
GEGENWARTSKUNST
LIMMATSTRASSE 270
CH–8005 ZURICH

www.MIGROSMUSEUM.CH


Presse




Anzeige
Boris Lurie Art Foundation


Anzeige
Responsive image


Anzeige
Responsive image

Chatbot

Was der Bot u.a. jetzt bereits beantworten kann: Was ist Kunst, was macht die Kunst, Konzeptkunst, wozu Kunst, Künstler und was macht art-in.de? Um Fragen, die er noch nicht beantworten kann, kümmern wir uns. Es ist ein Experiment im Aufbau. Wir freuen uns über alle Fragen.


Card image cap

WO WIR

12.12.2020 | Kunst Halle Sankt Gallen

Card image cap

Das Raqs Media Collective aus Delhi

November 2020 | Akademie der bildenden Künste Wien

Card image cap

ifa-Galerie Stuttgart ab 2021 unter neuer Leitung

November 2020 | ifa-Galerie Stuttgart