Judith Hopf / Alf Lechner
Pennys
17.05.2026 - 11.04.2027 | Lechner Museum, Ingolstadt
Eingabedatum: 16.05.2026

Mauern, Reifen, Kugeln, Koffer – viele Motive der Künstlerin Judith Hopf entstammen einer konstruierten Welt. Dinge, die Stabilität oder Mobilität versprechen, verhalten sich in ihren Arbeiten anders als erwartet. Sie entziehen sich ihrer Funktion und werden zu unzuverlässigen Artefakten. Ein Koffer aus Ziegeln und Mauern, die sich öffnen; Reifen, die ihr Gleichgewicht verlieren und zu kippen drohen. Das Rad als Symbol für Bewegung, Erfindergeist und Fortschritt verweist auf das Versprechen unaufhörlicher Zirkulation. Bei Hopf wirkt diese Bewegung jedoch ausgesetzt; es ist ein Kreislauf, der sich nicht mehr schließt. In der Ausstellung verdichtet sich diese Spannung zu einer Wetterlage: Ein gelber Blitz hängt von der Decke, Regenschauer ziehen über die Wände. Sie bilden kein Landschaftsbild, sondern einen Zustand, der aufzieht und doch in der Schwebe bleibt.
Im Dialog mit dem Werk von Hopf werden Arbeiten von Alf Lechner gezeigt. Es handelt sich um geschmiedete und gewalzte Stahlkörper, die Druck erfahren haben, geteilt und neu geordnet wurden. Einige von ihnen erscheinen verdichtet und beinahe münzartig, als hätten sie ihre ursprüngliche Gestalt verloren und wären unter Druck zu einer neuen Form von Wert geworden. Daneben sind großformatige Collagen aus dichten, handgeschöpften Papieren zu sehen. Sie scheinen eine Richtung anzudeuten, eine Bewegung nach vorn; vielleicht aber auch eine Kehrtwende.
Die Ausstellung hält Momente fest, in denen etwas ins Rollen geraten könnte oder zum Stillstand kommt. Vieles scheint unterwegs und bleibt doch stehen. Der Titel „Pennys” folgt dieser Logik: Kleine Münzen im ständigen Umlauf, die den Ort wechseln und doch oft zurückbleiben. Sie wandern durch Hände, Taschen und Umläufe als jene kleinste Form von Wert, die jedoch oft zurückbleibt, wenn das große Geld die Taschen verlassen hat. Gleichzeitig sind sie flache Körper mit Gewicht, Oberfläche und Nennwert – zwischen Umlauf und Stillstand, Stabilität und Bewegung, Ordnung und Verschiebung, Möglichkeit und Unmöglichkeit. Als hinge das Ganze auch am Kleinen.
Judith Hopf arbeitet mit Skulptur, Zeichnung und Kurzfilm und befasst sich darin mit prägenden Aspekten des Alltags. Dabei setzt sie sich wiederholt mit Entwicklungen in Kommunikationsmedien, Wirtschaft und Gesellschaft sowie deren Einfluss auf die menschliche Verfassung auseinander. Hopf wurde in Karlsruhe geboren, studierte Kunst in Bremen und Berlin und war bis 2025 Professorin an der Städelschule, der Staatlichen Hochschule für Bildende Kunst in Frankfurt am Main. Im selben Jahr nahm sie einen Ruf an die Hochschule für Bildende Kunst Dresden an. Ihre Arbeiten werden international in Museen und Galerien gezeigt, unter anderem bei der dOCUMENTA(13) und zuletzt im New Museum in New York.
Alf Lechner wurde am 17. April 1925 in München geboren. Er arbeitete zunächst als Schlosser und gründete 1948 die Firma Litema. Ab 1957 widmete er sich der Bildhauerei und schuf erste Skulpturen aus Stahl. In seinem Werk geht es immer wieder um das Verhältnis von Technik und Kunst, Material und Produktion, Prozess und Materie sowie Kalkül und Zufall. Lechner gründete 1999 die Alf Lechner Stiftung und eröffnete im Jahr 2000 das Lechner Museum in Ingolstadt. Von 2001 bis zu seinem Tod im Jahr 2017 lebte und arbeitete er mit seiner Frau Camilla in Obereichstätt.
Im Dialog mit dem Werk von Hopf werden Arbeiten von Alf Lechner gezeigt. Es handelt sich um geschmiedete und gewalzte Stahlkörper, die Druck erfahren haben, geteilt und neu geordnet wurden. Einige von ihnen erscheinen verdichtet und beinahe münzartig, als hätten sie ihre ursprüngliche Gestalt verloren und wären unter Druck zu einer neuen Form von Wert geworden. Daneben sind großformatige Collagen aus dichten, handgeschöpften Papieren zu sehen. Sie scheinen eine Richtung anzudeuten, eine Bewegung nach vorn; vielleicht aber auch eine Kehrtwende.
Die Ausstellung hält Momente fest, in denen etwas ins Rollen geraten könnte oder zum Stillstand kommt. Vieles scheint unterwegs und bleibt doch stehen. Der Titel „Pennys” folgt dieser Logik: Kleine Münzen im ständigen Umlauf, die den Ort wechseln und doch oft zurückbleiben. Sie wandern durch Hände, Taschen und Umläufe als jene kleinste Form von Wert, die jedoch oft zurückbleibt, wenn das große Geld die Taschen verlassen hat. Gleichzeitig sind sie flache Körper mit Gewicht, Oberfläche und Nennwert – zwischen Umlauf und Stillstand, Stabilität und Bewegung, Ordnung und Verschiebung, Möglichkeit und Unmöglichkeit. Als hinge das Ganze auch am Kleinen.
Judith Hopf arbeitet mit Skulptur, Zeichnung und Kurzfilm und befasst sich darin mit prägenden Aspekten des Alltags. Dabei setzt sie sich wiederholt mit Entwicklungen in Kommunikationsmedien, Wirtschaft und Gesellschaft sowie deren Einfluss auf die menschliche Verfassung auseinander. Hopf wurde in Karlsruhe geboren, studierte Kunst in Bremen und Berlin und war bis 2025 Professorin an der Städelschule, der Staatlichen Hochschule für Bildende Kunst in Frankfurt am Main. Im selben Jahr nahm sie einen Ruf an die Hochschule für Bildende Kunst Dresden an. Ihre Arbeiten werden international in Museen und Galerien gezeigt, unter anderem bei der dOCUMENTA(13) und zuletzt im New Museum in New York.
Alf Lechner wurde am 17. April 1925 in München geboren. Er arbeitete zunächst als Schlosser und gründete 1948 die Firma Litema. Ab 1957 widmete er sich der Bildhauerei und schuf erste Skulpturen aus Stahl. In seinem Werk geht es immer wieder um das Verhältnis von Technik und Kunst, Material und Produktion, Prozess und Materie sowie Kalkül und Zufall. Lechner gründete 1999 die Alf Lechner Stiftung und eröffnete im Jahr 2000 das Lechner Museum in Ingolstadt. Von 2001 bis zu seinem Tod im Jahr 2017 lebte und arbeitete er mit seiner Frau Camilla in Obereichstätt.
17.05.2026 - 11.04.2027
Lechner Museum, Ingolstadt
Esplanade 9, 85049 Ingolstadt
Presse
Kontext
Einordnung:Die Ausstellung verortet sich an der Schnittstelle von spätmodernem Minimalismus und postkonzeptueller Objektkunst, indem sie die massiven, prozesshaften Arbeiten Alf Lechners mit den subversiven Skulpturen und Installationen Judith Hopfs in Dialog setzt. Während Lechners geschmiedete und unter Druck verformte Stahlkörper sowie Papiercollagen in der Tradition der Konkreten Kunst und der industriellen Formfindung stehen, bei denen physikalische Kräfte und reine Materialität im Fokus bleiben, unterwandert Hopf die Logik der Dinge. Durch surreal anmutende Verfremdungen – wie Koffer aus Ziegeln oder ausgesetzte Bewegungskreisläufe – entzieht sie den Alltagsobjekten ihre Funktionalität und dekonstruiert spätkapitalistische Versprechen von Fortschritt, Stabilität und unendlicher Zirkulation. Der Ausstellungstitel „Pennys“ fungiert dabei als bindendes Leitmotiv für ökonomische wie physische Zustände: Beide Positionen verhandeln über ihre spezifischen Techniken die Dialektik von materiellem Wert, Formbarkeit und dem Spannungsfeld zwischen stetigem Umlauf und abruptem Stillstand. So spannt die Schau einen Bogen von der modernistischen Materialuntersuchung zur zeitgenössischen Gesellschaftskritik.






