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Andrea Büttner. Der Kern der Verhältnisse

22.4. - 1.10.2023 | Kunstmuseum Basel

Mit Andrea Büttner. Der Kern der Verhältnisse zeigt das Kunstmuseum Basel eine breit angelegte Ausstellung der deutschen Künstlerin. Knapp 90 Werke aus den letzten fünfzehn Jahren geben Einblick in ihr Schaffen. Es handelt sich um die bisher grösste Schau dieser international ausgezeichneten Künstlerin, deren Werk durch sinnliche Reduktion komplexer Inhalte besticht.

Seit den frühen 2000er Jahren schafft Andrea Büttner (*1972 in Stuttgart, lebt in Berlin) Werkgruppen zu Themen wie Arbeit, Armut, Scham und Formen des Zusammenlebens sowie zu gesellschaftlichen Prägungen, wie sie durch Glaubenssysteme religiöser oder weltlicher Natur entstehen. Bekannt geworden durch grossformatige Holzschnitte hat sie ihre künstlerischen Medien seither um eine Vielzahl erweitert. Dazu gehören unter anderem Bücher, Glasobjekte, Textilien und Videoinstallationen. Es entstehen Werke wie Little Sisters: Lunapark Ostia, Dancing Nuns, Vogelpredigt, What Is So Terrible about Craft? Die Produkte der menschlichen Hand und Phone Etching.

Büttners künstlerische Methode ist eine des genauen Hinschauens auf die eigene kulturelle Prägung, des Sichtbarmachens des Gesehenen und der Annäherung an öffentliche Debatten durch Bilder. Für Ausstellungen verknüpft Büttner ihre Werke zu thematischen Gruppen und installiert diese als raumgreifende «Erzählungen», die sich die Besucher:innen Schritt für Schritt erschliessen können. Die Ausstellung Der Kern der Verhältnisse kombiniert rund sechs Erzählstränge, die jeweils fliessend ineinander übergehen, und macht so die Kontinuitäten und inhaltlichen Verstrickungen im Werk der Künstlerin deutlich.

Eine zentrale Arbeit Büttners ist die Holzschnittserie Beggars (2016), die im Kunstmuseum Basel | Neubau gezeigt wird: Lebensgross und in einfachen Linien in die Holzfläche geschnittene Darstellungen verhüllter Bettler:innen rufen Mitgefühl und Aufmerksamkeit für ihre Geste der Hilfsbedürftigkeit hervor. Diese Bilder kombiniert die Künstlerin mit der 80-teiligen Diaprojektion Shepherds and Kings (2017). Darin hat Büttner Darstellungen der Geburt Christi zusammengeführt, wobei sie das Augenmerk nicht auf die Protagonist:innen der Szene, sondern auf die Hirten und Könige lenkt – als Repräsentanten für Arm und Reich. Komplettiert wird die Installation mit Reproduktionen historischer Kunstwerke aus dem Warburg Institute in London, die Bettler:innen zeigen. Büttner macht dazu die Notizen auf den Rückseiten dieser Abbildungen sichtbar. Festgehalten ist dort die Herkunft der Reproduktionen: Christie’s, Sotheby’s und weitere internationale Auktionshäuser. Die Künstlerin deutet so auf die Diskrepanz zwischen den Bildinhalten, den Bettler:innen, und dem Wert ihrer Darstellungen auf dem Kunstmarkt hin.

Büttner untersucht aktuelle Debatten vorurteilsfrei. Ihre räumlichen Erzählungen machen die Ambivalenzen innerhalb von etablierten (Halb-)Wahrheiten auf sinnliche Weise erfahrbar. Deutlich wird dies beispielsweise in der Kombination der Videoarbeit What Is So Terrible about Craft? / Die Produkte der menschlichen Hand (2019) mit einem Werkkomplex zur Debatte um die Spargelernte in Deutschland, die während der Corona-Pandemie 2020 entbrannte. Im Video bringt Büttner Filmmaterial aus einem Kölner Kloster mit Auslagen und Prospekten der Warenhauskette Manufactum zusammen. Die Nonnen stellen für diese verschiedene Produkte her, die sie selbst auch in ihrem Alltag verwenden.

Die grossformatige Doppelprojektion rückt das Thema des Ausverkaufs spiritueller Werte in den Vordergrund – ganz im Unterschied zum beeindruckenden selbstermächtigenden Lebensrealismus der mit Schausteller:innen lebenden Nonnen, den die Künstlerin in ihrer für die documenta 12 produzierten Videoarbeit Little Sisters: Lunapark Ostia vermittelt.

In einem weiteren Werkkomplex widmet sich Büttner Immanuel Kants Kritik der Urteilskraft. In elf grossformatigen Collagen von 2014 sammelt sie Dutzende von Bildern, die ihrer Meinung nach mit Kants abstraktem Text und seiner bildfremden Sprache korrespondieren. Sie gibt damit dem vor allem für die Ästhetik einflussreichen Klassiker der westlichen Philosophie die bildhafte Welt zurück, die der Philosoph beim Verfassen des Textes vor Augen gehabt haben könnte. Im Kunstmuseum Basel | Gegenwart kombiniert die Künstlerin diese imaginierte Bildwelt mit einer neu für die Ausstellung entwickelten Wandarbeit mit dem Titel Schamstrafen. Dafür druckt sie in halb transparenter, fluoreszierender Farbe historische und gegenwärtige Bilddokumente öffentlicher Bestrafungen direkt auf die Wand. Hintergrund dieser zum Werk gemachten Bildrecherche ist Büttners Interesse dafür, wie die Erfahrung oder aber die Vermeidung von Scham unser Sozialverhalten bestimmt.

Diese Darstellungstraditionen öffentlichen Schämens verbindet sie im Ausstellungsrundgang mit ihrer Serie Phone Etching (2015), die ins Medium der Farbradierung übertragene Spuren zeigen, die sie bei diversen Suchen im Netz auf ihrem Smartphone hinterlassen hat. Büttner verknüpft damit alte und neue Technologien, ein weiteres Charakteristikum ihres transmedialen Schaffens. Andrea Büttners Werk wurde in den letzten Jahren von internationalen Institutionen in Einzelausstellungen präsentiert, zum Beispiel im Hammer Museum, Los Angeles, in der Kunst Halle St. Gallen, im Walker Art Center, Minneapolis, in der Tate Britain, London und im MMK Museum für Moderne Kunst, Frankfurt am Main.

Kunstmuseum Basel
St. Alban-Graben 8
4051 Basel

kunstmuseumbasel.ch

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