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Das kalte Herz

18.04. - 04.10.2026 | Kunstgebäude, Stuttgart

Eingabedatum: 16.04.2026

Werkabbildung
Gabriela Oberkofler, Buggelkraxen, 2010, Digitaler Kunstdruck, 140 x 93 cm, Kunstmuseum Stuttgart, © Gabriela Oberkofler / Foto: Thierry Chassepoux
Die Ausstellung nimmt das gleichnamige Märchen des Stuttgarter Schriftstellers Wilhelm Hauff (1802–1827) als Ausgangspunkt, um die Beziehung von Identität und sozialer Stellung zu reflektieren. Hauff schildert die Folgen, die die Industrialisierung und der sich beschleunigende Kapitalismus zu Beginn des 19. Jahrhunderts auf die Gesellschaft haben, als individuelle Geschichte von Geldsucht und emotionaler Isolation. Die 1827 erschienene Erzählung ist eine Allegorie auf eine Welt im Wandel: Bestehende Moralvorstellungen geraten ins Wanken, mit den erwachenden materiellen Ansprüchen wachsen die Ängste, an Gesellschaftsfähigkeit einzubüßen. Anhand von Werken zeitgenössischer Künstler:innen – darunter zwei Neuproduktionen, die sich explizit mit dem Text beschäftigen – präsentiert die Ausstellung eine aktualisierte Lesart der im Märchen angelegten Leitmotive Identität, Gewalt und Heilung, Affekt sowie ökologische Ausbeutung vor dem Hintergrund des gegenwärtigen Zeitgeschehens.

Künstler:innen Kader Attia, Tracey Emin, Jakob Grünenwald, Jenny Holzer, Jesper Just, Friedrich von Keller, Rasmus Myrup, Gabriela Oberkofler, Julius Pristauz, Ricarda Roggan, Erik Sturm, Pol Taburet, Rosemarie Trockel, Troika, Nora Turato

* Aufgrund umfassender Sanierungs- und Modernisierungsarbeiten am Gebäude des Kunstmuseums Stuttgart bleibt dieses von Mitte April bis voraussichtlich Anfang 2027 geschlossen; das Museum nutzt während dieser Zeit das Kunstgebäude vorübergehend als Ausstellungsort.

18.04. - 04.10.2026

Kunstgebäude, Stuttgart

Schlossplatz 2, 70173 Stuttgart

https://www.kunstmuseum-stuttgart.de/

Presse

Kontext

Einordnung:
Die Ausstellung spannt einen epochenübergreifenden Bogen von der literarischen Romantik und dem Realismus des 19. Jahrhunderts (historische Positionen wie Grünenwald und von Keller) hin zu multimedialer, zeitgenössischer Konzeptkunst. Indem sie Hauffs frühkapitalistische Allegorie als Resonanzraum nutzt, überführt sie historische Motive der Entfremdung in aktuelle Diskurse um Spätkapitalismus, Identitätspolitik und das Anthropozän. Textbasierte und performative Praxen (Holzer, Turato) visualisieren den sprachlichen und medialen Druck auf das heutige Subjekt, während feministisch-affektive Ansätze (Emin, Trockel) die emotionale Isolation greifbar machen. Postkoloniale und queero-ökologische Positionen (Attia, Myrup, Pristauz) transformieren die Leitmotive von Gewalt und Ausbeutung durch raumgreifende, installative Techniken sowie Konzepte der „Reparatur“ in Narrative der Heilung. So wird das Märchen zur Blaupause für eine vielstimmige, medienübergreifende Analyse unserer gegenwärtigen Krisenhaftigkeit.
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