Charles Ray
22.08.2026 - 03.01.2027 | Museum Fridericianum, Kassel
Eingabedatum: 20.08.2026

Ray wurde 1953 in Chicago geboren und lebt seit 1981 in Los Angeles. Seit über fünf Jahrzehnten arbeitet und experimentiert er in vielfältigen Disziplinen, wobei die Skulptur den Mittelpunkt seiner künstlerischen Praxis bildet. Seine Arbeiten haben das Möglichkeitsspektrum der Bildhauerei als Kunstgattung auf vielfältige Weise erweitert: einerseits durch konzeptionelle Schritte, andererseits durch Nutzung innovativer handwerklicher wie auch komplexer maschineller Fertigungsverfahren. Als Künstler lotet Ray skulpturale Struktur, Proportion, Dimension, Raum und Masse aus. Gleichzeitig reflektieren seine Werke das gesellschaftliche Leben, die Konsum - und Medienkultur sowie grundlegende Fragen menschlicher Existenz.
Anstatt einen retrospektiven Überblick über sein Werk zu bieten, hat Ray eine Ausstellung konzipiert, die gezielt auf seine historische Beziehung zum Ausstellungsort eingeht. Das früheste Werk der Ausstellung ist die Gruppenskulptur Oh! Charley, Charley, Charley…, die Ray 1992 für die documenta 9 schuf und die in der Beletage des Fridericianum gezeigt wurde. Auf diese Gruppenskulptur, die den Künstler selbst in achtfacher Ausführung bei einer Orgie zeigt, konzentriert sich der Aufbau der aktuellen Ausstellung. Ray kehrt zu diesem Werk zurück, wie ein Überlebender zu einem traumatischen Ereignis der Vergangenheit zurückkehren würde. Er glaubt, dass Kunst, wenn sie den Zeitgeist überdauern soll, in voller Blüte zu ihrer Zeit geboren werden muss. Vielleicht ist es das, was Ray als traumatischen Anfang bezeichnet. Er überlässt es den Betrachtenden, die Sexualität der Skulptur zu übersehen und sie eher philosophisch zu betrachten. Ray sieht Oh! Charley, Charley, Charley… als die Kehrseite von Constantin Brâncuşis Der Kuss (1907/08). Bei Brâncuşi (1887 –1957) verschmelzen Zwei zu Einem durch die Struktur der Skulptur. Wie Ray erklärt, gibt es in seiner Skulptur hingegen keinen Anderen: „Die Person, die du liebst, ist eine Projektion deiner selbst.“ Vielleicht verwässere die Anordnung mehrerer Figuren die Idee des Narzissmus und vermittle diese Idee als eine psychologische oder philosophische Explosion.
Obwohl die Skulptur mit derselben Technik gefertigt ist, die Ray für seine Schaufensterpuppen - Skulpturen in den frühen 1990er Jahren entwickelt hatte, stellt sie dennoch eine pop-figurative Mischform und ein Produkt eines bestimmten kulturellen Milieus dar. Dieser Durchbruch in die Welt der figurativen Skulptur markierte für Ray einen entscheidenden Wendepunkt in seinem Œuvre. Die acht miteinander kopulierenden Glasfaserabgüsse seines eigenen Körpers kehren letztlich zu der Frage nach der Beziehung des Individuums zu seinem eigenen Körper und seinem zeitlichen Selbst zurück.
Anstatt einen retrospektiven Überblick über sein Werk zu bieten, hat Ray eine Ausstellung konzipiert, die gezielt auf seine historische Beziehung zum Ausstellungsort eingeht. Das früheste Werk der Ausstellung ist die Gruppenskulptur Oh! Charley, Charley, Charley…, die Ray 1992 für die documenta 9 schuf und die in der Beletage des Fridericianum gezeigt wurde. Auf diese Gruppenskulptur, die den Künstler selbst in achtfacher Ausführung bei einer Orgie zeigt, konzentriert sich der Aufbau der aktuellen Ausstellung. Ray kehrt zu diesem Werk zurück, wie ein Überlebender zu einem traumatischen Ereignis der Vergangenheit zurückkehren würde. Er glaubt, dass Kunst, wenn sie den Zeitgeist überdauern soll, in voller Blüte zu ihrer Zeit geboren werden muss. Vielleicht ist es das, was Ray als traumatischen Anfang bezeichnet. Er überlässt es den Betrachtenden, die Sexualität der Skulptur zu übersehen und sie eher philosophisch zu betrachten. Ray sieht Oh! Charley, Charley, Charley… als die Kehrseite von Constantin Brâncuşis Der Kuss (1907/08). Bei Brâncuşi (1887 –1957) verschmelzen Zwei zu Einem durch die Struktur der Skulptur. Wie Ray erklärt, gibt es in seiner Skulptur hingegen keinen Anderen: „Die Person, die du liebst, ist eine Projektion deiner selbst.“ Vielleicht verwässere die Anordnung mehrerer Figuren die Idee des Narzissmus und vermittle diese Idee als eine psychologische oder philosophische Explosion.
Obwohl die Skulptur mit derselben Technik gefertigt ist, die Ray für seine Schaufensterpuppen - Skulpturen in den frühen 1990er Jahren entwickelt hatte, stellt sie dennoch eine pop-figurative Mischform und ein Produkt eines bestimmten kulturellen Milieus dar. Dieser Durchbruch in die Welt der figurativen Skulptur markierte für Ray einen entscheidenden Wendepunkt in seinem Œuvre. Die acht miteinander kopulierenden Glasfaserabgüsse seines eigenen Körpers kehren letztlich zu der Frage nach der Beziehung des Individuums zu seinem eigenen Körper und seinem zeitlichen Selbst zurück.
22.08.2026 - 03.01.2027
Museum Fridericianum
Friedrichsplatz 18, 34117 Kassel
Presse
Kontext
Einordnung:Charles Rays skulpturales Œuvre verortet sich an der Schnittstelle von Postmoderne und zeitgenössischer Konzeptkunst, indem es klassische formale Parameter der Bildhauerei mit den materialästhetischen Mitteln der Pop-Art und Konsumkultur – wie etwa industriellen Fiberglasabgüssen – verschränkt. Mit seinem pop-figurativen Schlüsselwerk *Oh! Charley, Charley, Charley…* (1992) vollzieht Ray einen paradigmatischen Bruch mit der klassischen Moderne: Während Constantin Brâncuşis *Der Kuss* (1907/08) noch die skulpturale und spirituelle Verschmelzung zweier Individuen zu einer idealisierten Einheit beschwört, dekonstruiert Ray diesen romantischen Topos durch absolute Selbstbezüglichkeit. Die serielle Multiplikation des eigenen, schaufensterpuppenhaften Körpers negiert die Existenz eines „Anderen“ und überführt das Konzept der physischen Vereinigung in eine philosophische Reflexion über Narzissmus und Isolation. Rays innovative Nutzung industrieller und maschineller Fertigungstechniken avanciert so zu einem präzisen Instrumentarium, um existenzielle Fragen der psychologischen Selbstwahrnehmung, der körperlichen Identität und der Vergänglichkeit im Spiegel einer spätkapitalistischen Mediengesellschaft zu verhandeln.



