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Bárbara Wagner & Benjamin de Burca: THE TUNNELS WE DIG

29.01.2026 - 26.04.2026 | Schirn Kunsthalle Frankfurt, Frankfurt am Main

Eingabedatum: 19.01.2026

Werkabbildung
© Courtesy of the artists and Fortes, D’Aloia & Gabriel, São Paulo/Rio de Janeiro
Die Schirn Kunsthalle Frankfurt präsentiert vom 29. Januar bis 26. April 2026 die erste große Einzelausstellung von Bárbara Wagner (*1980) & Benjamin de Burca (*1975) in Deutschland. Seit über einem Jahrzehnt realisiert das in Brasilien lebende Künstler*innenduo gemeinsam Videoarbeiten und -installationen stets im Dialog mit anderen Künstler*innen und Kollektiven. In ihren kollaborativen Filmen konzentrieren sich Wagner & de Burca vor allem auf kulturelle Bewegungen und kollektive Praktiken, die außerhalb der etablierten Kreise zeitgenössischer Kunst stattfinden.

Die Schau verbindet drei audiovisuelle Arbeiten, die in unterschiedlichen Kontexten entstanden: Future of Yesterday (Deutschland, 2026), RISE (Kanada, 2018) und Estás vendo coisas / You are seeing things (Brasilien, 2016). Porträtiert werden lokal geprägte, multigenerationelle Musikszenen, die jeweils in den frühen 1980er-Jahren als Jugendbewegungen abseits des Mainstreams entstanden, eigenständige kulturelle oder musikalische Strukturen und Referenzsysteme hervorbrachten und heute von einer jüngeren Generation neu interpretiert werden.

Im Mittelpunkt der Ausstellung steht die eigens entwickelte Neuproduktion Future of Yesterday (2026). Diese Videoinstallation widmet sich der aktuellen Hardcore-Szene und insbesondere Straight Edge (kurz „sXe“) in Deutschland – einer Bewegung, die an der Ostküste der USA als „cleane“ Gegenkultur innerhalb des Hardcore-Punks begann. In RISE (2018) geht es um Kanadier*innen der ersten und zweiten Generation afrokaribischer Herkunft. In einem Akt der Selbstermächtigung nehmen sie mit Elementen des Hip-Hop und Rap den öffentlichen Raum der U-Bahn in Toronto künstlerisch ein. Eine der ersten Arbeiten von Wagner & de Burca Estás vendo coisas / You are seeing things (2016) untersucht die Brega-Musik aus Recife im Nordosten Brasiliens.

Bezeichnend für den künstlerischen Prozess von Wagner & de Burca ist die kollaborative Zusammenarbeit: Die porträtierten Gruppen sind aktiv an der Gestaltung von Skript, Bühnenbild, Musik, Choreografie und Inszenierung beteiligt. Wagner & de Burcas audiovisuelle Arbeiten thematisieren eindrucksvoll jeweils drängende soziopolitische Anliegen in den Gemeinschaften der Darsteller*innen; sie greifen kulturelle Ausdrucksformen auf, mit denen diese sich identifizieren und ihre öffentliche Stimme finden. Der Ausstellungstitel ist einem Gedicht aus dem Film RISE entnommen. In den gezeigten Arbeiten wird der Tunnel als physische Struktur im urbanen Raum inszeniert und dient zugleich als Metapher für transformative Prozesse des kulturellen Widerstands, der Aushandlung von Identität und des künstlerischen Ausdrucks.

Die Ausstellung „Bárbara Wagner & Benjamin de Burca. The Tunnels We Dig“ wird gefördert durch die Kulturstiftung des Bundes. Gefördert durch den Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien. Zusätzliche Unterstützung durch die Schirn Zeitgenossen.



BÁRBARA WAGNER & BENJAMIN DE BURCA

Bárbara Wagner (*1980, Brasília, Brasilien) absolvierte ein Journalistikstudium an der Universidade Federal de Pernambuco in Recife und ein Masterstudium in Bildender Kunst am Dutch Art Institute, Arnheim (Niederlande). Benjamin de Burca (*1975, München, Deutschland) studierte Environmental Art an der Glasgow School of Art (Schottland) und erwarb seinen Master of Fine Arts an der Ulster University in Belfast (Nordirland).

Seit 2011 kombinieren Wagner & de Burca in ihren gemeinsamen Videoarbeiten und -installationen direkte Beobachtung mit kollektivem Scripting und kollaborativer Inszenierung vor der Kamera. Ihre Werke wurden in zahlreichen Einzel- und Gruppenausstellungen gezeigt u.a. bei internationalen Kunstausstellungen wie der 32. São Paulo Biennale (2016), der 5. Skulptur Projekte, Münster (2017), dem Brasilianischen Pavillon der 58. Venedig Biennale (2019) und der 13. Manifesta, Marseille (2020). Bei den Internationalen Filmfestspielen Berlin (Berlinale) war das Duo mit den Arbeiten One hundred steps (2021), RISE (2019), Terremoto Santo / HolyTremor (2017) und Estás vendo coisas / You are seeing things (2017) vertreten. Für One hundred steps (2021) wurden Wagner & de Burca gemeinsam mit Michel Balagué mit dem Deutschen Kurzfilmpreis ausgezeichnet, für RISE (2019) erhielten sie den Audi Short Film Award der 69. Berlinale.

29.01.2026 - 26.04.2026
Schirn Kunsthalle Frankfurt, Frankfurt am Main

Gabriel-Riesser-Weg 3, 60325 Frankfurt am Main

https://www.schirn.de/

Presse

Kontext

Einordnung:
Das Werk von Bárbara Wagner und Benjamin de Burca situiert sich an der Schnittstelle von dokumentarischer Beobachtung und inszenierter Performance, wobei die Methode des „kollektiven Scripting“ die klassische Autorenrolle zugunsten einer partizipativen Ästhetik auflöst. In der Tradition des „Ethnographic Turn“ untersuchen sie subkulturelle Phänomene wie die Hardcore-Szene oder afrokaribische Musik nicht als isolierte Objekte, sondern als dynamische Prozesse der Selbstermächtigung. Durch die Verschränkung von populärkulturellen Ausdrucksformen mit den Strategien zeitgenössischer Videokunst fordern sie etablierte Hierarchien des Kunstbetriebs heraus und rücken marginalisierte Identitätsdiskurse ins Zentrum. Die Metapher des Tunnels fungiert dabei als heterotopischer Raum des kulturellen Widerstands, in dem transformative Verhandlungsprozesse zwischen globalen Strömungen und lokalen Referenzsystemen sichtbar werden.
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Kataloge/Medien zum Thema: Bárbara Wagner & Benjamin de Burca


Bárbara Wagner & Benjamin de Burca:

- art basel Paris 2025
- artbasel2021
- Artsy List 2019
- Biennale Venedig 2019 Pav
- Kunstverein Münster 2017
- Skulptur Projekte Münster 2017