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Wandern in Geschichte. Die Fotografie von Ulrich Wüst

13.03. - 14.06.2026 | Galerie für Zeitgenössische Kunst, Leipzig

Eingabedatum: 08.03.2026

Werkabbildung
Berlin 1982, aus der Serie / from the series: Stadtbilder. 1979–1985 © Ulrich Wüst; ifa
Das Werk von Ulrich Wüst wurde in den 1980er Jahren insbesondere durch seine zahlreichen Stadtbilder bekannt, die er an verschiedenen Orten der DDR aufgenommen hatte. Sie zeigen Spuren des Zweiten Weltkrieges und ungehinderten Verfall der historischen Bausubstanz. Im #Mittelpunkt seines fotografischen Interesses standen jedoch die durch Unachtsamkeit und Ahnungslosigkeit ebenso wie durch Zerstörung und Wildwuchs verursachten Absurditäten städtebaulicher Situationen. So entwickelte der Fotograf seine ganz eigene visuelle Form der Architekturkritik, die bis heute nichts an ihrer Eindringlichkeit verloren hat, zumal sie nicht ideologisch argumentiert, sondern von einem Phänomensinn getragen wird, dem ein subtiler Humor ebenso wenig fremd ist wie die Ironie.



Einem breiten internationalen Publikum wurden die Fotografien von Ulrich Wüst durch seine Einladung zur documenta 14 nach Kassel 2017 bekannt. Ulrich Wüsts fotografisches Werk, das sich im weitesten Sinne mit dem Thema deutscher Osten befasst, lässt sich auch über die versunkene DDR hinaus als Bild-Archäologie der Gegenwart beschreiben. Diese Bilder zeigen Fundstücke der „Grabungen“ und sind zugleich Werkzeuge zu deren Konservierung. Wüst hat einen untrüglichen Sinn für die Zeichenhaftigkeit alltäglicher Situationen, Gegenstände und Materialien ebenso wie für die hintergründigen Bedeutungsschichten von gefundenen Bildern, wie zum Beispiel den vergrößerten Details aus DDR-Pressefotos, die den manipulativen Gebrauch der Fotografie deutlich werden lassen.

Das fotografische Werk von Ulrich Wüst kann aus verschiedenen Perspektiven wahrgenommen werden. Die Beobachtungen, die er in seinen Bildern festhält, mögen letztlich ihre Wurzeln in der deutschen Teilung und deren Überwindung haben. Sie betreffen jedoch immer auch universelle Phänomene gesellschaftlicher Wandlungen und deren materielle Erscheinungsformen. Die scheinbar lapidaren, höchst präzise komponierten Bilder sind Ergebnis langer visueller Wanderungen in gegenwärtigen Orten der jüngsten Geschichte.

13.03. - 14.06.2026
Galerie für Zeitgenössische Kunst

Karl-Tauchnitz-Straße 9–11, 04107 Leipzig

https://www.gfzk.de

Presse

Kontext

Einordnung:
Ulrich Wüst lässt sich einer sachlich-analytischen Fotografie zuordnen, die die Grenzen zwischen Dokumentation und Konzeptkunst überschreitet. Sein Werk fungiert als „Bild-Archäologie der Gegenwart“, die durch präzise Kompositionen und einen phänomenologischen Blick städtebauliche Absurditäten sowie den Verfall historischer Substanz in der DDR und im wiedervereinigten Deutschland festhält. Wüsts Ansatz der ideologiefreien Architekturkritik nutzt subtilen Humor und Ironie, um universelle gesellschaftliche Wandlungsprozesse zu visualisieren. Damit steht er in der Tradition einer Autorenfotografie, die materielle Oberflächen als Bedeutungsschichten der Zeitgeschichte dechiffriert und die Fotografie gleichzeitig als Medium der Konservierung und kritischen Medienreflexion nutzt.
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Kataloge/Medien zum Thema: Ulrich Wüst


Ulrich Wüst:

- art berlin 2017
- Busan Biennale 2018
- documenta14
- Gallery Weekend Berlin 2016
- Sammlung DZ Bank Frankfurt
- Sammlung zeitgenoessische Kunst der BRD