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Pierre Molinier, Angélique Aubrit & Ludovic Beillard. Sui Generis

24.04. - 12.07.2026 | Kunsthalle Giessen

Eingabedatum: 25.04.2026

Werkabbildung
Links: Pierre Molinier, La poupée, 1956-57. Copyright the artist, Courtesy Galerie Christophe Gaillard, Paris. Rechts: Angélique Aubrit & Ludovic Beillard, Une solitude vraiment terrible (Clod), 2025. Courtesy the artists, Wouters Gallery, Brüssel.
Anlässlich des 50. Todestags von Pierre Molinier widmet die Kunsthalle Giessen dem französischen Künstler die Ausstellung Sui Generis (Lat. von eigener Art), die seine provokant-erotischen Fotografien und Fotomontagen sowie ihre intensive Auseinandersetzung mit Identität, Selbstinszenierung und der Erschaffung (s)eines Ideal-Ichs neu kontextualisiert. Fotografien, Archivmaterial und persönliche Objekte aus seinem Wohnatelier ermöglichen einen umfassenden Einblick in Moliniers Leben und Werk. Erstmals treten das Künstlerduo Angélique Aubrit und Ludovic Beillard in Sui Generis in einen zeitgenössischen Dialog mit Moliniers Werk. Die Praxis des Duos verbindet Skulptur, Installation und Performance zu immersiven, von grotesken Figuren bevölkerten Environments. Die oft unheimlichen, holzköpfigen Charaktere resonieren mit Moliniers obsessiver Bildwelt und seinem Impuls, jenseits stabiler Identitäten hybride Wesen zu entwerfen. Anlässlich der Ausstellung präsentieren Aubrit und Beillard ein neues Kapitel ihres Filmprojekts une solitude vraiment terrible (2024-2027), das den Zusammenbruch des kapitalistischen Systems imaginiert, als Echo auf Pierre Moliniers künstlerische Praxis.

Pierre Molinier (1900, Agen – 1976, Bordeaux) war ein französischer Maler, Fotograf und Performer, der für seine Verbindung zum Surrealismus bekannt ist. Ab den 1940er-Jahren wandte er sich von der traditionellen figurativen Kunst ab und konzentrierte sich auf esoterische und erotische performative Praktiken. Seine Fotomontagen aus den 1950er-Jahren zeigen ihn häufig selbst als Modell und stellen Geschlechternormen infrage. Moliniers Werk behandelt Themen wie Androgynie, Fetischismus, Selbstinszenierung, Begehren, Tod und die Fluidität von Identität. Der Künstler wird von der Galerie Christoph Gaillard, Paris, vertreten.

Angélique Aubrit (*1988, Angoulême) lebt und arbeitet in Brüssel. Ludovic Beillard (*1982, Bordeaux) lebt und arbeitet in Bordeaux. Beide studierten zunächst am École des Beaux Arts in Bordeaux gefolgt vom École des Recherche Graphique in Brüssel. Seit 2021 arbeiten sie gemeinsam als Künstlerduo. Sie hatten Einzelausstellungen, u.a. in der Galerie Valerie Cetraro, Paris (2025), im Kunstverein Bielefeld (2023), und in La Centrale, Brüssel (2023). Darüber hinaus waren sie an zahlreichen internationalen Gruppenausstellungen beteiligt, zuletzt im Casino du Luxembourg (2025) und Steirischer Herbst (2025). Sie werden von der Galerie Valeria Cetraro, Paris, und Wouters, Brüssel, vertreten.

24.04. - 12.07.2026

Kunsthalle Giessen

Berliner Platz 1, 35390 Gießen

https://kunsthalle-giessen.de/

Presse

Kontext

Einordnung:
Pierre Moliniers radikale Praxis verortet sich historisch im Nachkriegssurrealismus, nimmt jedoch mit ihren performativen Fotografien und Fotomontagen der 1950er-Jahre postmoderne Diskurse um Body Art, Queer Theory und Genderfluidität visionär vorweg. Indem er den eigenen Körper fetischisiert und zu androgynen, hybriden Wesen collagiert, dekonstruiert Molinier binäre Normen und das Konzept einer stabilen Identität zugunsten eines fließenden Ideal-Ichs. Das zeitgenössische Duo Aubrit und Beillard überführt diese historische, psychosexuelle Zersplitterung mittels immersiver Installationen, skulpturaler Elemente und Film in eine raumgreifende, gesellschaftspolitische Dimension. Ihre grotesken Figuren und filmischen Dystopien eines kapitalistischen Systemkollaps fungieren als makrokosmische Entsprechung zu Moliniers mikrokosmischer Subjektauflösung. So spannt der Dialog einen kunsthistorischen Bogen von der avantgardistischen Demontage des bürgerlichen Individuums hin zur zeitgenössischen Befragung brüchiger systemischer Strukturen, tief vereint durch die Ästhetik des Unheimlichen.
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