Wie können Kunstwerke im digitalen Raum in ihrer einzigartigen Qualität vermittelt werden? Diese Frage hat besonders in Zeiten der Corona-Pandemie neue Aktualität erfahren und steht im Mittelpunkt des Projektes »Vom Werk zum Display«. Das Kunstmuseum Stuttgart und die Kunsthalle Mannheim erforschen seit Februar 2020 gemeinsam Wege, um für 32 aus-gewählte Kunstwerke aus den Sammlungen beider Häuser ein innovatives maßgeschneidertes Vermittlungsformat zu schaffen. Möglich ist dieses auf vier Jahre angelegte Vorhaben durch eine Förderung aus dem Fonds Digital der Kulturstiftung des Bundes. Nun befindet sich das Projekt mitten in der ersten Umsetzungsphase.
Für jedes der ausgesuchten Werke – darunter Objekte aus dem 19. Jahrhundert bis hin zu zeitgenössischen Arbeiten – wird aktuell eine individuelle digitale Präsentationsform entwickelt. Darauf folgt die technische Umsetzung. An diesem kreativen Prozess wie auch an seiner Steuerung sind Mitarbeiter:innen aus den verschiedenen Abteilungen beider Museen beteiligt – von den Kommunikations- und Kunstvermittlungsteams über die wissenschaftlichen Mitarbeiter:innen bis hin zu den Verwaltungen. Seit September 2020 besteht eine Zusammenarbeit mit der in Wien ansässigen Fluxguide Ausstellungssysteme GmbH. Die momentanen Beschränkungen im Zuge der Corona-Pandemie stellen auch für das Projekt eine Herausforderung dar: So finden, anders als geplant, die Diskussionen um das einzelne Werk nicht vor dem jeweiligen Original statt. Der Gedankenaustausch zwischen den Beteiligten aus Stuttgart, Wien und Mannheim beschränkt sich ausschließlich auf Online-Konferenzen.
Schon in der jetzigen Phase entstehen Ideen, die auf ein vielfältiges Angebot auf dem Gebiet der digitalen Kunstvermittlung blicken lassen. Wilhelm Leibls Gemälde »Die rechte Hand aus dem Langbehn-Bildnis« von 1877 aus der Sammlung der Kunsthalle Mannheim wird etwa in eine Anwendung übersetzt, bei der die Nutzer:innen die detailliert porträtierte Handhaltung des Kunstkritikers Langbehn selbst nachstellen und entdecken können. Im sogenannten »Hand-O-Mat« kann das Foto der eigenen Geste zur Bildersuche ähnlicher Handhaltungen in der Kunstgeschichte genutzt werden. Dafür steht eine Datenbank aus den Sammlungsbeständen beider Museen und darüber hinaus zur Verfügung.
So einzigartig die 32 Kunstwerke sind, für die im Rahmen des Projekts digitale Vermittlungswege gefunden werden, so außergewöhnlich sind die Lösungsideen. Bei »Equalizer [Sound Graphs]«, ein im Kunstmuseum Stuttgart befindliches Gemälde von Sarah Morris aus dem Jahr 2017, wird der Entstehungsprozess hinter dem Werk vermittelt. Die digitale Vermittlungsstrategie korrespondiert mit dem Titel, indem neue Ebenen über das Visuelle hinaus enthüllt werden. Die Nutzer:innen sind dabei aktiv zum Hören, Sprechen und Komponieren eingeladen. Die digitale Transformation einzelner Bildelemente bietet ihnen die Möglichkeit, den künstlerischen Prozess selbst nachzuahmen, indem sie eine eigene Sprachaufnahme vornehmen, anhand derer sie ihr »Equalizerwerk« erschaffen können. Das Gemälde wird somit für die Nutzer:innen zum virtuellen Instrument.
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