Wolfgang Tillmans erhält Roswitha-Haftmann-Preis
Mai 26
Eingabedatum: 21.05.2026

Der mit CHF 150‘000.– dotierte Preis der Roswitha Haftmann-Stiftung geht 2026 an Wolfgang Tillmans. Der Stiftungsrat würdigt damit ein Werk, das seit vier Jahrzehnten künstlerische Innovation mit gesellschaftlicher Verantwortung verbindet. Tillmans ist der 28. Träger des höchstdotierten europäischen Kunstpreises. Zu den bisherigen Preisträger:innen des Roswitha Haftmann-Preises zählen u. a. Walter De Maria, VALIE EXPORT, Maria Lassnig, Cildo Meireles, Sigmar Polke, Robert Ryman, Cindy Sherman, Rosemarie Trockel, Cecilia Vicuña und Jeff Wall.
Die feierliche Preisverleihung findet am Donnerstag, 17. September 2026 im Kunsthaus Zürich statt....
VOM DOKUMENTARISTEN DER SUBKULTUR ZUM GESTALTER EINES POLITISCHEN BEWUSSTSEINS
Wolfgang Tillmans erlangte in den 1990er-Jahren Bekanntheit durch seine stilbildenden Porträts von Menschen seiner unmittelbaren Umgebung und der europäischen Clubszene und LGBTIQ+-Community. Seine Fotografien erschienen in Musik- und Lifestyle-Magazinen und machten ihn früh zu einem präzisen Dokumentaristen gesellschaftlicher Strömungen. In den folgenden Jahrzehnten erweiterte er sein Werk um Stillleben, Himmels- und Landschaftsaufnahmen, astronomische Bilder sowie um neue fotografische Praktiken, in denen die Kamera durch das Zusammenspiel mechanischer Abläufe oder mineralisch-chemischer Vorgänge der Fotografie ersetzt wurde. Auch die Materialität des Bildes – Papier, Oberfläche, Druck und Präsentationsform – wurde zu einem zentralen Bestandteil seiner Praxis. Tillmans’ Werk verbindet ästhetische Sensibilität mit einem politischen Interesse an Wirklichkeitsentwürfen und Wahrheitsansprüchen, insbesondere hinsichtlich Ideologien und Genderfragen.
VORREITER EINER VARIABLEN, INSTALLATIVEN FOTOKUNST
Wolfgang Tillmans lässt seine Bilder in unterschiedlichsten Konstellationen und Kontexten auftauchen, spielt mit visuellen Konventionen – in Zeitungen und Magazinen, in Ausstellungskatalogen und anderen Künstlerpublikationen, vor allem aber in zumeist grossformatigen Installationen an Museumswänden oder auf Tischen, bei denen er unter Glasplatten Fotokopien, Fotografien und Zeitschriftenartikel, Postkarten und Verpackungen sowie weiteres gesammeltes Material arrangiert. Obwohl Tillmans‘ künstlerisches Medium die Fotografie ist, lässt sich seine Arbeitspraxis somit nicht auf die eines Fotografen reduzieren. Tillmans interessiert sich für die Materialität seiner Bilder als Objekte sowie für die Wirkung von architektonischen Räumen. Dieser vielseitige, oft installative Umgang mit Fotografie war zunächst etwas völlig Neues und hat Tillmans zu einem Vorreiter der Fotografie als Kunstform gemacht, der bis heute grossen Einfluss auf nachfolgende Künstler:innengenerationen ausübt. Über die Fotografie und seinen installativen Ansatz hinaus, hat sich Tillmans‘ Praxis, vor allem in den letzten Jahren, auf Sound- und Videoarbeiten, kollaborative Musikproduktionen sowie Arbeiten mit Text erweitert.
KUNST UND GESELLSCHAFTLICHE VERANTWORTUNG
Für Wolfgang Tillmans ist die Kunst eng mit gesellschaftlichem Engagement verflochten. Über sein unverwechselbares fotografisches Schaffen hinaus erhebt er seine Stimme für ein offenes und demokratisches Europa, etwa durch seine 2016 aus eigener Initiative gestartete Anti-Brexit-Kampagne und seine Kampagnen zur Wahlbeteiligung im Rahmen der Bundestagswahl 2017 und den Europawahlen 2019 und 2024.
Tillmans betrachtet Kultur als einen unverzichtbaren Raum für Dialog, Empathie und gemeinsame Werte. Sein Engagement, das sich mittlerweile auch durch die 2017 gegründete Stiftung Between Bridges und eine Vielzahl geförderter Projekte artikuliert, spiegelt eine stille, aber entschlossene Form von Zivilcourage wider: die Bereitschaft, Freiheiten zu verteidigen, Gleichgültigkeit zu hinterfragen und zur Teilhabe am demokratischen Leben zu ermutigen.
AUSSTELLUNGEN UND AUSZEICHNUNGEN
Das Werk von Wolfgang Tillmans wurde in den vergangenen Jahrzehnten vielfach ausgestellt und ausgezeichnet. 2022 wurde seine Ausstellung «To Look Without Fear» im MoMA/Museum of Modern Art in New York gezeigt, die 2023 weiter an die Art Gallery of Ontario, Toronto, und ans San Francisco Museum of Modern Art wanderte. 2025 präsentierte er «Weltraum» im Albertinum in Dresden, im selben Jahr «Rien ne nous y préparait – Tout nous y préparait» / «Nothing could have prepared us – Everything could have prepared us» im Centre Pompidou in Paris.
2000 wurde ihm als erstem fotografisch arbeitendem Künstler und Nicht-Briten der renommierte Turner Prize verliehen, 2018 der Goslarer Kaiserring. 2026 erhält er nun den Preis der Roswitha Haftmann-Stiftung, Zürich.
HINTERGRUND ZUM PREIS
Der Roswitha Haftmann-Preis wurde 2000 von der Roswitha Haftmann-Stiftung ins Leben gerufen. Die in St. Gallen geborene Galeristin und Mäzenin Roswitha Haftmann (1924–1998) verfügte, dass ihr Vermögen der Förderung herausragender lebender Künstlerinnen und Künstler dienen soll. Über die Vergabe des Preises entscheidet der Stiftungsrat, dem satzungsgemäss die Direktorinnen und Direktoren des Kunstmuseums Bern (Dr. Nina Zimmer), des Kunstmuseums Basel (Dr. Elena Filipovic), des Museum Ludwig in Köln (Dr. Yilmaz Dziewior) unter dem Vorsitz der Direktion des Kunsthaus Zürich (Ann Demeester) angehören. Hinzu kommen berufene Mitglieder wie Mag.a Karola Kraus (ehemalige Direktorin des Museum moderner Kunst Stiftung Ludwig Wien), Prof. Dr. Bernhart Schwenk (Kurator Gegenwartskunst, Pinakothek der Moderne, München) und der Journalist und Kunstkritiker Prof. Thomas Wagner.
Das Preisgeld kann vom Preisträger frei verwendet werden – etwa für neue künstlerische Projekte, die Dokumentation und Sicherung des Werks oder andere Zwecke. Mit Ausnahme der persönlichen Entgegennahme des Preises beim Festakt sind keine weiteren Verpflichtungen damit verbunden.
www.roswithahaftmann-stiftung.com
www.tillmans.co.uk
Die feierliche Preisverleihung findet am Donnerstag, 17. September 2026 im Kunsthaus Zürich statt....
VOM DOKUMENTARISTEN DER SUBKULTUR ZUM GESTALTER EINES POLITISCHEN BEWUSSTSEINS
Wolfgang Tillmans erlangte in den 1990er-Jahren Bekanntheit durch seine stilbildenden Porträts von Menschen seiner unmittelbaren Umgebung und der europäischen Clubszene und LGBTIQ+-Community. Seine Fotografien erschienen in Musik- und Lifestyle-Magazinen und machten ihn früh zu einem präzisen Dokumentaristen gesellschaftlicher Strömungen. In den folgenden Jahrzehnten erweiterte er sein Werk um Stillleben, Himmels- und Landschaftsaufnahmen, astronomische Bilder sowie um neue fotografische Praktiken, in denen die Kamera durch das Zusammenspiel mechanischer Abläufe oder mineralisch-chemischer Vorgänge der Fotografie ersetzt wurde. Auch die Materialität des Bildes – Papier, Oberfläche, Druck und Präsentationsform – wurde zu einem zentralen Bestandteil seiner Praxis. Tillmans’ Werk verbindet ästhetische Sensibilität mit einem politischen Interesse an Wirklichkeitsentwürfen und Wahrheitsansprüchen, insbesondere hinsichtlich Ideologien und Genderfragen.
VORREITER EINER VARIABLEN, INSTALLATIVEN FOTOKUNST
Wolfgang Tillmans lässt seine Bilder in unterschiedlichsten Konstellationen und Kontexten auftauchen, spielt mit visuellen Konventionen – in Zeitungen und Magazinen, in Ausstellungskatalogen und anderen Künstlerpublikationen, vor allem aber in zumeist grossformatigen Installationen an Museumswänden oder auf Tischen, bei denen er unter Glasplatten Fotokopien, Fotografien und Zeitschriftenartikel, Postkarten und Verpackungen sowie weiteres gesammeltes Material arrangiert. Obwohl Tillmans‘ künstlerisches Medium die Fotografie ist, lässt sich seine Arbeitspraxis somit nicht auf die eines Fotografen reduzieren. Tillmans interessiert sich für die Materialität seiner Bilder als Objekte sowie für die Wirkung von architektonischen Räumen. Dieser vielseitige, oft installative Umgang mit Fotografie war zunächst etwas völlig Neues und hat Tillmans zu einem Vorreiter der Fotografie als Kunstform gemacht, der bis heute grossen Einfluss auf nachfolgende Künstler:innengenerationen ausübt. Über die Fotografie und seinen installativen Ansatz hinaus, hat sich Tillmans‘ Praxis, vor allem in den letzten Jahren, auf Sound- und Videoarbeiten, kollaborative Musikproduktionen sowie Arbeiten mit Text erweitert.
KUNST UND GESELLSCHAFTLICHE VERANTWORTUNG
Für Wolfgang Tillmans ist die Kunst eng mit gesellschaftlichem Engagement verflochten. Über sein unverwechselbares fotografisches Schaffen hinaus erhebt er seine Stimme für ein offenes und demokratisches Europa, etwa durch seine 2016 aus eigener Initiative gestartete Anti-Brexit-Kampagne und seine Kampagnen zur Wahlbeteiligung im Rahmen der Bundestagswahl 2017 und den Europawahlen 2019 und 2024.
Tillmans betrachtet Kultur als einen unverzichtbaren Raum für Dialog, Empathie und gemeinsame Werte. Sein Engagement, das sich mittlerweile auch durch die 2017 gegründete Stiftung Between Bridges und eine Vielzahl geförderter Projekte artikuliert, spiegelt eine stille, aber entschlossene Form von Zivilcourage wider: die Bereitschaft, Freiheiten zu verteidigen, Gleichgültigkeit zu hinterfragen und zur Teilhabe am demokratischen Leben zu ermutigen.
AUSSTELLUNGEN UND AUSZEICHNUNGEN
Das Werk von Wolfgang Tillmans wurde in den vergangenen Jahrzehnten vielfach ausgestellt und ausgezeichnet. 2022 wurde seine Ausstellung «To Look Without Fear» im MoMA/Museum of Modern Art in New York gezeigt, die 2023 weiter an die Art Gallery of Ontario, Toronto, und ans San Francisco Museum of Modern Art wanderte. 2025 präsentierte er «Weltraum» im Albertinum in Dresden, im selben Jahr «Rien ne nous y préparait – Tout nous y préparait» / «Nothing could have prepared us – Everything could have prepared us» im Centre Pompidou in Paris.
2000 wurde ihm als erstem fotografisch arbeitendem Künstler und Nicht-Briten der renommierte Turner Prize verliehen, 2018 der Goslarer Kaiserring. 2026 erhält er nun den Preis der Roswitha Haftmann-Stiftung, Zürich.
HINTERGRUND ZUM PREIS
Der Roswitha Haftmann-Preis wurde 2000 von der Roswitha Haftmann-Stiftung ins Leben gerufen. Die in St. Gallen geborene Galeristin und Mäzenin Roswitha Haftmann (1924–1998) verfügte, dass ihr Vermögen der Förderung herausragender lebender Künstlerinnen und Künstler dienen soll. Über die Vergabe des Preises entscheidet der Stiftungsrat, dem satzungsgemäss die Direktorinnen und Direktoren des Kunstmuseums Bern (Dr. Nina Zimmer), des Kunstmuseums Basel (Dr. Elena Filipovic), des Museum Ludwig in Köln (Dr. Yilmaz Dziewior) unter dem Vorsitz der Direktion des Kunsthaus Zürich (Ann Demeester) angehören. Hinzu kommen berufene Mitglieder wie Mag.a Karola Kraus (ehemalige Direktorin des Museum moderner Kunst Stiftung Ludwig Wien), Prof. Dr. Bernhart Schwenk (Kurator Gegenwartskunst, Pinakothek der Moderne, München) und der Journalist und Kunstkritiker Prof. Thomas Wagner.
Das Preisgeld kann vom Preisträger frei verwendet werden – etwa für neue künstlerische Projekte, die Dokumentation und Sicherung des Werks oder andere Zwecke. Mit Ausnahme der persönlichen Entgegennahme des Preises beim Festakt sind keine weiteren Verpflichtungen damit verbunden.
www.roswithahaftmann-stiftung.com
www.tillmans.co.uk
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