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Julia Scher. Hochsicherheitsgesellschaft

26. 03. – 20. 08. 2023 | Museum Abteiberg, Mönchengladbach

Julia Schers Stimme ist das erste Werk der Ausstellung. Im Windfang des Museumseingangs spricht sie aus dem Off eines Lautsprechers. Der Text begrüßt und informiert über den Raum, der betreten wird: Es ist ein überwachter Ort. Sobald man ihn betritt, steht man unter Beobachtung. Gewarnt wird vor den Kameras, die alles an diesem Ort erfassen, im beschwichtigend verführerischen Tonfall einer höheren Kraft aus dem Off: „Don’t worry“, seien Sie unbesorgt.

Die US-amerikanische Künstlerin (*1954 in Hollywood, Kalifornien) zählt zu jenen, die die Macht der digitalen Medien und das von ihnen perfektionierte Phänomen der Überwachungsgesellschaft sehr früh diagnostizierten. Sie führte gewissermaßen den Anfang unserer heutigen Gegenwart vor, als sie in den 1990er Jahren die Technologie von Kamera- und Audioüberwachungssystemen in Kunsträumen installierte. Sie führte die Mechanismen der Kontrolle, der Macht, der Manipulation und auch der Beschwichtigung vor. Mit der Live-Schaltung dieser Geräte, Schers eigener Stimme aus dem Off der Audioanlagen, Inszenierung oder auch lokaler Einbeziehung des institutionellen Aufsichtspersonals kreierte sie manipulative Situationen, die das Publikum einer Kunstausstellung in die Suggestion führte, beobachtet und kontrolliert zu werden. Bereits Ende der 1980er Jahre, noch vor Formaten wie Big Brother oder Filmen wie The Truman Show, begann diese Auseinandersetzung. Geradezu prophetisch antizipierte sie damit die Entwicklung hin zu unserer heutigen Gesellschaft, in der die permanente Erfassung persönlicher Daten Normalität geworden ist.

Scher baut suggestive, seherische Räume, Live-Situationen der Überwachung, die von frühdigitalen Kontrollsystemen mit Kameras und Monitoren bis zu komplexen Datenabgreif- und Abhörsystemen in Smartphones, Siri oder Alexa reichen. Das Werk von Scher zeigt das „Überwachen und Strafen“ (Michel Foucault), den Zusammenprall von Lust und Kontrolle in einer Hochsicherheitsgesellschaft (engl. Maximum Security Society), die der Soziologe Gary T. Marx als unsere Gegenwart definiert: Es ist eine Gesellschaft, die diese Technologien genießt und liebt, dabei den Kontrollverlust und das Geschäft mit den persönlichen Daten billigend in Kauf nimmt.

Zur Ausstellung

In einer essayistischen Überblicksschau präsentiert das Museum Abteiberg Julia Schers Arbeit von den Anfängen bis heute. Einige zentrale Räume werden neu aufgebaut, so die Live-Kamera-Beobachtung eines Museums, Predictive Engineering, die sie erstmalig 1993 für das San Francisco Museum of Modern Art entwarf und nun im Museum Abteiberg neu produzierte, die frühdigitale Werkstatt-Assemblage American Fibroids (1995/96), die Installation Wonderland, eine Sicherheitszentrale der Kinder, die sie erstmalig 1997 im MCA Chicago zeigte, Embedded mit Mama Bed, Papa Bed und Baby Bed (2003) aus der Serie der Surveillance Beds sowie der Audio-Raum Delta (Radio) und Planet Greyhound (produziert mit der Kunsthalle Gießen 2022) aus ihrem aktuellen Werk. Neben den ganz frühen Computer-Installationen Dirty Data. I’ll Be Gentle und Schürmann Haus (1991) wird auch die Vorgeschichte ihrer gesellschaftlichen Thematik zu sehen sein, Schers Beginn in Landschaftsmalerei und -fotografie und ihr schlüsselartiger autobiografischer Einstieg im Jahr 1988 mit der fast 4-stündigen Video-Arbeit Discipline Masters.

Zu erleben ist eine multimediale Arbeit in Malerei, Skulptur, Video und Audio, Performance, mit Projekten in Clubs und im Internet, die sich aus den Veränderungen der Gegenwart entwickelt hat, dem Cyber Space, in dem Identität nicht mehr aus dem individuellen Menschen, sondern aus Daten definiert wird. Das Werk von Scher ist heute als eine der zentralen Positionen in den kunst- und medienkritischen Diskursen seit den 1990er Jahren zu betrachten, für unsere Gegenwart hochaktuell und zugleich eine Entdeckung.

Museum Abteiberg
Abteistraße 27 / Johannes-Cladders-Platz
D - 41061 Mönchengladbach
www.museum-abteiberg.de

Presse





Kataloge/Medien zum Thema: Julia Scher



Julia Scher:


- art berlin 2017

- artbasel2021

- Esther Schipper, Galerie

- Frieze LA 2019

- Frieze London 2022


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