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Daphne Wright. Memory and Presence

12.07.2026 - 18.10.2026 | Gerhard-Marcks-Haus, Bremen

Eingabedatum: 08.07.2026

Werkabbildung
Abb.: Courtesy Gerhard-Marcks-Haus
Das Gerhard-Marcks-Haus präsentiert die erste Einzelausstellung der irischen Bildhauerin Daphne Wright auf dem europäischen Festland. Zu den Motiven der Künstlerin gehören ihre beiden Söhne, die sie mehrfach in verschiedenen Altersphasen abformte. Auf der Schwelle zum Erwachsensein zeigt ihre neuste imposante Arbeit »Sons and Couch« (2025), einen lebensgroßen Abguss ihrer Kinder auf dem häuslichen Sofa. Die »Jungs« erscheinen wie herausgenommen aus dem Leben, eine intime Momentaufnahme, um eine flüchtige Erinnerung aus dem Alltagsleben zu konservieren. Die sichtbaren Spuren des langwierigen Herstellungsprozesses des Doppelporträts aus Jesmonite drängt den Eindruck eines potenziellen Hyperrealismus eindeutig zurück.

Wrights Werke kreisen um Vergänglichkeit, Zerbrechlichkeit sowie Lebensphasen zwischen Kindheit, Erwachsensein, Leben und Tod. Ziel ist es, ihr Publikum emotional tief zu berühren, die vorherrschenden Weißtöne verleihen den Arbeiten zusätzlich eine stille, melancholische Präsenz.

Die Ausstellung zeigt Werke aus allen Phasen ihres Œuvres (mit Leihgaben aus England und Irland), angefangen bei den frühen Installationen aus Gips und Alufolie bis hin zu neusten Arbeiten wie zum Beispiel »Dogs« aus ungebranntem Ton. Wright nutzt scheinbar gegensätzliche Methoden wie Modellierung und Abgüsse nach lebenden und toten Wesen nebeneinander und schafft dadurch in jedem einzelnen Werk einen unterschiedlichen Wirkungsgrad.

Daphne Wright wurde 1963 in Irland geboren und studierte am Sligo RTC College, dem National College of Art and Design in Dublin und am Newcastle-upon-Tyne Polytechnic. Die Bildhauerin lebt und arbeitet in Dublin. Ihre Werke sind in bedeutenden öffentlichen Sammlungen vertreten, darunter in der Gallery of Modern Art in Glasgow, dem IMMA/ Irish Museum of Modern Art in Dublin, dem Arts Council of England und der Kunsthalle Hamburg.

12.07.2026 - 18.10.2026
Gerhard-Marcks-Haus, Bremen

Am Wall 208, 28195 Bremen

https://marcks.de/

Presse

Kontext

Einordnung:
Daphne Wright positioniert sich innerhalb der zeitgenössischen figurativen Plastik an der Schnittstelle von intimer Erinnerungskultur und existenzieller Reflexion, eng verknüpft mit der kunsthistorischen Tradition des Memento mori. Durch Techniken wie den direkten Körperabguss („Life Casting“) monumentalisiert sie das flüchtige Alltägliche, verweigert sich jedoch bewusst der perfekten Illusion des zeitgenössischen Hyperrealismus (etwa eines Ron Mueck oder Duane Hanson). Die offengelegten Bearbeitungsspuren im Jesmonite sowie die Nutzung ephemerer Materialien wie ungebranntem Ton oder Alufolie verschränken die physische Fragilität des Materials konzeptuell mit der Vergänglichkeit des menschlichen und tierischen Lebens. Die Dominanz monochromer Weißtöne zitiert einerseits die klassische Gips- und Marmortradition, erzeugt hier jedoch eine geisterhafte, melancholische Entrücktheit. Indem Wright den handwerklichen Dualismus von freier Modellierung und Abformung – sowohl von lebenden als auch toten Körpern – aufgreift, verortet sie ihr Œuvre als tiefgründige materialästhetische Erforschung der Schwelle zwischen Leben, Stillstand und Verfall.
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