Logo art-in.de

Christ Mukenge und Lydia Schellhammer. Elima – NoBody

14.08. - 01.11.2026 | Kunsthalle Gießen

Eingabedatum: 05.08.2026

Werkabbildung
Abb.: Mukenge/Schellhammer, Receive, My Love, acrylic on canvas, 50 × 60 cm, 2026. Courtesy the artists and Galerie Barbara Thumm, Berlin.
Mit Elima – NoBody präsentiert das transnationale Künstler:innen-Duo Christ Mukenge und Lydia Schellhammer in der KUNSTHALLE GIESSEN eine Ausstellung, die Fragen von Autor:innenschaft, Körperlichkeit und kollektiver Existenz in den Mittelpunkt stellt. Die Arbeiten bewegen sich an der Schnittstelle von Installation, performativer Praxis und konzeptueller Forschung und entwickeln eine künstlerische Sprache, die sich bewusst von einer individualisierten Urheberschaft entfernt. Im Mittelpunkt steht das DUO: eine autonome künstlerische Entität, die weder Christ Mukenge noch Lydia Schellhammer allein repräsentiert, sondern als eigenständige Instanz spricht, handelt und künstlerische Entscheidungen hervorbringt.

Bereits in dem bewusst zweisprachig gewählten Titel der Ausstellung, spiegeln sich verschiedene transkulturelle Bedeutungsebenen wider. Der aus der Bantusprache Lingala stammende Begriff Elima ist in der präkolonialen Zeit durchweg positiv konnotiert und bewegt sich zwischen den Begriffen Wissen, Bildung, Weisheit und Bewusstsein. Elima bezeichnet nicht nur das Ansammeln von Informationen, sondern ein reflektiertes, verantwortliches und oft gemeinschaftlich verankertes Verstehen. Erst mit Einzug des Kolonialismus gegen Ende des 19.Jahrhunderts veränderte sich sukzessive die Bedeutung und Elima generierte zum Synonym für einen bösen Geist oder negative Energie, die mitunter bis heute in der Demokratischen Republik Kongo Gültigkeit hat. Die Geschichte des Begriffs macht deutlich, wie Sprache von historischen Machtverhältnissen geprägt wird und wie sich kulturelle Bedeutungen unter kolonialen Bedingungen verändern.

Ähnlich verhält es sich mit dem englischen Begriff Nobody, der zunächst schlicht mit „niemand“ übersetzt werden kann. Gleichzeitig verweist der Titel auf den Körper (Body), in dem bewusst die Schreibweise NoBody verwendet wird. Zwischen Abwesenheit und Körperlichkeit entsteht ein Spannungsfeld, das die Ausstellung durchzieht. „Nobody“ bezeichnet nicht nur das Fehlen einer Person, sondern eröffnet die Möglichkeit, sich festgelegten Zuschreibungen zu entziehen. Das „Niemand“-Sein wird nicht als Verlust verstanden, sondern wird zum Ausgangspunkt einer Ermächtigung. Dies ermöglicht Handlungsspielräume jenseits gesellschaftlicher Erwartungen. Ausgehend von diesen beiden Begriffen untersucht Elima – NoBody, wie Identität entsteht und Autor:innenschaft zugeschrieben wird. Ausgangspunkt dieser Überlegungen ist eine Frage des kongolesischen Theoretikers Valentin-Yves Mudimbe: „Aber ist es möglich, sich ein Kunstwerk ohne Schöpfer:in vorzustellen, ohne ein:e Künstler:in, der/die es geschaffen hat?“ Diese Frage bildet den Ausgangspunkt einer künstlerischen Praxis, die etablierte Vorstellungen und Kategorien von Malerei, Werk und Autor:innenschaft überwindet und hinterfragt.

14.08.2026 - 01.11.2026
Kunsthalle Gießen

Berliner Platz 1, 35390 Gießen

https://kunsthalle-giessen.de/

Presse

Kontext

Einordnung:
Das transnationale Duo Mukenge/Schellhammer verortet sich mit seiner Praxis in der Tradition der radikalen Subjektkritik, indem es den westlich geprägten Mythos des singulären Künstlergenies zugunsten einer kollektiven, autonomen Entität dekonstruiert. Ihre interdisziplinäre Methodik an der Schnittstelle von Installation, Performance und konzeptueller Forschung knüpft theoretisch an Roland Barthes’ „Tod des Autors“ an und löst die klassischen Gattungsgrenzen des modernistischen Werkbegriffs auf. Thematisch reiht sich die Ausstellung tief in den Diskurs der dekolonialen Ästhetik und postkolonialen Theorie ein. Die linguistische Archäologie des historisch umgedeuteten Begriffs *Elima* sowie die Referenz auf den Philosophen Valentin-Yves Mudimbe dienen als Werkzeuge, um koloniale Machtstrukturen innerhalb der Wissensproduktion offenzulegen. Durch das konzeptuelle Ausloten von körperlicher Abstraktion und Präsenz (*NoBody*) formulieren die Kunstschaffenden einen emanzipatorischen Gegenentwurf zu eurozentrischen Identitätszuschreibungen.
Supported by AI

Kataloge/Medien zum Thema: Gruppenausstellung


Gruppenausstellung:

- sind Gruppenausstellungen