It's All About Time
11.04. - 19.07.2026 | Kunstmuseum Ravensburg
Eingabedatum: 09.04.2026

Ein Jahr ist die Zeit, in der die Erde die Sonne umrundet, die Einheit, in der wir über das Alter sprechen oder über das Vorübergehen der Zeit. Ein Jahr lang unterwarf sich Tehching Hsieh (*1950) der schwindelerregenden Disziplin, pünktlich zu jeder vollen Stunde die Zeitkarte einer Stechuhr zu stempeln und parallel ein Selbstporträt aufzunehmen. Seine legendäre Arbeit One Year Performance 1980–1981 (Time Clock Piece) ist eine der kompromisslosesten Meditationen über Zeit und wird zum zweiten Mal in Deutschland gezeigt. Mit dem Time Clock Piece nimmt der taiwanesisch-amerikanische Künstler die Intensität einer Welt vorweg, die niemals schläft.
Technologische Entwicklungen ermöglichen nicht nur eine immer effizientere Organisation unseres Lebens, sondern führen dazu, dass die Grenzen zwischen Arbeit und Freizeit zunehmend verschwimmen. Bei vielen Menschen wächst der Eindruck, immer weniger Zeit zu haben und immer seltener im Einklang mit der Zeit zu sein. Vor diesem Hintergrund konzentriert sich die Ausstellung It's All About Time auf sechs raumgreifende Arbeiten internationaler Künstler:innen, die das Vergehen von Zeit sinnlich erlebbar machen, unterschiedliche Dimensionen der Zeiterfahrung ins Bewusstsein rücken und die standardisierte Zeitmessung hinterfragen.
In Tehching Hsiehs Langzeit-Performance und in Jill Baroffs (*1954) Zeichnungsserie Tide Drawings: Hurricane (2022/2023) trifft der Takt des Spätkapitalismus auf biologische Rhythmen und natürliche Kreisläufe. Hans-Peter Feldmanns (1941–2023) Porträtserie 100 Jahre (1998–2000) zeigt Menschen jeden Lebensalters von null bis hundert Jahren und rückt das Fortschreiten der Lebenszeit in den Mittelpunkt. Im Kontrast dazu nimmt die Filminstallation The Longest Sleep (2024) von Rafik Greiss (*1997) an Trance und Raves erinnernde Gebetsrituale in den Blick, die das gewohnte lineare Zeitempfinden außer Kraft setzen und eine intensive Gegenwartserfahrung ermöglichen. Während die begehbare Installation Durchbruch durch Schwäche (2009) von Alicja Kwade (*1979), bestehend aus verschiedenen Uhrengewichten, den Eindruck erzeugt, als bewegten sich die Besucher:innen durch den Fluss der Zeit, laden David Horvitz (*1972) textbasierte Vorschläge alternativer Uhren – etwa mit Sekunden, die dem Herzschlag folgen oder einer einschlafenden Uhr – dazu ein, gängige Konventionen, die unser Verständnis von Zeit prägen, zu hinterfragen. Wie das Time Clock Piece von Tehching Hsieh verweisen sie darauf, dass Zeit mehr ist als eine messbare Größe und sich nicht in Taktung und Effizienz erschöpft, sondern untrennbar mit unserem individuellen Erleben verbunden ist.
Die Ausstellung It's All About Time lenkt den Blick auf das komplexe Phänomen Zeit – »[...] nicht als Gegenstand unseres Wissens, sondern als Dimension unseres Seins« (Merleau-Ponty).
Mit Arbeiten von Jill Baroff, Hans-Peter Feldmann, Rafik Greiss, David Horvitz, Tehching Hsieh, Alicja Kwade
Technologische Entwicklungen ermöglichen nicht nur eine immer effizientere Organisation unseres Lebens, sondern führen dazu, dass die Grenzen zwischen Arbeit und Freizeit zunehmend verschwimmen. Bei vielen Menschen wächst der Eindruck, immer weniger Zeit zu haben und immer seltener im Einklang mit der Zeit zu sein. Vor diesem Hintergrund konzentriert sich die Ausstellung It's All About Time auf sechs raumgreifende Arbeiten internationaler Künstler:innen, die das Vergehen von Zeit sinnlich erlebbar machen, unterschiedliche Dimensionen der Zeiterfahrung ins Bewusstsein rücken und die standardisierte Zeitmessung hinterfragen.
In Tehching Hsiehs Langzeit-Performance und in Jill Baroffs (*1954) Zeichnungsserie Tide Drawings: Hurricane (2022/2023) trifft der Takt des Spätkapitalismus auf biologische Rhythmen und natürliche Kreisläufe. Hans-Peter Feldmanns (1941–2023) Porträtserie 100 Jahre (1998–2000) zeigt Menschen jeden Lebensalters von null bis hundert Jahren und rückt das Fortschreiten der Lebenszeit in den Mittelpunkt. Im Kontrast dazu nimmt die Filminstallation The Longest Sleep (2024) von Rafik Greiss (*1997) an Trance und Raves erinnernde Gebetsrituale in den Blick, die das gewohnte lineare Zeitempfinden außer Kraft setzen und eine intensive Gegenwartserfahrung ermöglichen. Während die begehbare Installation Durchbruch durch Schwäche (2009) von Alicja Kwade (*1979), bestehend aus verschiedenen Uhrengewichten, den Eindruck erzeugt, als bewegten sich die Besucher:innen durch den Fluss der Zeit, laden David Horvitz (*1972) textbasierte Vorschläge alternativer Uhren – etwa mit Sekunden, die dem Herzschlag folgen oder einer einschlafenden Uhr – dazu ein, gängige Konventionen, die unser Verständnis von Zeit prägen, zu hinterfragen. Wie das Time Clock Piece von Tehching Hsieh verweisen sie darauf, dass Zeit mehr ist als eine messbare Größe und sich nicht in Taktung und Effizienz erschöpft, sondern untrennbar mit unserem individuellen Erleben verbunden ist.
Die Ausstellung It's All About Time lenkt den Blick auf das komplexe Phänomen Zeit – »[...] nicht als Gegenstand unseres Wissens, sondern als Dimension unseres Seins« (Merleau-Ponty).
Mit Arbeiten von Jill Baroff, Hans-Peter Feldmann, Rafik Greiss, David Horvitz, Tehching Hsieh, Alicja Kwade
11.04. - 19.07.2026
Kunstmuseum Ravensburg
Burgstr. 9, 88212 Ravensburg
Presse
Kontext
Einordnung:Die Ausstellung verortet sich im Diskurs der chronopolitischen Konzept- und Performancekunst, in der die Zeit vom abstrakten Messwert zum formbaren, sinnlichen Material wird. Als historischer Anker fungiert Tehching Hsiehs radikale *Endurance Art* (Langzeit-Performance) der 1980er Jahre, die durch repetitive Fotografie und Stempelkarten die Disziplinierung des Körpers durch mechanische Taktung dokumentiert und so die rastlose 24/7-Ökonomie des Spätkapitalismus prägnant vorwegnimmt. Diesem Diktat der Effizienz stellen die zeitgenössischen Positionen ein multimediales Panorama phänomenologischer Zeiterfahrung (im Sinne Merleau-Pontys) entgegen: Während Hans-Peter Feldmanns serielle Fotografie und Jill Baroffs Konzeptzeichnungen die Unausweichlichkeit biologischer und natürlicher Zyklen visualisieren, bricht Rafik Greiss im Medium des immersiven Films mit der linearen Historizität zugunsten tranceartiger Präsenz. Räumlich-skulpturale und textbasierte Interventionen von Alicja Kwade und David Horvitz transferieren diese Reflexion ins Hier und Jetzt, wodurch ein kunsthistorischer Bogen von der extremen körperlichen Konzeptkunst der Postmoderne hin zu einer gegenwärtigen, interaktiven Dekonstruktion normativer Zeitwahrnehmung gespannt wird.






