1 Million Rosen für Angela Davis

(Öffnungszeiten überprüfen!)| Kunsthalle im Lipsiusbau, Dresden
Eingabedatum: 12.10.2020

1 Million Rosen für Angela Davis

Ausstellungsansicht "1 Million Rosen für Angela Davis" © SKD, Foto: Laura Fioriobilder

Im September 1972 empfingen jubelnde DDR-Bürger*innen die US-amerikanische Kommunistin Angela Davis (*1944) in Ost-Berlin. Hunderttausende von ihnen hatten sich zuvor an der von offizieller Stelle geleiteten Postkarten-Kampagne Eine Million Rosen für Angela beteiligt, die dazu beigetragen hatte, dass die junge Black Power-Aktivistin und Philosophieprofessorin in einem Terrorismus-Prozess in den USA freigesprochen und aus der Haft entlassen wurde. Als „Heldin des anderen Amerikas“ stilisierte man sie in der DDR, in Osteuropa und linken Kreisen weltweit in den 1970er-Jahren zur Ikone der Revolution. Angela Davis wiederum hoffte auf eine große internationalistische Bewegung für eine sozialistische, feministische und nicht-rassistische Demokratie als Gegenpol zu ihren Erfahrungen der Gewalt und Unterdrückung als Schwarze Frau in den USA.

Diese Momente der politischen Projektion, aber auch der Hoffnung sind historische Ausgangspunkte für die Ausstellung, die ab dem 10. Oktober 2020 in der Kunsthalle im Lipsiusbau zu sehen ist. Internationale zeitgenössische Kunstwerke thematisieren die noch immer dringlichen Anliegen der inzwischen emeritierten Professorin und eröffnen eine Diskussion um die Hintergründe, die Fehlstellen und das uneingelöste Potential dieser ungewöhnlichen Verbindung zwischen Angela Davis und der DDR.

In den Fotografien, Videos, Skulpturen, Klanginstallationen und Konzeptarbeiten der Ausstellung nimmt eine junge Künstler*innengeneration Davis’ bis heute anhaltendes Engagement für soziale Gerechtigkeit, ihren Kampf gegen Rassismus und Sexismus ebenso in den Blick wie die Einschreibung ihres ikonischen Bildes in eine globale Geschichte des Widerstands. Im Dialog mit umfangreichen Archivmaterialien sowie Werken von Künstler*innen aus der DDR entsteht ein experimenteller Raum der Begegnung von Vergangenheit und Gegenwart, der einen Bogen vom sozialistischen Internationalismus der DDR zur weltweiten Black Lives Matter-Bewegung schlägt.

Präsentiert werden insgesamt 52 Kunstwerke und umfangreiches Archivmaterial. Hierzu gehören eine Auswahl der Postkarten der Solidaritätsaktion aus einer US-amerikanischen Privatsammlung und Gemälde von Willi Sitte (1921–2013), Bernhard Franke (*1922) und Christoph Wetzel (*1947). Vor allem aber befragen in der Ausstellung medienübergreifende Arbeiten von Gegenwartskünstler*innen den Kult um Angela Davis einerseits und stellen andererseits ihr Wirken als Aktivistin und Philosophin in den Fokus politischen Kunstschaffens: Die US-amerikanische Konzeptkünstlerin Sadie Barnette (*1984) verfolgt beispielsweise Strategien der Wiederaneignung von Schwarzer Geschichte. Sie kreiert eine Installation aus FBI-Überwachungsakten zu ihrem Vater, der Mitglied der sozialistisch-revolutionären Gruppe der Black Panther Party for Self-Defense sowie zeitweise Angela Davis‘ Leibwächter war. Gabriele Stötzers (*1953) Video-Performance, in der sie ihre Inhaftierung während der DDR-Zeit verarbeitet, schlägt den inhaltlichen Bogen zu Davis‘ eigener Freiheitsstrafe und ihren Untersuchungen zum amerikanischen gefängnisindustriellen System. Gleichzeitig thematisiert sie den zentralen Widerspruch der DDR-Politik: wie ein Staat mithilfe der hoffnungsvollen Empathie seiner Jugend die politische Gefangene Angela Davis bei ihrem Schauprozess umfangreich unterstütze, gleichzeitig jedoch Reformbestrebungen im eigenen Land selbst gewaltsam unterdrückte und es lediglich bei Lippenbekenntnissen zum Anti-Rassismus blieb.

Vier Neuproduktionen internationaler Künstler*innen (Steffani Jemison & Justin Hicks, Ângela Ferreira, Elske Rosenfeld, Lewis Watts) sowie ein für die Schau entstandener Interviewfilm mit Angela Davis beleuchten die nach wie vor große Bedeutung und den Einfluss der politischen Arbeit der Aktivistin auf das zeitgenössische Kunstschaffen. Im Foyer des Lipsiusbaus lädt ein Leseraum von Contemporary And (C&) – einem Magazin, das den Blick auf zeitgenössische Kunst aus Afrika und aus der afrikanischen Diaspora wirft – ein, sich dem Thema literarisch anzunähern.

Das Vermittlungsprogramm für Jugendliche legt einen speziellen Fokus auf Begriffsklärungen rund um das Thema Rassismus. Die Begleitveranstaltungen stellen afro-deutsche Aktivistinnen vor und eine Black Power-Filmnacht in Kooperation mit ARTE und dem Filmtheater Schauburg zeigt Dokumentationen zum Thema.

Zur Ausstellung erscheint eine deutsch- und englischsprachige Publikation bei Mousse Publishing mit Beiträgen von Nikita Dhawan, Kata Krasznahorkai, Sophie Lorenz, Doreen Mende, Peggy Piesche, Kathleen Reinhardt, Maria Schubert, Hilke Wagner, Jamele Watkins und einem neuen Interview mit Angela Davis.
ISBN 978-88-6749-439-2, Mousse Publishing, 271 Seiten, € 27

Künstler*innen
Yael Bartana, Jean-Michel Basquiat, Sophie Calle, Contemporary And, Sadie Barnette, CHTO DELAT?, Melvin Edwards, Ângela Ferreira, Bernhard Franke, Coco Fusco, Ellen Gallagher, Claudia Martínez Garay, Lawrence Abu Hamdan, Arthur Jafa, Steffani Jemison & Justin Hicks (Mikrokosmos), Iris Kensmil, Hassan Khan, Kapwani Kiwanga, Raja Lubinetzki & Petra Schramm, Julie Mehretu, Heinz-Detlef Moosdorf, Senga Nengudi, Ahmet Öğüt, Slavs and Tatars, Julia Phillips, Alex Martinis Roe, Elske Rosenfeld, Anri Sala, Willi Sitte, Cauleen Smith, Nancy Spero, Gabriele Stötzer, Strawalde (Jürgen Böttcher), Nasan Tur, Lewis Watts, Carrie Mae Weems, Christoph Wetzel, Charles White, Heinz Wodzicka

Presse



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- Art Basel Hong Kong 2014

- Art Basel Miami Beach 2013

- art basel miami beach 2014

- documenta 7 1982

- Eine Geschichte Zeitgenössische Kunst aus dem Centre Pompidou 2016

- Frieze LA 2019

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- MoMA Collection

- Museo Reina Sofía Collection

- Prospect New Orleans 3, 2014

- Sammlung Würth

- TALKING PIECES Museum Morsbroich


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