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Sunset. Ein Hoch auf die sinkende Sonne

26. 11. 2022 - 2. 04. 2023 | Kunsthalle Bremen
Eingabedatum: 28.11.2022

Sunset. Ein Hoch auf die sinkende Sonne

Jörg Sasse, W-90-12-04, Bad Salzuflen 1990, 1990 C-Print, 28 x 37 cm Kunsthalle Bremen – Der Kunstverein in Bremen, © VG Bild-Kunst, Bonn 2022 bilder


In der Ausstellung geht es nicht nur um die Frage des Kitsches, sondern auch um das Potential des Themas, in zutiefst menschliche Sphären vorzudringen. So sind die gezeigten Werke vielfältig: Die Arbeiten unter anderem von Tacita Dean, Claude Monet, Dieter Roth, William Turner und Félix Vallotton sind berührend, humorvoll und apokalyptisch – mal abstrakt, mal atemberaubend schön.

Das Motiv des Sonnenuntergangs erlangte Mitte des 19. Jahrhunderts an Popularität, als Fotografie und druckgrafische Verfahren, später Film und das Internet für eine massenhafte Verbreitung von Sonnenuntergangsbildern sorgten. In der Ausstellung „Sunset. Ein Hoch auf die sinkende Sonne“ (26. November 2022 bis 2. April 2023) werden rund 120 Sonnenuntergänge in Form von Gemälden, Zeichnungen, Graphiken, Fotografien, Videos und Installationen präsentiert. Die Darstellungsweisen reichen weit über wunderschöne und kitschige Abbildungen hinaus.

Denn in der Kunst wurde das Motiv unter anderem auch kritisch aufgegriffen. Wie beispielsweise in dem Plakat „Keine Freiheit ohne Verschwendung“ von Klaus Staeck aus dem Jahr der zweiten Ölpreiskrise 1979. Vor einem spektakulär schillernden Himmel sind ein Sportwagen und ein Linienflugzeug zu sehen. Zwischen den CO2-Schleudern steht ein gutgelauntes junges Paar. Die Enkel*innengeneration der beiden wird den Begriff Flugscham prägen.

So ist das Staeck’sche Plakat auch nach vierzig Jahren unverändert aktuell.

Klassische Sunset-Sehnsuchtsorte
Die klassischen Sehnsuchtsorte des Sonnenuntergangs – in der Kunst und in der Alltagsfotografie – sind Berge und Meeresküsten wie in William Turners Gemälde „Strand von Calais bei Niedrigwasser“ (1830) oder in dem großformatigen Gemälde „Das Loisachtal in den bayerischen Alpen“ (1871) des Bremer Malers Johann Wilhelm Julius Köhnholz. Für „Sunset“ verlässt das Gemälde von Köhnholz erstmals nach hundert Jahren wieder das Depot der Kunsthalle. 2015 wurde es zudem aufwendig restauriert.

Eine Phase der Selbstbegegnung
Die Betrachtung des Sonnenuntergangs bringt zwangsweise etwas melancholisches, wehmütiges und selbstreflexives mit sich. So finden sich in der Kunst zahlreiche Menschen, die andächtig in die Sonne schauen wie bei „Frau vor der untergehenden Sonne“ (um 1818) von Caspar David Friedrich oder in dem wandfüllenden Gemälde von Heike Kati Barath.
Da der Sonnenuntergang ein Bild der Vergänglichkeit sein kann, eignet er sich insbesondere dazu Erinnerungen und Gedanken an Abwesende wachzurufen. Im Gemälde „Trauer“ (1902) von der dänischen Künstlerin Anna Ancher untermalt der Sonnenuntergang eben diesen Moment zweier Frauen am Kreuz.

Der Sonnenuntergang geht in Serie
Die Popart liebt den Sonnenuntergang. Bei Ed Ruscha findet man ihn mehrfach, wie in seinem monumentalen Panoramagemälde „The Back of Hollywood“ (1977). Andy Warhol hat 1972 eine eindrucksvolle Sunset-Serie gestaltet, die für ein luxuriöses Hotel in Auftrag gegeben wurde. Als Vorläufer können in diesem Zuge auch die Werke von Félix Vallotton gesehen werden. Ab 1910 malte
Vallotton bis zu seinem Tod rund 40 Sonnenuntergänge – niemals Sonnenaufgänge.

Das Große ganz klein
Die ferne Größe des Sonnenuntergangs lässt sich auch im Kleinen und Nahen finden, zum Beispiel im Treibgut am Strand oder in den Lamellen eines Pilzes. Dieter Roth wartet Ende der 1960er Jahre mit einer buchstäblichen Verwurstung des Sonnenuntergangsmotivs auf. In einer ganzen Reihe von Arbeiten positioniert er jeweils zwischen zwei verschiedenfarbigen Blättern eine Wurstscheibe so, dass sie an der Horizontkante der Papiere wie ein halb vollzogener Sonnenuntergang erscheint.

Trübe Aussichten
Die Sensibilität für den Klimawandel verändert auch den Blick auf die Kunstgeschichte. Eine Gemäldeserie des Britischen Parlamentes von Claude Monet ist dafür ein schrecklich schönes Beispiel. Aus heutiger Sicht werden die trübe Lichtstimmung als Dokument früher Umweltverschmutzung interpretiert.

Die Melancholie von Monets Bild wohnt auch Tacita Deans Filmarbeit „The Green Ray“ von 2001 inne. Der grüne Strahl ist ein sehr selten wahrnehmbares optisches Phänomen, das bei Sonnenuntergang sichtbar werden kann. Ein heller grüner Schein erglimmt am oberen Rand der Sonnenscheibe. Unsere allerorts verbauten Sichtverhältnisse, Smog und die zunehmende Lichtverschmutzung rücken das Glück ihn zu erhaschen heutzutage in die Liga eines Wunders.

120 Werke in zehn Räumen und eine Außeninstallation
In der Ausstellung „Sunset. Ein Hoch auf die sinkende Sonne“ (26. November 2022 bis 2. April 2023) werden in zehn Sälen insgesamt rund 120 Kunstwerke präsentiert. Die Gemälde, Zeichnungen, Graphiken, Fotografien, Videos und Installationen stammen unter anderem von Anna Ancher, Heike Kati Barath, Tacita Dean, Max Ernst, Caspar David Friedrich, Emil Nolde, Claude Monet, Ed Ruscha, Norbert Schwontkowski, Wolfgang Tillmans, William Turner, Günther Uecker, Félix Vallotton und Andy Warhol.

Die Ausstellung strahlt auch nach außen: Die eigens für die Show entwickelte LED-Installation „SW235° 16:16 h“ des Schweizer Lichtkünstlers Daniel Hausig ist an der Fassade der Kunsthalle zu sehen. Farbige Lichtszenen und Sequenzen wandern über die Fenster der Kunsthalle. Und im Café Sylvette leuchtet anlässlich der Ausstellung eine Neonarbeit von Fiete Stolte.

Kunsthalle Bremen
www.kunsthalle-bremen.de

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