Hermann Nitsch. 1960 bis 1965
26. 03. – 05.07 2026 | Wiener Aktionismus Museum
Eingabedatum: 26.03.2026

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Die Ausstellung HERMANN NITSCH. 1960 bis 1965 im WIENER AKTIONISMUS MUSEUM widmet sich dem frühen Schaffen, das von den Schütt- und Rinnbildern zu den Reliktmontagen führt, bis hin zu Arbeiten, die noch vor Beginn der 1960er-Jahre entstehen und den Übergang vom technisch geschulten Grafiker zum expressiven Maler sichtbar machen. Hermann Nitsch entwickelt eine Bild-, Zeichen- und Handlungssprache in der Malerei, in der Körper, Material und Ritual miteinander verschmelzen. Die ausgewählten Werke zeigen, mit welcher Entschlossenheit Nitsch die Grundlagen für sein Œuvre legt und damit die Kunstgeschichte nachhaltig prägt.
„Für Nitsch eröffnet sich ein Weg zur Verwirklichung seines eigenen Anspruchs: Durch den Malprozess sollen physische und psychische Extremerfahrungen durchlebt, verdrängte Impulse freigelegt und überwunden werden, um so zu einer gesteigerten Daseinserfahrung zu gelangen. Nitsch beschüttet und bespritzt Leinwände und nennt die Arbeiten „Schüttbilder“. Er lässt Farbe vertikal herabrinnen und bezeichnet seine Resultate als ‚Rinnbilder‘.“ Klaus Albrecht Schröder, Direktor des WIENER AKTIONISMUS MUSEUMS
Schütt- und Rinnbilder
Um 1960 arbeitet Nitsch im Atelier des Technischen Museums Wien unter einfachen Bedingungen mit Holzfaserplatten und älteren Bildträgern. Es entstehen die ersten Rinn- und Wachsbilder. Vom Informel beeinflusst, lässt Nitsch die Farbe langsam vom oberen Bildrand nach unten rinnen. Materialität, Schwerkraft und Zeit sind dabei die formbildenden Kräfte. Nitsch arbeitet auch mit Wachs, das er in Schichten auf Bildträger gießt, es entstehen dichte, haptische Oberflächen. Diese frühen Experimente markieren den Beginn einer Malerei, bei der für Nitsch der Prozess wichtiger wird als das fertige Bild.
Malaktionen
Ende 1960 führt Nitsch seine erste Malaktion durch. Farbe wird geschüttet, gespritzt und mit dem ganzen Körper auf die Bildfläche gebracht. Der Malvorgang steht im Zentrum: Farbe, Bewegung und Material verschmelzen zu einem performativen Ereignis. Diese Hinwendung zum Akt des Malens steht im Kontext des internationalen Action Painting, das seit den 1940er-Jahren den Entstehungsprozess des Bildes ins Zentrum rückt. Während Künstler wie Markus Prachensky mit dynamisch geschütteter, häufig intensiv roter Farbe arbeiten und Arnulf Rainer bestehende Bilder durch Übermalungen radikal transformiert, entwickelt Nitsch eine Malpraxis, bei der reale Materialien und rituelle Handlungen ins Zentrum rücken.
„In seinen frühen Aktionsmalereien (1960–1963) versucht Nitsch, die durch den Malprozess ausgelösten sinnlichen Erregungszustände auf Bildträgern festzuhalten. Je stärker der Malprozess selbst zum Ereignis wird, desto deutlicher erkennt Nitsch die Begrenzung der Bildfläche: Die metaphorische Bildhaftigkeit weicht der unmittelbaren Wirklichkeit. Schrittweise verlagert sich seine Praxis von der malerischen Geste zur aktionistischen Handlung.” Julia Moebus-Puck, Kuratorin der Ausstellung und Sammlungsdirektorin, WIENER AKTIONISMUS MUSEUM
Reliktmontagen
In den frühen Arbeiten erweist sich Nitsch als Symbolist in einem grundlegenden Sinn. In seinen Reliktmontagen appliziert er Taschentücher, Pflaster und Menstruationsbinden sowie reales Blut, liturgische Geräte und Gewänder auf Leinwände. Diese Materialien werden zu komplexen Bedeutungsträgern: Sie verweisen auf Wunde, Blut, Heilung und Reinigung und verbinden körperliche Spuren mit christlicher Symbolik. So entsteht ein Bildraum, in dem Opfer, Leid und Transformation sichtbar werden.
Nitschs Bildsprache entwickelt sich im gesellschaftlichen Klima des Nachkriegsösterreichs – einer Zeit, die stark von Verdrängung, Schweigen und dem Wunsch nach neuer Ordnung geprägt ist. Nitsch stellt dieser Atmosphäre eine radikale künstlerische Gegenbewegung entgegen. Seine Aktionen und Malhandlungen rufen Situationen des Exzesses hervor, die intensive körperliche und emotionale Reaktionen provozieren. Gerüche, Materialien und körperliche Berührungen werden Teil des Geschehens. Der Exzess wird zum Mittel, verdrängte Gefühle sichtbar und erfahrbar zu machen. In der Radikalität seiner Handlungen nimmt Nitsch diese unterdrückten Impulse gleichsam stellvertretend auf sich – als Künstler, der die verdrängten Affekte der Gesellschaft sichtbar macht.
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ORT WIENER AKTIONISMUS MUSEUM, Weihburggasse 26, 1010 Wien
ÖFFNUNGSZEITEN Täglich (außer Montag) 11 – 18 Uhr
INFORMATION
Die Ausstellung HERMANN NITSCH. 1960 bis 1965 im WIENER AKTIONISMUS MUSEUM widmet sich dem frühen Schaffen, das von den Schütt- und Rinnbildern zu den Reliktmontagen führt, bis hin zu Arbeiten, die noch vor Beginn der 1960er-Jahre entstehen und den Übergang vom technisch geschulten Grafiker zum expressiven Maler sichtbar machen. Hermann Nitsch entwickelt eine Bild-, Zeichen- und Handlungssprache in der Malerei, in der Körper, Material und Ritual miteinander verschmelzen. Die ausgewählten Werke zeigen, mit welcher Entschlossenheit Nitsch die Grundlagen für sein Œuvre legt und damit die Kunstgeschichte nachhaltig prägt.
„Für Nitsch eröffnet sich ein Weg zur Verwirklichung seines eigenen Anspruchs: Durch den Malprozess sollen physische und psychische Extremerfahrungen durchlebt, verdrängte Impulse freigelegt und überwunden werden, um so zu einer gesteigerten Daseinserfahrung zu gelangen. Nitsch beschüttet und bespritzt Leinwände und nennt die Arbeiten „Schüttbilder“. Er lässt Farbe vertikal herabrinnen und bezeichnet seine Resultate als ‚Rinnbilder‘.“ Klaus Albrecht Schröder, Direktor des WIENER AKTIONISMUS MUSEUMS
Schütt- und Rinnbilder
Um 1960 arbeitet Nitsch im Atelier des Technischen Museums Wien unter einfachen Bedingungen mit Holzfaserplatten und älteren Bildträgern. Es entstehen die ersten Rinn- und Wachsbilder. Vom Informel beeinflusst, lässt Nitsch die Farbe langsam vom oberen Bildrand nach unten rinnen. Materialität, Schwerkraft und Zeit sind dabei die formbildenden Kräfte. Nitsch arbeitet auch mit Wachs, das er in Schichten auf Bildträger gießt, es entstehen dichte, haptische Oberflächen. Diese frühen Experimente markieren den Beginn einer Malerei, bei der für Nitsch der Prozess wichtiger wird als das fertige Bild.
Malaktionen
Ende 1960 führt Nitsch seine erste Malaktion durch. Farbe wird geschüttet, gespritzt und mit dem ganzen Körper auf die Bildfläche gebracht. Der Malvorgang steht im Zentrum: Farbe, Bewegung und Material verschmelzen zu einem performativen Ereignis. Diese Hinwendung zum Akt des Malens steht im Kontext des internationalen Action Painting, das seit den 1940er-Jahren den Entstehungsprozess des Bildes ins Zentrum rückt. Während Künstler wie Markus Prachensky mit dynamisch geschütteter, häufig intensiv roter Farbe arbeiten und Arnulf Rainer bestehende Bilder durch Übermalungen radikal transformiert, entwickelt Nitsch eine Malpraxis, bei der reale Materialien und rituelle Handlungen ins Zentrum rücken.
„In seinen frühen Aktionsmalereien (1960–1963) versucht Nitsch, die durch den Malprozess ausgelösten sinnlichen Erregungszustände auf Bildträgern festzuhalten. Je stärker der Malprozess selbst zum Ereignis wird, desto deutlicher erkennt Nitsch die Begrenzung der Bildfläche: Die metaphorische Bildhaftigkeit weicht der unmittelbaren Wirklichkeit. Schrittweise verlagert sich seine Praxis von der malerischen Geste zur aktionistischen Handlung.” Julia Moebus-Puck, Kuratorin der Ausstellung und Sammlungsdirektorin, WIENER AKTIONISMUS MUSEUM
Reliktmontagen
In den frühen Arbeiten erweist sich Nitsch als Symbolist in einem grundlegenden Sinn. In seinen Reliktmontagen appliziert er Taschentücher, Pflaster und Menstruationsbinden sowie reales Blut, liturgische Geräte und Gewänder auf Leinwände. Diese Materialien werden zu komplexen Bedeutungsträgern: Sie verweisen auf Wunde, Blut, Heilung und Reinigung und verbinden körperliche Spuren mit christlicher Symbolik. So entsteht ein Bildraum, in dem Opfer, Leid und Transformation sichtbar werden.
Nitschs Bildsprache entwickelt sich im gesellschaftlichen Klima des Nachkriegsösterreichs – einer Zeit, die stark von Verdrängung, Schweigen und dem Wunsch nach neuer Ordnung geprägt ist. Nitsch stellt dieser Atmosphäre eine radikale künstlerische Gegenbewegung entgegen. Seine Aktionen und Malhandlungen rufen Situationen des Exzesses hervor, die intensive körperliche und emotionale Reaktionen provozieren. Gerüche, Materialien und körperliche Berührungen werden Teil des Geschehens. Der Exzess wird zum Mittel, verdrängte Gefühle sichtbar und erfahrbar zu machen. In der Radikalität seiner Handlungen nimmt Nitsch diese unterdrückten Impulse gleichsam stellvertretend auf sich – als Künstler, der die verdrängten Affekte der Gesellschaft sichtbar macht.
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ORT WIENER AKTIONISMUS MUSEUM, Weihburggasse 26, 1010 Wien
ÖFFNUNGSZEITEN Täglich (außer Montag) 11 – 18 Uhr
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