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Zurück zum Beton: Ina Webers Trümmerbahnen-Minigolf

19.04. - 07.06.2026 | Museum Ostwall im Dortmunder U

Eingabedatum: 17.04.2026

Werkabbildung
Ina Webers Trümmerbahnen-Minigolf Haus am Waldsee 2013 VG Bild-Kunst
Im Frühjahr wird das Museum Ostwall im Dortmunder U zum interaktiven Spielfeld für alle Generationen: Die Berliner Künstlerin Ina Weber verwandelt die Ebene 4 in einen bespielbaren Minigolfparcours der besonderen Art. Ab Sonntag, dem 19. April 2026 lädt sie mit ihrer Ausstellung „Zurück zum Beton: Ina Webers Trümmerbahnen-Minigolf“ zum Mitspielen, Erkunden und Nachdenken ein.

Zwölf Bahnen verwandeln den Museumsraum in eine begehbare Landschaft aus Beton, Architektur und Nostalgie. Eine der Bahnen ist einem tatsächlich existierenden Gebäude in Dortmund nachempfunden, dem ikonischen Gesundheitshaus. Nicht nur die Bahnen, auch ein Kiosk zur Ausgabe der Schläger und Bälle verleihen der Ausstellungsfläche Retro-Charme und lassen Kindheitserinnerungen und Sommergefühle wach werden.

Das Gesundheitshaus in der Dortmunder Hövelstraße 8 wurde 1957-1961 errichtet und zählt zu den bedeutenden Werken der Baukunst der westdeutschen Nachkriegszeit. Das Symbol für Aufbruch und Moderne nach dem Zweiten Weltkrieg steht heute unter Denkmalschutz. Die Dachterrasse mit dem geschwungenen Flachdach inspirierte Ina Weber zu der 'Dortmunder' Minigolfbahn, die für die Ausstellung im Museum Ostwall neu geschaffen wurde.Die anderen Hindernisse auf den Minigolfbahnen bestehen aus fiktiven Gebäuden,zusammengesetzt aus Versatzstücken realer Bauwerke der Nachkriegsmoderne. So entstehen vertraut wirkende, aber nie eindeutig zu verortende Bauten: ein Kino, eine Tankstelle, ein Hochhaus. Nichts ist monumental, und doch erzählt jedes Objekt von urbaner Geschichte, Wandel und Alltag.

Auf den „Trümmerbahnen“ wird Architektur zur Skulptur, der Sockel selbst zur Spielfläche. Durch das Spiel mit Maßstab und Material öffnet Weber einen neuen Blick auf die städtische Umwelt – auf jene brutalistischen Betonbauten, die einst als Symbole des Fortschritts galten und heute oft als „Betonmonster“ verschrien sind. Beton, das allgegenwärtige Material der Nachkriegszeit, wird hier zu einem Spiegel unserer Haltung gegenüber der modernen Architektur.

Der Titel der Arbeit verweist zugleich auf die historischen „Trümmerbahnen“, die nach dem Zweiten Weltkrieg den Schutt aus den Städten schafften und so den Wiederaufbau ermöglichten. So verbindet Weber auf subtile Weise Vergangenheit und Gegenwart, Zerstörung und Neuanfang, Spiel und Reflexion.

Seit ihrer Entstehung im Jahr 2004 wurde die Installation an verschiedenen Orten gezeigt – im Museum Ostwall erst zum zweiten Mal in einem Innenraum. Die Präsentation in Dortmund ist die letzte, nur hier wird die Arbeit in dieser Form noch zu erleben und zu bespielen sein. Die Ausstellung richtet sich an alle Generationen, an Familien und Freund*innen, die Lust auf eine ungewöhnliche Runde Minigolf haben, sowie an Architektur- und Kunstinteressierte, die sich mit Fragen des städtischen Wandels auseinandersetzen. Damit knüpft das Museum Ostwall an seine Reihe familienfreundlicher, interaktiver Ausstellungen an und zeigt Kunst mit einem spielerischen Zugang, der zum Erleben und Entdecken einlädt und die Besucher*innen Teil des Kunstwerks werden lässt.

19.04. - 07.06.2026

Museum Ostwall im Dortmunder U

Leonie-Reygers-Terrasse, 44137 Dortmund

https://dortmunder-u.de/museum-ostwall/

Presse

Kontext

Einordnung:
Ina Webers interaktive Installation verortet sich kunsthistorisch an der Schnittstelle von partizipativer Kunst und architektonischer Skulptur. Indem sie den traditionellen Skulpturensockel zum bespielbaren Parcours umfunktioniert, löst sie die klassische Distanz zwischen Rezipient und Kunstwerk auf – ein Ansatz, der an die *Relational Aesthetics* der 1990er Jahre anknüpft. Thematisch und materiell reflektiert Weber die Ambivalenz der westdeutschen Nachkriegsmoderne und des Brutalismus. Der Baustoff Beton, einst utopisches Symbol des fortschrittlichen Wiederaufbaus und heute oft als Bausünde stigmatisiert, wird durch das Spiel mit dem Maßstab und die Miniaturisierung realer sowie fiktiver Architekturfragmente ästhetisch neu bewertet. Mit dem historischen Verweis auf die „Trümmerbahnen“ verknüpft die Künstlerin Zerstörung und Neuanfang in der deutschen Stadtgeschichte. So wird die scheinbar unbeschwerte Freizeitkultur des Minigolfs zu einer tiefgründigen Reflexion über Urbanität, die Vergänglichkeit architektonischer Utopien und unseren gesellschaftlichen Umgang mit dem baukulturellen Erbe.
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