Logo art-in.de

Kaari Upson. Dollhouse – Eine Retrospektive

13.02. - 31.05.2026 | Kunsthalle Mannheim

Eingabedatum: 05.02.2026

Werkabbildung
Who’s Afraid of Red, Yellow and Blue, 2014, Private collection, Photo: Natasha Polymeropoulos. © Kaari Upson, Esmé Trust / Kaari Upson Trust.
Die amerikanische Künstlerin Kaari Upson (1970 – 2021) zählte zu den prominentesten Stimmen ihrer Generation. In ihren Skulpturen Installationen, Videos und Zeichnungen befragt sie die Grenzen von Erinnerung, Identität und gesellschaftlicher Realität und verwandelt dabei persönliche biografische Erfahrungen aus ihrer kalifornischen Heimat in universelle menschliche Geschichten.

Internationale Aufmerksamkeit erhielt Upson durch ihre Teilnahme an der Biennale di Venezia im Jahr 2019. Auch die Kunsthalle Mannheim hat ihr Werk bereits gewürdigt: 2020 zeigte sie erstmals Arbeiten der Künstlerin und erwarb das Werk „Mother’s Legs“ für die Sammlung. Nun folgt die erste große museale Retrospektive in Deutschland, die zu einer intensiven Begegnung mit einer Künstlerin einlädt, deren Werk uns auch nach ihrem frühen Tod berührt, verstört und fasziniert.

Zu den Höhepunkten der Ausstellung gehören die Installation „THERE IS NO SUCH THING AS OUTSIDE“, ein überlebensgroßes Puppenhaus und die erstmals gezeigten Werke aus Upsons letzter Serie „Foot Face“.

DOLLHOUSE – GEHEIMNISSE IN GROSSER MINIATUR

In „THERE IS NO SUCH THING AS OUTSIDE ” entzieht Upson dem vertrauten Puppenhaus seine kindliche Unschuld und verwandelt es in ein Geflecht aus Erinnerung und psychologischer Projektion. Ausgangspunkt ist eine großformatige Rekonstruktion eines Puppenhauses, das über Generationen in ihrer Familie vererbt wurde – ein begehbares Modell, in dem Upson selbst zur Figur wird. Im Innenraum erschafft sie so eine neue Dimension, in der sich Spiel und Realität, Schutzraum und Bedrohung überlagern.

Was einst Zuflucht bot, wird zur Bühne innerer Konflikte – zur architektonischen Metapher eines Lebens, in dem sich Innen und Außen vermischen. Upson zeigt somit, wie persönliche Erfahrungen sich in Räume und Materialien einschreiben. Ihre Vorgehensweise wirkt zugleich manisch und analytisch präzise: Schicht um Schicht legt sie die psychologischen Sedimente des Verborgenen frei. So wird das Puppenhaus zum Sinnbild ihrer Praxis – dem Versuch, das Innere sichtbar zu machen, ohne sein Rätsel zu lösen.

LARRY – EINE ANATOMIE DES VERLORENEN

Vom Eindringen in ein fremdes Haus bis zur Erkundung der verlassenen Straßen ihrer Heimat entfaltet Kaari Upson ein vielschichtiges Porträt von Begehren und Verfall. Ausgangspunkt ist die reale und zugleich imaginierte Figur „Larry”, ein Nachbar aus Upsons Kindheit, dessen leeres Haus sie heimlich betritt, erforscht und dokumentiert. Mit einem fast besessenen, analytischen Blick rekonstruiert sie aus Spuren und Objekten ein psychologisches Puzzle zwischen Realität und Fiktion. Dabei hebt sie die Grenze zwischen Erlaubtem und Verbotenem auf. Larry wird weniger zur Person als zu einem Alter Ego – eine Projektionsfläche, an der das Selbst und das Fremde aufeinandertreffen.

In der Folge weitet Upson ihren Blick vom Privaten in Larrys Haus hin zum Öffentlichen ihrer Heimatstadt San Bernardino, einer eher heruntergekommenen Stadt vor den Toren von Los Angeles. Sie richtet ihre Aufmerksamkeit auf verlassene Orte und die weggeworfenen Sofas und Matratzen am Straßenrand, die sie auch in der Umgebung ihres Ateliers in Los Angeles findet. Aus diesen Überresten formt sie Abgüsse aus Latex und Urethan – blinde Malereien des Verdrängten, Abbilder von Anwesenheit durch Abwesenheit. Hier wird der obsessive Blick zu einer gesellschaftlichen Untersuchung.

13.02. - 31.05.2026

Kunsthalle Mannheim

Friedrichsplatz 4, 68165 Mannheim

https://www.kuma.art

Presse

Kontext

Einordnung:
Kaari Upson verortet ihr Werk in der Tradition des Post-Minimalismus und der „Abject Art“, wobei sie Materialien wie Latex und Urethan nutzt, um Spuren von Abwesenheit und Verfall physisch erfahrbar zu machen. Ihre Praxis der obsessiven Rekonstruktion – vom familiären Puppenhaus bis zum voyeuristischen „Larry“-Projekt – transformiert kalifornische Vorstadt-Tristesse in ein universelles Psychogramm menschlicher Obsessionen. Durch die Verschmelzung von privater Biografie und gesellschaftlicher Analyse sowie das Spiel mit Maßstäben bricht sie die Grenze zwischen psychologischer Innenwelt und physischem Außenraum auf. Damit reiht sie sich in eine Strömung zeitgenössischer Kunst ein, die das Unheimliche (das „Uncanny“) im Alltäglichen freilegt und die architektonische Metapher als Träger für komplexe Identitäts- und Erinnerungsprozesse nutzt.
Supported by AI

Kataloge/Medien zum Thema: Kaari Upson


Kaari Upson:

- Art Basel 2013
- Art Basel Hong Kong 2016
- Art Basel Miami Beach 2013
- art basel miami beach 2014
- art basel Paris 2025
- art berlin 2017
- art cologne 2015
- artbasel2021
- artbasel2021
- Biennale Venedig 2019
- Biennale Venedig 2022
- Frieze LA 2019
- Frieze LA 2019
- Frieze London 2013
- Frieze London 2022
- Gallery Weekend Berlin 2014
- Istanbul Biennial 2017
- Massimo De Carlo
- Overduin and Kite - Gallery
- Whitney Biennial 2017