Ausstellungsansicht, Foto: Frederik Hüttemann // Cabinet Gold van d\'Vlies
Die Verschränkung von Sprache und Bild bestimmt unsere Vorstellung von der Welt. Eine zentrale Ebene für die Erfassung des Visuellen bildet z.B. seine Wiedergabe durch das Wort in Sprache und Schrift, in Beschreibung und Analyse. Umgekehrt wirken Worte ihrerseits auf die visuelle Erscheinung ein, indem sie innere Bilder entstehen lassen, denen die Künstler/innen Gestalt verleihen. Visuelle Erscheinung und Benennung/Beschreibung durchdringen sich demgemäß wechselseitig, wirken grundsätzlich aufeinander ein. Wie Jacques Rancière in Politik der Bilder ausführt, „ist das Bild nicht ausschließlich ein Element des Sichtbaren. (...) das allgemein bekannteste Regime der Bilder inszeniert die Beziehung zwischen dem Sagbaren und dem Sichtbaren, eine Beziehung, die gleichzeitig aus der Analogie und aus der Unähnlichkeit des Sagbaren und Sichtbaren besteht.“
Beyond Words nimmt dieses Thema auf und präsentiert zeitgenössische künstlerische Positionen, die sich auf unterschiedliche Weise der Wechselwirkung zwischen Sag- und Sichtbarem widmen: Positionen, die die visuellen Qualitäten der Worte herausarbeiten oder die (Welt) beschreibende Ebene, die sich hinter der Erscheinung eröffnet. Positionen, die aufzeigen, was jenseits der Worte liegt („beyond words“). Positionen auch, die die Diskrepanz hervorheben, die sich zwischen den beiden Bereichen, dem Sichtbaren und dem Gesagten/Geschriebenen, auftun mögen – zeichnen sich doch „visuelle Repräsentationen durch eine nur unvollkommene oder begrenzte sprachliche Beschreibbarkeit aus.“
Beispielhaft für die künstlerische Untersuchung solcher Zusammenhänge ist immer noch der amerikanische Konzeptkünstler Joseph Kosuth, der etwa 1965 in seinen One and three chairs einen Stuhl als realen Gegenstand, dessen fotografisches Abbild und seine schriftlich fixierte Beschreibung gleichberechtigt nebeneinander stellte: ein Ding in unterschiedlicher
Ausprägung, aber immer es selbst.
In Beyond Words dient eine weitere Größe amerikanischer Konzeptkunst als historische Referenz – Lawrence Weiner, dessen großer Schriftzug seit 1991 die Erscheinung der Außenfassade der GAK zur Weser hin prägt: „HAVING BEEN BUILT ON SAND / WITH ANOTHER BASE (BASIS) IN FACT // AUF SAND GEBAUT / TATSÄCHLICH (AUS) AUF ANDEREM GRUND“. Ein Wortspiel als Schriftbild, das einerseits seine lokale Position thematisiert – den sandigen Untergrund des GAK-Gebäudes –, im selben Moment aber einen Deutungshorizont für zeitgenössische Kunst als potentieller Halt von Gesellschaft eröffnet. Im Inneren der Institution gruppieren sich dagegen Arbeiten einer jüngeren künstlerischen Produktion.
Werke, die Bilder auf der Basis von Worten entstehen lassen (Jesse Ash, Ryan Gander, Jacob Dahl Jürgensen, Albrecht Schäfer, Mark Wallinger), Worte zu Bildern oder Skulpturen formen (Kajsa Dahlberg, Alexander Gutke, Kitty Kraus, Karolin Meunier), der Sprachlosigkeit ein Bild geben (Norbert Schwontkowski), der Art und Weise nachspüren, wie Worte Realität entstehen lassen können (Kathrin Sonntag) oder ein Hin- und Her zwischen den Ebenen von visueller Erscheinung und Sprache inszenieren (Saâdane Afif, Ruth Buchanan, Nina Beier und Marie Lund und Francesco Pedraglio, Cabinet Gold van d’Vlies). Gelegentlich dienen linguistische Theorien, fiktive wie existente, den Künstler/innen als Ausgangspunkt (Gander, Dahl Jürgensen und Meunier). Einige der Arbeiten sind in direkter Auseinandersetzung mit den Räumen der GAK und dem Thema der Ausstellung entstanden (Ash, Schwontkowski, Cabinet Gold van d’Vlies).
Die Ausstellung wird von einem vielfältigen Programm in Führungen, Vorträgen, Performances und Filmscreenings begleitet.
Saâdane Afif, Jesse Ash, Nina Beier und Marie Lund und Francesco Pedraglio, Ruth Buchanan, Cabinet Gold van d’Vlies, Kajsa Dahlberg, Jacob Dahl Jürgensen, Ryan Gander, Alexander Gutke, Kitty Kraus, Karolin Meunier, Albrecht Schäfer, Norbert Schwontkowski, Kathrin Sonntag, Mark Wallinger, Lawrence Weiner
ÖFFNUNGSZEITEN
Di-So 11-18 Uhr, Do bis 21 Uhr, Mo geschlossen
GAK GESELLSCHAFT FÜR AKTUELLE KUNST
http://gak-bremen.de
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