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Fritz Scholder

25.04. - 25.10.2026 | TOWER MMK, Frankfurt am Main

Eingabedatum: 28.04.2026

Werkabbildung
Fritz Scholder, Insane Indian No. 25, 1972, © Fritz Scholder, courtesy of the Collection of Michael Sherman, Los Angeles, CA
Grün, dann Grau, dann Pink, dann Grün, dann Violett, dann wieder Blau schichten sich horizontal die Farben der Landschaften des heutigen New Mexico. Im grellen Kontrast zu den vom Licht vibrierenden Pastellfarben der Landschaften strahlen die Figuren von Fritz Scholder (1937–2005) vor klaren, einfarbigen, satten Hintergründen.

Bereits in den 1960er- und 1970er-Jahren thematisierte Scholder, wie Indigene Körper, Lebensrealitäten und Geschichte(n) vor allem als Projektionsflächen einer weißen Mehrheitsgesellschaft in Erscheinung traten. Indem er historische Fotografien übernahm, überzeichnete und ins Groteske kippte, legte er Machtverhältnisse offen, die bis heute die Produktion und Zirkulation von Bildern prägen. Seine Arbeiten verhandeln Fragen visueller Souveränität – das Recht, die eigene Darstellung zu bestimmen – und machen sichtbar, wie sehr die Repräsentation von Native Americans von kolonialen Perspektiven geformt ist. Mit Komik, aber auch mit realistischer, klarer Härte befreite Scholder sich sowohl von diesen Bildregimen als auch von den damals vorherrschenden Indigenen Bildtraditionen und schuf somit eigene, gegenwärtige Bilder.

Die umfassende Ausstellung Fritz Scholder zeigt erstmals außerhalb Nordamerikas Gemälde, Zeichnungen, Collagen und Lithografien des Künstlers und erweitert so den Horizont dessen, was bisher unter US-amerikanischer Pop-Art verstanden wird.

25.04. - 25.10.2026
TOWER MMK

Taunustor 1, 60310 Frankfurt am Main

https://mmk.art

Presse

Kontext

Einordnung:
Fritz Scholders Œuvre markiert eine entscheidende Schnittstelle zwischen der US-amerikanischen Pop-Art und einer frühen dekolonialen Bildkritik der 1960er- und 1970er-Jahre. Durch die medienübergreifende Aneignung (Appropriation Art) und groteske Überzeichnung historischer Fotografien in Malerei, Lithografie und Collage dekonstruiert er den romantisierenden Blick auf Native Americans. Formal nutzt er drastische Farbkontraste – von satten, monochromen Pop-Art-Hintergründen bis zu vibrierenden Landschaftspastellen –, um Indigene Körper aus ihrer Rolle als passive Projektionsflächen der weißen Mehrheitsgesellschaft zu lösen. Indem Scholder mit beißender Komik und Härte sowohl westliche Exotisierung als auch tradierte Indigene Bildsprachen verweigert, formuliert er einen radikalen Anspruch auf „visuelle Souveränität“. Er erweitert somit den oft nur konsumkritisch rezipierten Kanon der US-Pop-Art um eine tiefgreifende institutionelle Kritik, die Machtgefälle, koloniale Repräsentationsmechanismen und kulturelle Identität im Spiegel visueller Kultur verhandelt.
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