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Eliane Rutishauser. Manchmal spreche ich mit mir selbst – und dann lachen wir beide

15.08. - 04.10.2026 | Vebikus Kunsthalle Schaffhausen

Eingabedatum: 08.08.2026

Werkabbildung
Abb.: Eliane Rutishauser Topographies Foto E_Rutishauser
Die Arbeiten von Eliane Rutishauser entziehen sich der schnellen Festlegung und eröffnen einen Zwischenraum, in dem Identität nicht als fertige Kategorie erscheint, sondern als Erfahrung: Beweglich, unabschliessbar, verhandelbar. Rutishauser befragt das fotografische Bild und die Repräsentation des Körpers: Sie ist zugleich Subjekt und Objekt, Künstlerin und Modell. Aus dieser „Zweigeteiltheit“ entsteht eine produktive Spannung: Der Körper wird nicht als stabile Oberfläche verhandelt, sondern als performatives Geschehen, in dem sich soziale Erwartungen, Sichtbarkeit und Schutzräume überlagern.

Dabei wird auch das Verhältnis von Repräsentation und sozialem Verhalten sichtbar: Der Körper zeigt nicht nur an, „wer“ man ist, sondern wirkt in Interaktionen - gelesen, bewertet, erwartet. Die Freude am Bildprozess, dem „Bilder erfinden“ und der Umgang mit dem Zufall geben dem Bild eine alternative Autorität. So kippt Vertrautes ins Ungesehene und lässt Identität sowie Repräsentation als offene Fragen bestehen.

Eva Dietrich schreibt zu den Topographies; „Eliane Rutishauser arbeitet seit den 1990er-Jahren als Fotografin, mit Installation und Video und sich selbst als Protagonistin. … Sie verkehrt die Strategien provokativer Selbstdarstellung durch Distanzierungsmomente in ihr Gegenteil. Kleidungsstücke mit Mustern der Siebziger, gedehnt und verzerrt zu topographischen Beschreibungen ihres Leibes, der zur Landschaft mutiert und sich in unterschiedlichen Raumvolumen artikuliert. An die Stelle von Attitüden treten Volumen, anstelle von Gesten schauen nicht mehr erkennbare Gliedmassen unter dem Stoff hervor. … Eliane Rutishauser formt ihren Körper zu eigenständigen Skulpturen. Die Verhüllung befreit den Körper vom allzu Autobiografischen, ohne ihn von der Umgebung zu isolieren.“

In der Fotogrammarbeit Easy Poses, stelle ich die Posen der weiblichen Modelle von meist ikonischen Malereien, Fotografien und Skulpturen nach. Dabei befrage ich die Hierarchie von Bildautor und Modell. Der Titel Easy Poses wirkt wie eine Behauptung von Leichtigkeit. Die Technik des Fotogramms selbst ist zwar nicht komplex, doch gerade scheinbar einfache Verfahren verlangen Zeit, Erfahrung und ein Lernen im Prozess: Man muss den Ablauf beherrschen und zugleich dem Material Raum geben, damit sich auch Neues und Unvorhersehbares entfalten kann. Eine bereits existierende Pose einzunehmen bedeutet, sie zu verkörpern. Haltung und Gestik zu verinnerlichen; aber auch, sie neu zu definieren. Bei der Herstellung von Fotogrammen arbeite ich grundsätzlich allein, dadurch fallen die Rollen von Künstlerin und Modell in meiner Person zusammen. Während des Prozesses interagiere ich aktiv und in beiden Funktionen mit dem fotografischen Material: Der Körper, die Bewegung, das Licht, der Kontakt mit dem Fotopapier, das Material und die chemische Reaktion. Körperlichkeit wird dabei nicht abgebildet, sondern im Zusammenspiel erst hervorgebracht.

Während der Ausstellung findet eine Performance-Serie statt, die Eliane Rutishauser zusammen mit Barbara Naegelin entwickelte. Unter dem Titel: Der Nebel bleibt stabil, zeigen die beiden eine Serie von Performances.

Der Nebel bleibt stabil

Barbara Naegelin und Eliane Rutishauser werden an drei Abenden und mit unterschiedlichsten Methoden versuchen, den sie umgebenden Nebel aufzulösen. Dabei werden sie jedoch von ständig neu auftretenden Fragen aufgehalten. Verwirrung ersetzt Verwirrung. Das Diffuse ist nicht das Problem. Es ist das Material. Es wird zur Leinwand und zum eigentlichen Stoff. Die Performances setzen sich aus drei Episoden zusammen.

Zeitgleich werden die beiden Ausstellungen eröffnet:
- Mirja Busch: Nur ein Bruchteil des Regens
- Roland Hotz: Singende Knochen


15.08. - 04.10.2026
Vebikus Kunsthalle Schaffhausen

Baumgartenstrasse 19, 8200 Schaffhausen

https://www.vebikus-kunsthalle-schaffhausen.ch/

Presse

Kontext

Einordnung:
Eliane Rutishausers Œuvre verortet sich in der Tradition der feministischen Body Art und der performativen Fotografie. Indem sie als Autorin und Modell zugleich agiert, dekonstruiert sie den traditionell dominierenden Blick und die historische Hierarchie zwischen Bildschöpfer und passiver Muse, was an Positionen wie Cindy Sherman oder Valie Export erinnert. In den *Topographies* knüpft sie durch Verhüllung und Verzerrung an surreale Formensprachen und die performative Skulptur (etwa eines Erwin Wurm) an, um den Körper zur entindividualisierten Landschaft zu transformieren. Mit den *Easy Poses* greift sie die kameralose Technik des Fotogramms der klassischen Avantgarde (Man Ray, Moholy-Nagy) auf, nutzt diese jedoch im Sinne der Appropriation Art subversiv zur direkten, physischen Aneignung ikonischer Posen. Die kollaborative Performance mit Barbara Naegelin erweitert diesen Ansatz um eine ephemere, prozesshafte Dimension der Fluxus-Tradition, die abschließend verdeutlicht: Identität und Repräsentation sind hier keine statischen Setzungen, sondern fluide, unabgeschlossene Verhandlungsräume.
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