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Rosa Barba. Ausstellung zum Zurich Art Prize 2026

04.06. - 30.08.2026 | Museum Haus Konstruktiv, Zürich

Eingabedatum: 05.06.2026

Werkabbildung
Abb.: Rosa Barba, In a Perpetual Now, exhibition view, Neue Nationalgalerie, Berlin, 2021, courtesy the artist and Esther Schipper, Berlin, photo: Andrea Rossetti, © Rosa Barba / 2026, ProLitteris, Zurich
Der jährlich vom Museum Haus Konstruktiv gemeinsam mit der Zurich Insurance Company Ltd. vergebene Zurich Art Prize geht 2026 an Rosa Barba.

Die in Agrigent, Sizilien, geborene und heute in Deutschland lebende Künstlerin ist die 19. Preisträgerin der renommierten Auszeichnung. Der ab 2026 mit CHF 130‘000 dotierte Preis umfasst ein Budget von CHF 100‘000 für die Produktion einer Einzelausstellung im Museum Haus Konstruktiv sowie ein Preisgeld von CHF 30‘000.

Rosa Barbas künstlerisches Schaffen bewegt sich an der Schnittstelle von Film, Skulptur und Installation, wobei die Übergänge bewusst fliessend bleiben. Charakteristisch für ihr Schaffen ist die Verbindung von Kunst und Wissenschaft, die sich in ihren filmischen Arbeiten und in ihrer Auseinandersetzung mit Landschaften, mit technologischen Infrastrukturen und mit den Ökologien der Zukunft manifestiert. Immer wieder richtet Barba ihren Blick auf Orte, die von Geschichte, politischen Spannungen oder faszinierenden physikalischen Prozessen geprägt sind – Räume, in denen sich Vergangenheit, Gegenwart und Imagination überlagern.

Im Museum Haus Konstruktiv verwandelt Barba die Ausstellungsräume in ein vielschichtiges Setting aus Skulpturen, Filmen, eindringlichen Soundtracks und dem Sound der Projektoren.

Unterschiedlich belichtete und mit Licht projizierte Filmstreifen werden zu Linien im Raum, die Klang erzeugen oder sich mechanisch in Schleifen bewegen. Die Grenzen zwischen Bild, Objekt und Ton werden so aufgehoben.

Im Zentrum von Barbas Interesse steht der Film – jedoch nicht allein als bilderzeugendes Medium, sondern als offenes System, in dem sich Zeit, Raum und Bild immer wieder neu verschränken. Es geht nie nur um das bewegte Bild selbst, sondern ebenso um das kinetische Potenzial seiner Präsentation. Der Titel der Ausstellung, Thick Harmonies, verweist auf diese Vielschichtigkeit, die sich durch das gesamte Œuvre Rosa Barbas zieht: So legt sie in ihren Filmen Erzählstränge aus Dokumentation, Fiktion und Narration übereinander und verflicht auf der akustischen Ebene komponierte Soundtracks mit speziellen Klängen, etwa Field Recordings oder dem Sound der Filmskulpturen, die auf diese Weise zu Musikinstrumenten werden.

Wie eine Zeichnung im Raum zieht sich eine Konstruktion aus geschwungenen Stahlrohren durch die ersten beiden Ausstellungssäle. Sie bildet einen architektonischen Rahmen, dient als Tragestruktur für einige Werke und leitet die Besucher:innen durch die Präsentation. Die einzelnen Arbeiten folgen ihrem eigenen Rhythmus und fügen sich dennoch zu einem präzise inszenierten Ganzen zusammen, das Themen wie Licht, Sprache und Zeit verhandelt. Letztere versteht Barba dabei nicht als lineare Erzählung, sondern als Verdichtung von Ereignissen – als ein Archiv aus Spuren, Fragmenten und Wiederholungen, in dem sich Vergangenheit und Zukunft gegenseitig überschreiben.

Werke wie Off My Mind (2025), Composition in Field (2022) oder Language Infinity Sphere (2025) zeigen exemplarisch, wie Barba Sprache und Bewegung in sich ständig wandelnde Systeme überführt: Textfragmente, typografische Elemente oder poetische Zitate formieren sich fortwährend zu neuen Wortgefügen, die eindeutige Bedeutungen bewusst offenlassen.

Ein zentrales Werk der Ausstellung ist der 2025 realisierte 35-mm-Film Charge, der im vergangenen Jahr im Museum of Modern Art in New York Premiere feierte und im Museum Haus Konstruktiv erstmals in der Schweiz zu sehen ist. Ausgangspunkt des Films sind Recherchen am Observatoire Radioastronomique de Nançay sowie Aufnahmen in Solarparks, Physiklaboren und astronomischen Forschungsstätten, darunter auch an der ETH Zürich. In Charge untersucht Rosa Barba Licht als Energiequelle, als wissenschaftliches Phänomen und als Auslöser ökologischer Veränderungen. In ihren Aufnahmen hält sie vibrierende Oberflächen, flackernde Lichtfelder und andere Phänomene fest, die dem menschlichen Auge normalerweise verborgen bleiben.

Der Film entfaltet sich als rhythmisch-pulsierende Assemblage aus Naturaufnahmen, wissenschaftlichen Apparaturen, Radiowellen, planetarischen Bildwelten und Sternensphären, abstrakten Formen und optischen Effekten. Akustisch wird Charge von einer vielschichtigen Klanglandschaft getragen, die die den Film körperlich-sinnlich erfahrbar macht.

Rosa Barba studierte von 1995 bis 2000 an der Kunsthochschule für Medien in Köln. Es folgte eine zweijährige Residency an der Rijksakademie van Beeldende Kunsten, Amsterdam. Artist in Residence war die Künstlerin auch u. a. im Atelier Calder, Frankreich, an der Chinati Foundation in Marfa, Texas, und im Harvard Smithsonian, Cambridge.

Barba kann bereits auf zahlreiche internationale Einzelausstellungen zurückblicken, u. a. in folgenden Museen: The Museum of Modern Art, New York (2025); MALI Museo, Peru (2024); Museum Boijmans Van Beuningen, Rotterdam (2024); Centre Pompidou, Paris (2023); Tate Modern, London (2023); Neue Nationalgalerie, Berlin (2021/2022); Pirelli HangarBicocca, Mailand (2017); Museo Reina Sofia, Madrid (2017); Secession, Wien (2017); Schirn Kunsthalle, Frankfurt am Main (2016). Werke von Barba waren zudem im Rahmen der 53. und 56. Biennale von Venedig sowie der Performa Biennial (2013) zu erleben (Auswahl).

Rosa Barba ist seit 2023 Ordentliche Professorin für Kunst in Raum und Zeit am Departement Architektur der ETH Zürich.

04.06. - 30.08.2026
Museum Haus Konstruktiv

Limmatstrasse 268, 8005 Zürich

https://www.hauskonstruktiv.ch

Presse

Kontext

Einordnung:
Rosa Barbas Schaffen positioniert sich paradigmatisch in der Tradition des *Expanded Cinema*, indem sie das Medium Film aus der flachen Projektionsfläche befreit und in raumgreifende, multisensorische Installationen überführt. Durch die materiale Inszenierung von Projektoren, bewegten Filmstreifen und skulpturalen Raumzeichnungen knüpft sie an konstruktivistische Konzepte sowie an die Kinetische Kunst der 1960er-Jahre an und hebt die Grenzen zwischen Bild, Objekt und Ton auf. Gleichzeitig erweitert sie diesen formalästhetischen Rahmen um eine tiefgreifende medienarchäologische und ökologische Dimension: In der dokumentarisch-poetischen Verschmelzung von Kunst und Wissenschaft – etwa bei der Untersuchung astronomischer Infrastrukturen oder der Erforschung von Licht als Energiequelle – reflektiert Barba planetarische Prozesse im Zeitalter des Anthropozäns. Indem sie lineare Zeit- und Sprachkonzepte in ihren Arbeiten gezielt dekonstruiert, verwandelt sie ihre Ausstellungen in epistemologische Erfahrungsräume, in denen sich Technikgeschichte, physische Realität und spekulative Zukunft zu einer vielschichtigen Assemblage verdichten.
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