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Jac Leirner und Rafa Silvares. Double Two

21.03. - 23.05.2026 | 47m Contemporary, Leipzig

Eingabedatum: 19.03.2026

Werkabbildung
Jac Leirner, Hip Hop, 1998/2025, Adhesive tape on wall, Dimensions variable, Courtesy the artist and Esther Schipper, Berlin/Paris/Seoul Photo © CHROMA
Als Auftakt des Gastkurator*innenformates “47m invites” freut sich der Kunstverein 47m Contemporary, mit “Double Two” – kuratiert von Nuno de Brito Rocha – eine dialogische Ausstellung der Künstler*innen Jac Leirner (*1961, São Paulo, lebt und arbeitet in São Paulo) und Rafa Silvares (*1984, Santos, BR, lebt und arbeitet in Berlin) präsentieren zu dürfen.

Die Ausstellung versteht sich als Anknüpfung an eine fortlaufende Kollaboration beider Künstler*innen, deren individuellen Formsprache und Themen zu einer konzentrierten und dabei ortsspezifischen Gegenbefragung im 47m werden.

Jac Leirners Installationen “Hip Hop” (1998/2025) und “Street” (2026) dehnen sich zunächst vollumfassend in das horizontale Volumen der Ausstellungsräume aus. Dabei handelt es sich um eine für die Künstlerin charakteristische Installation, die aus herkömmlichen Verbrauchsmaterialien, wie Klebeband und Stickern, entsteht. Jedes Stück ist dabei individuelles Zeugnis einer globalisierten Alltagskultur, in welcher das Material als Basis für Warenzirkulation und Konsumpraktiken dient. In Referenzen an die Kunstgeschichte der Moderne sowie Methoden der Musik bindet “Hip Hop” den Raum als räumliche Partitur einzelner Sequenzen. Hierbei besetzt die für die Ausstellung neu konzipierte Arbeit “Street” (2026) den Kuppelsaal des Kunstvereins im Wünschmann-Haus. In Leirners installativer Praxis intervenieren Rafa Silvares Malereien: Trotz figürlicher Bildsprache bewegt sich sein Umgang mit Oberflächen, Raum und Farbe in einem nicht-repräsentativen, abstrakten Bereich. Seine Praxis thematisiert Rhythmen des urbanen Lebens und zeigt das Leblose in Bewegung.

Im Aufeinandertreffen der Positionen erzeugt “Double Two” eine Plattform für beide Künstler*innen, in welcher Themen und Ausdrucksweisen sich gegenseitig intensivieren, untergraben, kontrastieren, beeinflussen und letztlich einander befragend konfrontieren. Ihre Ortsspezifik aktiviert darüber hinaus historische Dimensionen des Ortes: Das Gebäude, das zwischen 1914 und 1917 als Haus Deutscher Handlungsgehilfen errichtet wurde, hatte im Lauf seiner Geschichte unterschiedliche Nutzungen, die sowohl mit Transport, Wirtschaft, der Zirkulation von Waren und Menschen als auch deren Enteignung verbunden waren. Dies sind wiederkehrende Motive beider Künstler*innen, die in unterschiedlicher Form in ihren Werken in Erscheinung treten.

21.03. - 23.05.2026

47m Contemporary

Karl-Liebknecht-Str. 12, 04107 Leipzig

https://47m.de

Presse

Kontext

Einordnung:
Die dialogische Ausstellung verortet sich an der Schnittstelle von installativem Post-Minimalismus und zeitgenössischer, abstrahierender Figuration. Jac Leirner überführt die Tradition des Readymades und der brasilianischen Neokonkretion in die Gegenwart, indem sie massenproduzierte, banale Konsumgüter zu raumgreifenden, seriellen Partituren anordnet und so globale Warenströme materialisiert. Dem gegenüber stehen Rafa Silvares' Malereien, die das Vokabular urbaner Rhythmik nutzen, um das Verhältnis von Objekt, Raum und Farbe in einer post-repräsentativen Ästhetik zu befragen und das Leblose zu dynamisieren. Im formalen Spannungsfeld zwischen Leirners physischer Akkumulation und Silvares' malerischer Abstraktion entsteht eine profunde Reflexion über spätkapitalistische Zirkulationsprozesse. Durch die konsequente Ortsspezifik im ehemals kaufmännisch genutzten Wünschmann-Haus wird dieser ästhetische Diskurs klug in eine übergeordnete, institutionell-historische Befragung von Wirtschaft, Logistik und Enteignungsstrukturen eingebettet.
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