Roy Köhnke. Being Flesh
31.05. - 26.07.2026 | Kunstverein Göttingen
Eingabedatum: 31.05.2026

Typischerweise erleben wir den menschlichen Körper auf ganz intuitive Weise. Erst wenn etwas in ihm nicht mehr richtig funktioniert werden wir uns über die Tätigkeiten unseres Körpers wirklich bewusst. Ein gebrochener Arm ist schmerzhaft. Erst ein Röntgenbild gibt diesem Schmerz jedoch „objektive“ medizinische Validierung und integriert ihn damit in ein wissenschaftliches System. Die Medizin versieht ihn mit einer Diagnose, schafft Linderung und sorgt letztlich für Heilung.
Die Körper die Roy Köhnke zeigt bedürfen keinerlei Heilung. Was sie den Besuchern und Besucherinnen ermöglichen ist dafür eine quasi-therapeutische Neubetrachtung von Körperlichkeit und davon wie „objektives Wissen" über Körper gewonnen, konstruiert und verbreitet wird.
Besuchende erfahren Köhnkes Skulpturen auf mehrerlei Ebenen: Als „im Fleische“ gezeigte Körper, also die Skulpturen als solches; durch die kernspintomographischen Scans, die auf eine dünne Membran projiziert werden; aber auch akustisch durch eine begleitende Soundinstallation.
Vor dem Aufbegehren moderner Technologie und Wissenschaft existierte die Anatomie an der Schnittstelle zwischen Kunst und Wissenschaft. Man denke nur an Leonardos anatomische Zeichnungen. Roy Köhnke knüpft somit an eine tiefe und klassische Tradition an, formuliert sie aber auf kritische und moderne Weise.
Körper konstituieren sich entlang unterschiedlicher Diskurse, seien sie sozial, historische oder auch technologisch. Der Körper ist immer aus einer Perspektive gesehen. Und das auch in unserem hoch-technologisiertem Zeitalter. Was der Kernspintomograph „sieht“ ist nicht neutral oder objektiv. Das Bild des Kernspintomographen entsteht durch das Oszillieren von Wasserstoffatomen, wie man sie eben in Gewebe findet. Diese Vibrationen werden dann durch die bildgebenden Verfahren der Maschine sichtbar gemacht.
Über einen Forschungsstipendium Köhnke hatte die Möglichkeit sich mit dieser Maschine zu beschäftigen und die kostspieligen Scans durchzuführen. Sein laufendes Projekt Bulk Flesh Studies bedurfte zwei Jahre Vorbereitungszeit. Um kreativ mit der Maschine zu arbeiten musste er sich in die Maschine einfühlen und verstehen was sie sieht und was nicht. Dies eröffnete einen Blick auf Materialität der uns Menschen sonst versperrt bleibt. Dieser Einsatz von mechanischen Augen macht Roy Köhnke zu einem beispielhaften Vertreter des Jahresprogramms, welches unterschiedliche Positionen in derlei Fusionen von Mensch und Maschine zusammen bringt.
In TRANSHUMAN N°1 Mit Borrás NATORU ナとル sahen wir eine hoch idealisierte und zeitlose Spekulation in der Mensch und Maschine in aalglatter wohlfühl-Harmonie miteinander koexistieren. Köhnke zeigt nun einen unperfekten und zerfallenden Körper. Der Kontrast könnte kaum größer sein. Tatsächlich existieren Köhnke’s Arbeit in starker Opposition zum ideologischen Transhumanismus unserer Zeit und dessen utopischen Versprechungen. Es ist genau dieses „Fleisch“ in Being Flesh, das der Transhumanismus zu unterdrücken und zu vergessen versucht.
Medizinisches Ambiente wird in den Räumlichkeiten des Alten Rathaus durch den Soundtrack erzeugt, der die Ausstellung begleitet. Auch Klangkünstler Unglee Izy gewinnt sein
akustisches Material aus Geräuschen des Kernspintomographen. Das Alte Rathaus wird also auf mehreren sinnlichen Ebenen in ein technologisches Environment verwandelt. Es wird in sich selbst zu einer Art Körper.
Was Being Flesh ausdrückt ist eine vorsichtige und nicht schmerzfreie Neuerkundung von Körperlichkeit und Materialität. Über den Ausstellungszeitraum werden die Besuchenden selbst zu einem Teil dieses Körpers, vielleicht seinem wichtigsten Organ.
Die Körper die Roy Köhnke zeigt bedürfen keinerlei Heilung. Was sie den Besuchern und Besucherinnen ermöglichen ist dafür eine quasi-therapeutische Neubetrachtung von Körperlichkeit und davon wie „objektives Wissen" über Körper gewonnen, konstruiert und verbreitet wird.
Besuchende erfahren Köhnkes Skulpturen auf mehrerlei Ebenen: Als „im Fleische“ gezeigte Körper, also die Skulpturen als solches; durch die kernspintomographischen Scans, die auf eine dünne Membran projiziert werden; aber auch akustisch durch eine begleitende Soundinstallation.
Vor dem Aufbegehren moderner Technologie und Wissenschaft existierte die Anatomie an der Schnittstelle zwischen Kunst und Wissenschaft. Man denke nur an Leonardos anatomische Zeichnungen. Roy Köhnke knüpft somit an eine tiefe und klassische Tradition an, formuliert sie aber auf kritische und moderne Weise.
Körper konstituieren sich entlang unterschiedlicher Diskurse, seien sie sozial, historische oder auch technologisch. Der Körper ist immer aus einer Perspektive gesehen. Und das auch in unserem hoch-technologisiertem Zeitalter. Was der Kernspintomograph „sieht“ ist nicht neutral oder objektiv. Das Bild des Kernspintomographen entsteht durch das Oszillieren von Wasserstoffatomen, wie man sie eben in Gewebe findet. Diese Vibrationen werden dann durch die bildgebenden Verfahren der Maschine sichtbar gemacht.
Über einen Forschungsstipendium Köhnke hatte die Möglichkeit sich mit dieser Maschine zu beschäftigen und die kostspieligen Scans durchzuführen. Sein laufendes Projekt Bulk Flesh Studies bedurfte zwei Jahre Vorbereitungszeit. Um kreativ mit der Maschine zu arbeiten musste er sich in die Maschine einfühlen und verstehen was sie sieht und was nicht. Dies eröffnete einen Blick auf Materialität der uns Menschen sonst versperrt bleibt. Dieser Einsatz von mechanischen Augen macht Roy Köhnke zu einem beispielhaften Vertreter des Jahresprogramms, welches unterschiedliche Positionen in derlei Fusionen von Mensch und Maschine zusammen bringt.
In TRANSHUMAN N°1 Mit Borrás NATORU ナとル sahen wir eine hoch idealisierte und zeitlose Spekulation in der Mensch und Maschine in aalglatter wohlfühl-Harmonie miteinander koexistieren. Köhnke zeigt nun einen unperfekten und zerfallenden Körper. Der Kontrast könnte kaum größer sein. Tatsächlich existieren Köhnke’s Arbeit in starker Opposition zum ideologischen Transhumanismus unserer Zeit und dessen utopischen Versprechungen. Es ist genau dieses „Fleisch“ in Being Flesh, das der Transhumanismus zu unterdrücken und zu vergessen versucht.
Medizinisches Ambiente wird in den Räumlichkeiten des Alten Rathaus durch den Soundtrack erzeugt, der die Ausstellung begleitet. Auch Klangkünstler Unglee Izy gewinnt sein
akustisches Material aus Geräuschen des Kernspintomographen. Das Alte Rathaus wird also auf mehreren sinnlichen Ebenen in ein technologisches Environment verwandelt. Es wird in sich selbst zu einer Art Körper.
Was Being Flesh ausdrückt ist eine vorsichtige und nicht schmerzfreie Neuerkundung von Körperlichkeit und Materialität. Über den Ausstellungszeitraum werden die Besuchenden selbst zu einem Teil dieses Körpers, vielleicht seinem wichtigsten Organ.
31.05.2026 - 26.07.2026
Kunstverein Göttingen
Markt 9, 37073 Göttingen
Presse
Kontext
Einordnung:Roy Köhnkes multimediale Praxis verortet sich an der traditionsreichen Schnittstelle von Kunst und Wissenschaft und überführt das historische Erbe anatomischer Studien à la Leonardo da Vinci in die Epoche der apparativen Diagnostik. Durch ein hybrides Gefüge aus roher Skulptur, projizierten MRT-Scans und der immersiven Soundinstallation des Klangkünstlers Unglee Izy dekonstruiert Köhnke den vermeintlich objektiven, medizinischen Blick auf die menschliche Physis. Mit der Betonung des imperfekten, zerfallenden „Fleisches“ positioniert sich seine Arbeit als dezidiert materielle Kritik an den körperlosen oder idealisierten Utopien des Transhumanismus, die im starken Kontrast zu den aalglatten Mensch-Maschine-Symbiosen eines Borrás NATORU stehen. Indem der Künstler den Raum durch medizintechnische Akustik und Bildgebung in ein phänomenologisches Environment verwandelt, macht er das Publikum selbst zum Teil eines erweiterten, techno-organischen Körpers und liefert einen hochaktuellen Beitrag zum Diskurs der Medical Humanities in der Gegenwartskunst.









