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Carrying

14.05. - 08.11.2026 | Museum Brandhorst, München

Eingabedatum: 15.05.2026

Werkabbildung
Leyla Yenirce, Company, 2026
Mit „Carrying“ präsentiert das Museum Brandhorst ein Ausstellungsprojekt, das Räume innerhalb und außerhalb des Hauses aktiviert. Werke der internationalen Künstlerinnen Hêlîn Alas, Cana Bilir-Meier, Louise Lawler, Kate Newby, Tiffany Sia, Jaune Quick-to-See Smith und Leyla Yenirce besetzen historisch aufgeladene Orte und Transitzonen des Museums sowie den öffentlichen Raum. Architektonische Interventionen, Performances, Malereien sowie Sound- und Filmarbeiten treten in Dialog mit dem Museum und befragen die Verschränkung von militärischer und kultureller Macht.

Ausgangspunkt ist das Gelände, auf dem sich heute das Museum Brandhorst, die Pinakothek der Moderne und weitere Institutionen des Kunstareals befinden. Dort stand früher die Prinz-Arnulf-Kaserne, auch „Türkenkaserne“ genannt. Der Name des 1826 errichteten Militärkomplexes geht auf Kriegsgefangene zurück, die Ende des 17. Jahrhunderts aus dem Osmanischen Reich zur Zwangsarbeit nach Bayern gebracht wurden. Diese Geschichten haben sich in Orts- und Straßennamen wie der „Türkenstraße“ und dem „Türkentor“ eingeschrieben.

Welche Geschichten werden erzählt, wer erzählt sie und wie? Die eingeladenen Künstlerinnen nähern sich aus unterschiedlichen Perspektiven der Frage, wie sich Geschichte und Erinnerung mit teils erfundenen Erzählungen verweben und über Bilder, Medien und Monumente weitergetragen werden. Verschiedene Deutungen überlagern historische Realitäten von Gewalt, Ausbeutung und kultureller Aneignung und schreiben sich bis heute als Muster fort – von der sogenannten „Gastarbeiter“-Ära bis zu andauernden Debatten um territoriale Grenzen, Migration und Zugehörigkeit. Insbesondere dort, wo Krieg und Kultur ihre tatsächliche Verwobenheit verschleiern, gewinnen diese Fragen neue Dringlichkeit.

An spezifischen Orten wie Cy Twomblys „Lepanto“-Saal oder dem „Türkentor“ begreift „Carrying“ das Museum als einen Resonanzraum, in dem die Institution ihre eigene Geschichte und Identität untersucht – und lokale Ansätze mit globalen Fragestellungen verbindet.

Einige der Werke sind anlässlich von „Carrying“ entstanden und stehen in unmittelbarem Austausch mit ihrem Ausstellungsort.

Als Teil der Ausstellung findet ein umfangreiches Programm mit Artist Talks, Dialogformaten, Workshops und Filmprogrammen statt.

14.05. - 08.11.2026

Museum Brandhorst

Theresienstraße 35a, 80333 München

https://www.museum-brandhorst.de

Presse

Kontext

Einordnung:
Die Ausstellung „Carrying“ verortet sich im Schnittfeld von postkolonialer Institutionskritik und zeitgenössischer *Site-Specificity*, indem sie den musealen „White Cube“ aufbricht und die verborgene militärisch-imperiale Topografie ihres eigenen Standorts freilegt. Die Auswahl einer explizit weiblichen, international und diasporisch geprägten Künstlerinnengruppe – von Louise Lawler als Pionierin der Institutionskritik bis hin zu indigenen und postmigrantischen Positionen wie Jaune Quick-to-See Smith und Cana Bilir-Meier – formuliert eine intersektionale Gegenerzählung zur patriarchalen und hegemonialen Geschichtsschreibung. Multimediale, raumgreifende Praktiken wie architektonische Interventionen, Sound und Performance fungieren hierbei nicht nur als ästhetische Setzungen, sondern als dekoloniale Werkzeuge, um das eingeschriebene Gedächtnis von Zwangsarbeit und kultureller Aneignung rund um die historische „Türkenkaserne“ zu dekonstruieren. Kunsthistorisch steht das Projekt exemplarisch für einen kritischen Erinnerungsdiskurs, in dem das Museum selbst zum archäologischen Untersuchungsobjekt gemacht wird, um die unheilvolle Verflechtung von kultureller Repräsentation und militärischer Macht aufzuzeigen.
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